Jahresrückblick - Dat is ja nich wie bei armen Leuten PDF Drucken E-Mail
FSV Kroppach sichert sich in Essen in einzigartigem Ambiente seinen fünften DM-Titel

Von unserem Redakteur Christoph Gerhards

alt
Bild vergrößern
 
Jubel beim FSV Kroppach über den vierten deutschen Meistertitel in Folge nach dem 6:2-Sieg bei der DJK TuS Essen-Holsterhausen, von links: Teamchef Dennis Leicher, Wu Jiaduo, Krisztina Toth, Shan Xiaona, Jürgen Bertling, Anja Schuh, Kristin Silbereisen und Manager Horst Schüchen. Foto: Jürgen Vohl

Essen/Kroppach. Der FSV Kroppach dominiert die Tischtennis-Bundesliga der Frauen, steht ohne Verlustpunkt an der Tabellenspitze und hat die Chance, sich schon am drittletzten Spieltag vorzeitig mit einem Sieg in Essen den fünften DM-Titel zu sichern.

Frei nach dem Motto „Da simmer dabei, dat is prima“, fahre ich mit unserem Fotografen Jürgen Vohl und dessen Gattin Ingrid in die Ruhrmetropole, zu den Kaufmännischen Schulen-West in der Planckstraße. Die Parkplatzsuche ist kein Problem, ein Schild weist auf die DJK TuS Essen-Holsterhausen hin. Wir sind also richtig, doch einen richtigen Halleneingang gibt es definitiv nicht, die Beschilderung führt uns gleich in und durch einige Umkleideräume. Da die Mannschaften schon umgezogen sind und sich in der Halle aufwärmen, werden wir wenigstens nicht zu unfreiwilligen Spannern.

Tatsächlich führt uns ein schmaler und dunkler Gang zu einem Tisch, an dem ein Kassierer sitzt und sich ganz offenkundig auf die Einnahmen von drei Erwachsenen freut. Nachdem wir ihn mittels unserer Presseausweise bitter enttäuscht haben, betreten wir eine Halle, die so spartanisch eingerichtet ist, dass die Kroppacher Schulturnhalle im Vergleich wie die Köln-Arena wirkt. In einer Ecke wird an einem Tisch ein wenig eingekaufter trockener Kuchen angeboten, das ist die Restauration.

Eine Tribüne gibt es gar nicht, außer 25 Stühlen wird keinerlei Sitzgelegenheit geboten. Nun kommt aber der designierte Meister, der immerhin etliche Fans mitgebracht hat. Nach einiger Zeit erbarmt sich ein Essener Vorstandsmitglied und fährt ein Rolltor hoch. Mit den Worten „Dat is ja hier nich wie bei armen Leuten“ holt er sagenhafte fünf weitere Stühle aus dem Geräteraum.

Da wir ja zum ersten Mal diese sagenhafte Bundesliga-Spielstätte besuchen, sind wir natürlich blutige Amateure. Die Kroppacher Profis, die ja hier schon öfter spielen durften, haben sich nicht nur Kaffee mitgebracht, sondern auch zehn Rollen Toilettenpapier. In der Stadt mit rund 570 000 Einwohnern werden nämlich nur die Klos gestellt, das Zubehör muss man schon selbst mitbringen. Irgendwie ist es eben doch wie bei armen Leuten . . .

Tief beeindruckt vom einzigartigen Ambiente erleben wir den Kroppacher 6:2-Triumph und die Sektduschen. Dann geht es durch das Labyrinth der Gänge und Umkleideräume zurück zum Auto.

Westerwälder Zeitung vom Freitag, 30. Dezember 2011, Seite 10