„Dudu“ Wu Jiaduo gewinnt Europe Top 12 PDF Drucken E-Mail
Zweitgrößter Erfolg für die Nationalspielerin vom FSV Kroppach

Von unserem Mitarbeiter René Adler


Lyon/Kroppach. Gleich das erste Spiel in Lyon verloren und doch das Turnier gewonnen: Für Tischtennis-Nationalspielerin Wu Jiaduo vom FSV Kroppach endete eine zweitägige sportliche Achterbahnfahrt mit dem zweitgrößten internationalen Erfolg ihrer Karriere: „Dudu“ gewann knapp zweieinhalb Jahre nach ihrem Einzel-Gold bei der Europameisterschaft in Stuttgart zum ersten Mal das Europe Top 12-Turnier.

Das galt auch für Dimitrij Ovtcharov, der damit den deutschen Triumph in Frankreich komplett machte. Der Deutsche Tischtennis-Bund stellt zum zweiten Mal nach 2003 (Timo Boll und die damalige Kroppacherin Jie Schöpp) beide Sieger.

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„Dudu“ Wu Jiaduo vom FSV Kroppach hat in Lyon zum ersten Mal in ihrer Karriere das europäische Top-12-Turnier gewonnen. Die Europameisterin von 2009 darf sich über eine Siegprämie von 9000 Euro freuen. Foto: Jürgen Vohl


Harte Arbeit gegen Abwehrkünstler

Ein hartes Stück Sonntagsarbeit bescherte Wu Jiaduo ihren ersten Triumph beim Europe Top 12, nachdem es zuvor 2007 und 2009 für Habfinal-Teilnahmen gereicht hatte und sie im vergangenen Jahr schon in der Vorrunde gescheitert war. Im Endspiel gegen Hollands Abwehrass Li Jie musste Wu ebenso sieben Sätze lang Schwerstarbeit verrichten wie im Halbfinale gegen Europas beste Abwehrspielerin, die Weißrussin Viktoria Pavlovich. „Ich bin wirklich glücklich, dass ich dieses Turnier gewonnen habe. Ich habe heute sehr gut gespielt, besser als am Samstag und war ganz auf den Erfolg konzentriert“, freute sich die gebürtige Chinesin. „Eine knifflige Situation war im Finale der nach einem Matchball verlorene sechste Satz und der schlechte Anfang mit 0:3 im siebten. Da kommt man ins Nachdenken. Ich hatte aber heute noch zuzulegen, das war entscheidend.“

Schon um 9 Uhr am Sonntagmorgen hatte sie die beim Stand von 2:3 Sätzen wegen eines durch die Kälte bedingten Stromausfalls in der Halle in Lyon abgebrochene Partie gegen die Rumänin Elizabeta Samara noch zu ihren Gunsten gedreht. „Vielleicht war es deshalb sogar ganz gut für mich, dass gestern die Partie unterbrochen wurde“, meinte Wu. Dies war eine von vielen kritischen Situationen, die sie in Lyon meisterte.

Sie war am Samstag mit einer 2:4-Niederlage gegen die bereits 48 Jahre alte, aber sehr unangenehm zu spielende Luxemburgerin Ni Xialian vom Bundesliga-Rivalen Saarlouis-Fraulautern ins Turnier gestartet, der Kroppach im Dezember mit einem 6:2 die höchste Bundesliga-Niederlage seit sechs Jahren beigebracht hatte. „Danach habe ich aber nie aufgesteckt. Dieser Sieg macht mich sehr froh. Es ist nach dem Europameisterschafts-Titel mein zweitwichtigster Erfolg“, sagte „Dudu“, die den Einzug in die Endrunde durch ein überzeugendes 4:0 in ihrem zweiten Gruppenspiel gegen Shen Yanfei (Spanien) perfekt machte.



Ein Zeichen im Hinblick auf WM

Vor allem die Kroppacherin, aber auch die Berlinerin Irene Ivancan, die bei ihrem Turnierdebüt bis ins Viertelfinale kam, haben in Frankreich auch ein wichtiges Zeichen in Richtung Heim-WM in Dortmund (25. März bis 1. April) gesetzt, wo das deutsche Team die sehr schwere Aufgabe hat, die überraschende Bronzemedaille von 2010 zu verteidigen. Dann soll wohl die Ex-Kroppacherin Jie Schöpp als Bundestrainerin fungieren.

„Mein Titel, aber auch Irenes Sieg gestern gegen Europameisterin Li Jiao haben gezeigt, dass man mit unserer Mannschaft in Dortmund rechnen muss“, formulierte „Dudu“ nur vier Monate nach der verpassten Europameisterschafts-Medaille ihre Kampfansage an die Konkurrenz, bevor sie gestand: „Aber jetzt bin ich auch müde, sehr müde. Zweimal hintereinander im Halbfinale und im Finale gegen Abwehr zu spielen, das schlaucht ganz schön.“

Westerwälder Zeitung vom Montag, 6. Februar 2012, Seite 23