Der MTV Tostedt schockt die Liga PDF Drucken E-Mail
Tostedt. Der schöne Sieg des MTV Tostedt gegen den TSV Schwabhausen hat einen ganz bitteren Beigeschmack erhalten, denn Teamchef Friedel Laudon gab den Rückzug in die 2. Bundesliga zur Saison 2012/13 offiziell bekannt. Die Niedersachen verabschieden sich nach 11 Jahren Bundesliga. „Es ist in erster Linie einfach zu mühsam geworden, die entsprechenden Mittel zusammenzutragen. Unser Entschluss steht fest, wir wollen nicht mehr“, war  bei Laudon die Enttäuschung nicht zu überhören.

Dafür brach der Bann bei Yvonne Kaiser. Die ehemalige Mädchennationalspielerin, die nach einem Bandscheibenvorfall ein wenig den Anschluss verlor, meldet sich gegen den TSV Schwabhausen mit dem Triumph gegen Kathrin Mühlbach zurück. Ihr Sieg verhalf den Niedersachsen zum vorentscheidenden 5:1. Glänzend aufgelegt zeigte sich beim MTV auch Nadine Bollmeier, die ebenfalls unerwartet mit 3:1 gegen Jungnationalspielerin Sabine Winter siegte.  

 

MTV Tostedt – TSV Schwabhausen 6:1

 

Nadine Bollmeier und Yvonne Kayser heißen die Spielerinnen der Stunde

 

Im sportlichen Bereich nutzte der MTV Tostedt wieder einmal die Gelegenheit bei einem Heimspiel, einer jungen Akteurin aus der zweiten Mannschaft Spielpraxis in der 1. Liga zu vermitteln. Yvonne Kaiser übernahm die Position von Svenja Obst, die diesmal allerdings krankheitsbedingt nicht zur Verfügung stand. Ansonsten trat der Gastgeber gegen den TSV Schwabhausen mit stärkster Formation Han Ying, Nadine Bollmeier und Tatsiana Kostromina an.

Die erste Überraschung glückte Bollmeier, die nach einem 5:11 gegen Winter das richtige Rezept entdeckte und sich mit einem 11:8, 11:9, 11:9 für das glatte 0:3 der Hinrunde perfekt revanchierte. Damit nahm sie den Bayern den Wind aus den Segeln. Für das 1:1 hatte Winter an der Seite von Kathrin Mühlbach nach einem 0:2-Satzrückstand gegen Bollmeier/Kaiser gesorgt, während sich für die Niedersachsen das Abwehrduo Han Ying/Kostromina gegen Yang Ting/Agnes Kokai schadlos hielt.

Den sicheren 4:1-Vorsprung erzielten dann wie erhofft Han Ying gegen Yang Ting und Kostromina gegen Kokai. In beiden Partien waren die Gäste nahezu chancenlos.

Auf dem Weg zur zweiten Überraschung befand sich dann Kaiser, die sich ein 2:1 gegen Mühlbach aufbaute. Mit einem 6:11 quittierte sie dann aber doch den Ausgleich. Davon unbeeindruckt bewahrte Kaiser im fünften Satz die Ruhe, sodass sie ihre gerade 20 Jahre alt gewordene Gegnerin beim 7:6 zu einer Auszeit nötigte. Doch Kaiser war nicht mehr zu bremsen, die mit einem 11:7 ihren ersten großen Sieg in der Eliteliga feierte. Ihrem überschwänglichen Jubel stand die herbe Enttäuschung in der anderen Ecke der Box gegenüber. Die wohl beste Saisonleistung von Mühlbach liegt mit dem Sieg gegen Maria Fazekas vom TTSV Saarlouis-Fraulautern am 1. Oktober 2011 schon länger zurück. Ausgerechnet die knappe Fünf-Satz-Niederlage gegen Kostromina Ende Oktober löste bei der Schwabhausenerin eine Negativserie aus, die bis dato Gültigkeit besitzt.

Ein echtes Spitzeneinzel lieferten sich nach der Pause Han Ying und Winter. Nach einer 10:6-Führung der Tösterin im ersten Satz glich Winter aus, die sich mit 14:12 den ersten Durchgang schließlich sicherte. Genauso umkämpft gestaltete sich der zweite Abschnitt, den sich diesmal Han Ying nach einem 8:10 mit 12:10 schnappte. In dieser Phase hatte Bollmeier ein mehr als deutliches 0:3 gegen Yang Ting kassiert. Nach einem weiteren 12:10 zu Gunsten von Han Ying, die einen 3:6-Rückstand aufgeholt hatte, marschierte sie Schritt für Schritt  ihrer geplanten Revanche entgegen. Beim Bundesranglistenfinale hatte Winter die Nase vorn, die sich beim 6:8 von einem Time-out noch einmal neu inspirieren lassen wollte. Das klappte nicht mehr, sodass Han Ying das Spiel mit einem 11:7 zum 6:1 frühzeitig beendete. Und Bollmeier durfte eine Niederlage in ihrer Bilanz streichen, da diese nicht mehr in die Wertung kam.

„Ohne Übertreibung, wir hätten uns über ein 5:5 auch nicht gewundert. Teilweise verliefen die Partien so eng. Absolutes Weltklasseniveau präsentierten Han Ying und Sabine. Die Zwei übertrafen die Erwartungen im Vorfeld. Ein Dank geht an Sabine, dass sie hier war und so ein tolles Spiel gezeigt hat“, lobte Laudon. Aus Sicht von Han Ying sei der Erfolg, gleichzeitig der Siegpunkt, natürlich das i-Tüpfelchen gewesen. „Nadine spielte sehr konzentriert gegen Sabine und traf die Bälle zunehmend besser. Dass sie den dritten Satz nach einem 2:6 noch aus dem Wasser gezogen hat, war wohl vorentscheidend. Die Konterschüsse von Yvonne waren erste Sahne. Wir sind zufrieden, denn wir haben alle Einzel gewonnen“, sagte Laudon.

„Unsere Niederlage fiel klarer aus als erwartet, weil wir einige gute Chancen ausgelassen haben. Die Doppel waren noch in Ordnung, aber Sabine spielte gegen Nadine über weite Strecken zu passiv. Sie ließ sich ihr Spiel aufdrängen. Agnes produzierte zu viele leichte Fehler, und Kathrin und Yvonne verfügen über eine ähnliche Spielanlage. Das war ein klasse Match, in dem Yvonne heute die besseren Karten besaß. Sehenswert natürlich die Begegnung von Sabine gegen Han Ying, aber Sabine war am Ende ganz schön gefrustet. As habe ich bei ihr so noch nicht gesehen“, berichtete TSV-Pressesprecher Harald Dannhauer.

Martina Emmert (www.tischtennis.de)