JOOLA European Nations League: Heute verloren, insgesamt gewonnen PDF Drucken E-Mail
Chemnitz. Deutschlands Damen haben sich den Titel in der JOOLA European Nations League gesichert. Gegen den amtierenden Europameister aus den Niederlanden gab es in Chemnitz zwar eine 1:3-Niederlage, doch der Gewinn eines Einzels reichte dem Trio von Bundestrainer Jörg Bitzigeio nach dem 3:0 bei nur drei Satzverlusten im Hinspiel schon aus. Trotzdem: Beim Heimspiel schonten sich Wu Jiaduo, Kristin Silbereisen (beide Kroppach) und Sabine Winter (Schwabhausen) nicht. Es wurde ein spannendes Match parallel zum Herren-Finale gegen Schweden am Nebentisch. Nach getaner Arbeit nahm das Team den Pokal und den Siegerscheck über 24.000 Euro aus den Händen von Eberhard Schöler in Empfang nehmen. Der WM-Zweite von 1969 im Einzel war in Sachsen als Stellvertretender Präsident der Europäischen Tischtennis Union vor Ort.

JOOLA European Nations League: Heute verloren, insgesamt gewonnenVerdiente Finalisten: Deutschland und die Niederlande auf dem Podest

In der Auftaktpartie fand Kristin Silbereisen nicht das richtige Mittel gegen Linda Creemers, gegen die sie zuvor noch nie verloren hatte. Die 125 Plätze hinter Silbereisen eingestufte Niederländerin spielte gegen die favorisierte Nummer 49 der Welt locker auf. Vor allem agierte sie druckvoll nah am Tisch, eröffnete selbst mit gefährlichen Angriffsschlägen früh das Spiel. Nach gewonnenem dritten Satz, durch den Silbereisen auf 1:2 in Sätzen verkürzte, hofften die rund 1000 Zuschauer in der Richard-Hartmann-Halle auf die Wende, doch Creemers begann auch Durchgang vier mit einer komfortablen 4:0-Führung. Silbereisen machte Punkt um Punkt gut, hatte beim Stand von 10:9 sogar einen Satzball, doch nervlich war ihre Kontrahentin heute besser, sicherte ihrem Team mit 12:10 den ersten Punkt. „Gegen Creemers habe ich völlig ohne Kopf gespielt“, konstatierte Kristin Silbereisen. Der Technische Direktor der Niederlande war erwartungsgemäß völlig zufrieden mit der Leistung seiner Spielerin. „Linda hat es geschafft, endlich mal nicht nur gut mitzuspielen gegen Kristin, sondern auch zu gewinnen. Wir haben locker aufgespielt, unsere Chancen genutzt und auf einmal läuft so eine Partie plötzlich.“ Auch in Spiel zwei.
 
 
Winter unter Druck wieder mal erfolgreich

Wu Jiaduo hielt gegen Li Jie im Duell der Spitzenspielerinnen zwar mit, fand aber anders als die Abwehrspielerin nicht zu ihrer gewohnten Sicherheit. Mit 0:3 ging auch der zweite Punkt an die Niederlande. „Es klingt vielleicht etwas komisch“, sagte die Einzel-Europameisterin von 2009, „aber für mich ist die Situation schwer, zu wissen, dass wir nur vier Sätze gewinnen müssen. Im Kopf hast du dann nur noch das Verteidigen deines Vorsprungs und denkst gar nicht mehr über die richtige Taktik nach.“

Im dritten Einzel drohte die Partie dann endgültig zu kippen. Doch Sabine Winter wehrte gegen die Jugend-Europameisterin des Vorjahres, Britt Eerland, einen Satzball in Durchgang eins ab und sicherte sich den Satz mit 12:10. Danach spielte die 19-jährige WM-Team-Dritte von Moskau 2010 wie entfesselt, zog und traf nahezu alles. Mit 11:7 und 11:5 ließ Winter der anderthalb Jahre jüngeren Eerland keine Chance. „Mir sind ziemlich viele Steine vom Herzen gepurzelt. Zum Glück habe ich’s gut gemeistert“, kommentierte die 15-fache Nationalspielerin ihren Erfolg.
 
 
Silbereisen nicht "frisch im Kopf"

Sie habe vor Beginn des Länderspiels nicht damit gerechnet, dass sie ihre Partie am Ende unbedingt gewinnen müsse. „Aber ich konnte gut fokussieren, bin ruhig geblieben. Das ist in so einem Spiel die Hauptsache.“ Die Bezeichnung „Matchwinner“ verneinte sie für sich. „Wir haben das Spiel verloren, also bin ich auch kein Matchwinner“, befand Winter. „Wir müssen uns über die Niederlage nicht lange Gedanken machen. Im Endeffekt ist es ja gut gegangen, und letztlich werden wir den Gesamtsieg genießen können.“

Dass sich Kristin Silbereisen Li Jie geschlagen gegeben musste, fiel nicht mehr ins Gewicht. Neben einer spielerisch guten Leistung war die Deutsche Einzelmeisterin des Vorjahres mental nicht stark genug, konnte viele Führungen nicht nutzen. „Eigentlich hätte ich 4:0 gewinnen müssen. Aber ich war im Kopf nicht frisch“, so Silbereisen.
 
 
Bitzigeio lobt Winter und Gesamtmannschaft der drei Turnierjahre

„Vielleicht waren wir uns heute etwas zu sicher. Den Grundstein für den Gesamterfolg hatten wir ja schon in den Niederlanden gelegt“, sagte Jörg Bitzigeio. „So geht heute ein großes Lob an unsere Jüngste im Team.“ Neben Sabine Winter hob der Bundestrainer jedoch die geschlossene Mannschaftsleistung hervor. Denn ein hartes Stück Arbeit war das heutige Spiel. Aber auch hinter dem Gesamterfolg dieser erstmals und vorerst wohl letztmalig ausgetragenen JOOLA European Nations League steckte ein erheblicher Aufwand: 33 Monate hat das Turnier für Europas beste Nationalmannschaften in der obersten Kategorie gedauert, das im kommenden Jahr nach dreijähriger Spielzeit durch die EM-Qualifikation ersetzt wird. Sechs Länderspiele haben die Damen in der Vorrunde absolviert, vier in der Hauptrunde. Neben der heutigen hat es nur eine Niederlage gegeben, in Spanien in der Gruppenphase. Neun deutsche Nationalspielerinnen haben neben dem Trainerteam zum Turniersieg beigetragen: Neben Wu, Silbereisen und Winter waren es Zhenqi Barthel (Bingen/Münster-Sarmsheim), Irene Ivancan (Berlin), Laura Matzke (Langweid) Kathrin Mühlbach (Schwabhausen), Elke Schall (Holsterhausen) und Rosalia Stähr (Böblingen).
 

Final-Rückspiel

Deutschland - Niederlande 1:3
Kristin Silbereisen - Linda Creemers 1:3 (-9,-3,13,-10)
Wu Jiaduo - Li Jie 0:3 (-8,-7,-9)
Sabine Winter - Britt Eerland 3:0 (10,7,5)
Silbereisen - Li 1:3 (-12,-8,10,-10)

Final-Hinspiel

Niederlande - Deutschland 0:3
Li Jiao - Wu Jiaduo 1:3 ( 5,-9,-6,-5)
Linda Creemers - Irene Ivancan 2:3 (-9,-3,6,9,-4)
Britt Eeerland - Kirstin Silbereisen 0:3 (-4,-10,-9)
 
  (www.tischtennis.de)