Ein lachendes und ein weinendes Auge beim Blick zurück auf die Heim-WM PDF Drucken E-Mail
Interview Kristin Silbereisen warnt vor Essen und ist im Titelkampf optimistisch

Kroppach. Vor dem Spiel überreichte Kristin Silbereisen dem Goldhochzeit-Paar Schmidt einen Blumenstrauß, korrigierte später die Anzeigetafel, steuerte zwei Punkte in Doppel und Einzel zum 6:0 gegen Schwabhausen bei und nahm sich anschließend die Zeit zu einem WZ-Interview.

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Nationalspielerin Kristin Silbereisen war am Donnerstagabend in Kroppach das „Mädchen für alles“.
Foto: Jürgen Vohl


Wie schwer ist die Umstellung gefallen von der Mannschafts-WM in Dortmund zum Bundesliga-Alltag in Kroppach?

Das ging ganz gut, ich spiele immer sehr gerne hier. Körperlich war die Weltmeisterschaft allerdings sehr anstrengend, die Spannung lässt danach schon etwas nach. Aber man will sich dann in der Bundesliga gegen einen schwächeren Gegner wie Schwabhausen auch keine Blöße geben.



Wie sieht Ihre Gefühlswelt denn nun nach der WM mit dem dramatischen Viertelfinalspiel gegen Ex-Weltmeister Singapur aus?

Insgesamt können wir ein positives Fazit ziehen, wir sind mit dem Druck vor eigenem Publikum und nach dem Trainerwechsel gut umgegangen. Es hat auch von außen ein positives Echo gegeben, viele haben unser Spiel gegen Singapur als die beste Begegnung der WM bezeichnet. Aber ich trauere schon meinen zwei Bällen hinterher, die uns zum 3:0-Sieg und der Medaille gefehlt haben. Ein 7:11 wäre nicht so dramatisch gewesen.



Am Karsamstag steht mit dem FSV Kroppach schon das nächste Spiel in Essen an...

Das wird ein schweres Spiel. Die Hinrundenbegegnung haben wir zwar letztlich klar gewonnen, doch es waren ein paar enge Spiele dabei. Wichtig wird es für uns sein, möglichst wieder mit einer 2:0-Führung aus den Doppeln zu kommen, wie uns das meistens gelingt. Drei der vier Essener Spielerinnen waren aber nicht bei der Weltmeisterschaft dabei, die werden frischer sein als wir.

Wie schätzen Sie die Kroppacher Chancen auf die Titelverteidigung ein?

Wir sind die beste Mannschaft in der Bundesliga, auch wenn wir in dieser Saison in Saarlouis nach einer langen Erfolgsserie mal ein Spiel verloren haben. Wir sind auch keine Übermenschen und durchaus mal schlagbar, aber ich sehe uns auf einem guten Weg. Das Ziel ist, den Titel wieder nach Kroppach zu holen, das ist ganz klar.



Wie sehen Sie mittelfristig die Zukunft der Frauen-Bundesliga, aus der sich am Saisonende drei Vereine zurückziehen werden?

Diese Probleme sind vor allem durch die Entscheidung entstanden, in der Bundesliga zu Viererteams zurückzukehren. Mit Dreiermannschaften war die Liga ausgeglichener und spannender. Ich verstehe es bis heute nicht, dass gerade diejenigen Vereine, die es finanziell ohnehin schwer haben, für Vierermannschaften gestimmt haben. Wenn nun eine Mannschaft wie Watzenborn aufsteigen und personell unverändert mit dem bisherigen Zweitliga-Team weiterspielen will, darf man sich davon für die erste Bundesliga natürlich auch keine große Attraktivität versprechen. Die werden mit einer gewissen Euphorie in die Liga kommen, nach zwei oder drei Spieltagen dann aber auch schnell die Lust verlieren, wenn die ersten klaren Niederlagen kommen.



Das Gespräch führte unser Redakteur Christoph Gerhards

Westerwälder Zeitung vom Samstag, 7. April 2012, Seite 20