Der TTSV Saarlouis-Fraulautern entfacht das Meisterschaftsrennen neu PDF Drucken E-Mail
Frankfurt/Main. Eine stattliche Kulisse von 250 Fans, hat ihr Interesse an dem Topspiel der Liga  beim TTSV Saarlouis-Fraulautern bekundet. Dass der Herbstmeister FSV Kroppach nach einer goldenen Serie von 22 Siegen dann auch noch mit einem  deutlichen 2:6 auf die Heimreise geschickt wurde, bedeutete für den Tabellendritten die große Versöhnung  einer nicht immer optimal verlaufenen Hinrunde. TTSV-Spitzenspielerin Li Fen hieß die überragende Akteurin, die im Doppel und im Einzel gegen Shan Xiao Na und Wu Jiaduo siegte. Auch beim Tabellenzweiten ttc berlin eastside löste die Niederlage erfreuliche Reaktionen aus. Der ttc bleibt nach dem eigenen 6:3 bei der SV Böblingen, mit nur einem Punkt Rückstand, dem amtierenden Deutschen Meister gefährlich dicht im Nacken sitzen. Aber auch die Saarländerinnen sind mit 12:4 Zählern weiter im Geschäft.

Der TTSV Saarlouis-Fraulautern entfacht das Meisterschaftsrennen neuLeiten den unglaublichen Siegeszug des TTSV Saarlouis-Fraulautern ein, Petrissa Solja und Li Fen im Doppel (Aufnahme: Klaus Maurer)

 
TTSV Saarlouis-Fraulautern – FSV Kroppach 6:2

Alle Spielerinnen beteiligen sich am schönsten Weihnachtsgeschenk

Im Schlagerspiel der Liga zwischen Herbstmeister FSV Kroppach und dem Tabellendritten TTSV Saarlouis-Fraulautern benötigte Ex-Europameisterin Wu Jiaduo gegen Ni Xialian einen Satz, ehe sie die fünf verpassten Matchbälle aus dem Doppel verarbeitet hatte. An der Seite von Kristin Silbereisen gab Dudu das erste Doppel in dieser Saison gegen Li Fen/Petrissa Solja preis. Nach einem 11:3, 11:8 erspielte sich das FSV-Duo ein 10:7. Das schnelle Ende ließ sich mit einem 10:12, 9:11 nicht verwirklichen. Im Entscheidungssatz sprach noch einmal ein 10:8 zu Gunsten der Gäste, doch über ein 14:12 freute sich der TTSV. Die Nummer eins der Kroppacherinnen stellte sich danach dem Prestigeduell gegen die Neuverpflichtung der Saarländerinnen. Alte Erinnerungen an das Debakel aus der Champions-League 2009/10 kehrten zurück, als Ni Xialian noch in Diensten des niederländischen Klubs Infinity Heerlen stand. Die Halbfinals standen unter keinem guten Stern, und das endgültige Urteil der CAS, dem internationalen Sportgerichtshof, kehrte der insgesamt fünffache Deutsche Meister der Königsklasse den Rücken. Diese Situation löste Dudu nach einem 3:11, mit 11:6, 13:11 und 11:5 perfekt.  

Ein sauberes 3:0 fuhren anfangs Shan Xiao Na/Krisztina Toth im Doppel gegen Ni Xialian/Maria Fazekas ein. Im Einzel steckte Li Fen gegen Shan auch nach einem 6:11, 4:11 den Kopf nicht in den Sand und punktete mit 11:6, 11:6 und 11:9 zum 2:2-Ausgleich. Und die Ungarin Maria Fazekas, die ihre 2:5-Bilanz auf Position drei schon gegen den TTC Langweid egalisiert hatte, landete im ewig jungen Kampf gegen ihre Landsfrau Toth ein überraschendes 4:11, 11:7, 11:4, 11:7. Die Drucksituation, die sich die Saarländerinnen im Tauziehen um die Spitzenplätze der Liga gewünscht hatten traf ein, als sich auch Solja mit einem 2:1-Satzvorsprung gegen Silbereisen gut in Szene setzte. Bei einem 6:8 im vierten Abschnitt suchte die Kroppacherin ihr Heil in einer Auszeit. Ohne Erfolg, denn Solja ging 10:6 in Führung. Das Zittern auf der TTSV-Bank nach Vergabe der ersten beiden Matchbälle verflog, und ein 11:8 wurde von den 250 Zuschauern frenetisch zum 4:2 zur Pause bejubelt.

Spannungsgeladen setzte sich die Partie fort, denn Wu Jiaduo holte sich aus dem Tief gegen Li Fen nach einem 4:11, 7:11 mit einem 11:1 und 10:9 selbst wieder heraus. Doch die Erleichterung war nur von kurzer Dauer, denn mit einem 12:10 triumphierte die Li Fen, die ihre brillante Vorstellung krönte und das Unentschieden bereits sicherte. Der Stress, der auf Shan gegen Ni Xialian lastete stieg ins Unermessliche. Nach einem 11:6, 8:11, 11:7 lag die Nummer zwei des FSV im vierten Satz 6:9 hinten. Ein 9:9 schloss sich an, doch den ersten Satzball zum 11:9 verwandelte die Luxemburgerin zum Satzausgleich. Dramatik pur herrschte im fünften Durchgang, die Halle bebte, als sich die Linkshänderin auf Seiten des TTSV zu einem 4:1 und 7:5 absetzte. Beim 9:7 rückte ein grandioser Erfolg in Reichweite, 9:8, 10:8, 10:9, 11:9. Die Bälle sprachen kurioserweise mit 309:292 zu Gunsten des Herbstmeisters, der bei einer deutlichen 2:6-Abfuhr auch nur mit 15:19 Sätzen scheiterte.      

Statement von TTSV-Manager Heinz Falk:

„Das war unsere beste Leistung in den letzten fünf Jahren. Wir waren so gut, weil wir eine richtige Mannschaft sind. Alle haben zum Erfolg beigetragen, angeführt von einer überragenden Li Fen. Es lief einfach fantastisch, die Halle stand Kopf. Wir sind über uns hinaus gewachsen. Petrissa wurde den Erwartungen voll gerecht, die wunderbare Vorstellung von Maria und der Siegpunkt von Nixi, wir nutzten die einmalige Gelegenheit den Kampf um die Meisterschaft offen zu halten. Wir hängen an den Fersen von Kroppach, ebenso wie Berlin. Das war heute absolute Werbung für unseren Sport.“ Der Nikolaus habe allen Spielerinnen, auch den gegnerischen, einen Stollen überreicht.

Analyse von FSV-Teamchef Dennis Leicher:

„Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, dann reißt eine starke Serie. Wir machen keiner Spielerin einen Vorwurf, sie haben alles gegeben. Ich bin allerdings überzeugt, wenn wir das zweite Doppel gewinnen, dann verlassen wir als Sieger die Halle. Der TTSV spielte heute einen guten Ball, und wir sind fair genug dies auch einzuräumen. Wir grüßen weiter von der Tabellenspitze und abgerechnet wird am Saisonende, und wir freuen uns auf das Rückspiel.“

 
 Martina Emmert (mehr auf www.tischtennis.de)