Rumäninnen stehen Kroppacher Triumphen im Weg PDF Drucken E-Mail
Europameisterschaft Krisztina Toth gewinnt Bronze im Doppel – „Dudu“ scheitert zweimal an Samara – Viertelfinal-Aus auch für Silbereisen/Barthel

Von unserem Mitarbeiter René Adler


Danzig. Auch der zweite Teil der Tischtennis-Europameisterschaft in Danzig endete für die deutschen Nationalspielerinnen des FSV Kroppach ohne Medaille. Edelmetall gewann, wie schon in der Mannschaft, ihre ungarische Clubkollegin Krisztina Toth, wenngleich für die 37-Jährige sogar noch mehr möglich war als erneut Bronze.

Denn im Doppel führte Toth mit ihrer Landsfrau Georgina Pota in der Vorschlussrunde gegen die Rumäninnen Daniela Dodean/Elizabeta Samara mit 3:1 Sätzen. Aber wie hatte es der deutsche Bundestrainer Jörg Bitzigeio nach der 2:3-Niederlage gegen die rumänische Mannschaft so treffend formuliert? „Gegen eine Rumänin hast du erst gewonnen, wenn sie dir auf der Höhe des Netzes gratuliert und bei ihr die Tränen fließen.“

Auch in diesem Doppel-Duell gelang Dodean/Samara ein glänzendes Comeback, sie gewannen die folgenden drei Sätze jeweils mit 11:7. Toth und ihrer Partnerin blieb neben einer Bronzemedaille eine beeindruckende Bilanz: Sie standen zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren auf dem EM-Treppchen.

Dieses Ziel verpasste Toth im Einzel gegen eine Bundesligaspielerin. Sie unterlag im Viertelfinale der Berlinerin Irene Ivancan, die im Medaillenmatch des Teamwettbewerbs trotz zweier Siege gegen Ungarn die deutsche Niederlage nicht hatte verhindern können, mit 2:4 Sätzen. Die Kroppacherin agierte gegen die Abwehrspielerin gleich im ersten Satz ganz anders als beim 1:3 im Mannschaftswettbewerb und griff noch kompromissloser über ihre Rückhandseite an. „Krisztina hat schon Tausende solcher Matches bestritten. Es ist so schwierig, gegen sie zu spielen, weil sie alles über Tischtennis weiß“, verdeutlichte Ivancan die große Herausforderung gegen die FSV-Dame und gestand, dass ihr neben einer starken Leistung auch das nötige Quäntchen Glück geholfen hatte: „Bei 9:6 im sechsten Satz habe ich gedacht, jetzt ist es gleich soweit und habe angefangen zu zittern. Als ich bei 9:7 einen Netzroller hatte, habe ich echt gedacht: Danke, Gott. Ganz ehrlich!“

„Wir können sagen, dass wir in vielen großen Kämpfen bei dieser Europameisterschaft dabei waren und nicht nur zwei Bronzemedaillen gewonnen haben“, bilanzierte der ungarische Nationaltrainer Peter Teglas. „Neben Kristina Toth hat ja auch noch Georgina Pota das Viertelfinale erreicht.“

Als „Dudu“ der Mut verließ

So weit kam im Einzel außer Ivancan keine deutsche Frau, wobei die Kroppacherin „Dudu“ Wu Jiaduo ganz nah dran war. Sie hatte sich von den Rückschlägen im Teamwettbewerb erholt – im Viertelfinale war sie nach dürftigen Leistungen in der Vorrunde nicht eingesetzt worden, was dennoch umstritten war. Im Einzel-Achtelfinale sah „Dudu“ gegen Samara schon wie die sichere Siegerin aus. Die Weltrangliste-17. verteilte die Bälle geschickt, führte mit 3:1, ihre Gegnerin wirkte nach dem vierten Durchgang konsterniert – und fand dennoch wieder zurück ins Match.

Samara wurde immer sicherer, kam besser mit den Blockbällen zurecht und machte weniger Fehler. Wu hingegen agierte zaghafter als zu Beginn. Im Entscheidungssatz stand es 6:6, alles schien offen, doch dann zog die kampfstarke Rumänin davon. „Es ist natürlich schade, aber verloren ist eben verloren. Egal wie knapp es war“, meinte die Europameisterin von 2009. „Nachdem ich 3:1 geführt hatte, war ich nicht mehr mutig genug, habe zu zurückhaltend gespielt.“ Ihre EM-Bilanz nahm sie mit Galgenhumor. „Letztes Jahr bin ich bei der EM unter den letzten 16 im Einzel und Doppel ausgeschieden, und mit der Mannschaft sind wir Siebte geworden. Theoretisch habe ich mich also verbessert. Es war einfach ein bisschen Pech. Im Sport ist es eben mal so und mal so“, sagte „Dudu“.

Kristin Silbereisen hatte in der topgesetzten Holländerin Li Jiao im Achtelfinale das denkbar schwerste Los erwischt, und die Weltranglisten-15. war an diesem Tag eine Nummer zu groß. Zu mehr als einem Satzgewinn reichte es für Silbereisen nicht. Das galt auch im Doppel, als es um eine Medaille ging, und auch hier konnte von Losglück keine Rede sein. Die Kroppacherin und ihre Partnerin Zhenqi Barthel (Bingen) unterlagen den alten und neuen Europameisterinnen Oksana Fadeeva/ Ruta Paskauskiene (Russland/Litauen) mit 1:4. „Wir haben ganz gut angefangen, aber die beiden haben unglaublich gut gespielt. Vor allem Fadeeva hat kaum einfache Fehler gemacht“, beschrieb Silbereisen. „Auch bei den langen Ballwechseln: Die beiden waren heute einfach zu sicher für uns.“

Wu/Ivancan mussten sich in der Runde der besten Acht den anderen beiden späteren Finalistinnen in fünf Sätzen geschlagen geben. Sie gewannen gegen Dodean/Samara zwar den ersten Satz, dann aber drehten die Rumäninnen mächtig auf. Das deutsche Duo hatte keine Chance mehr auf einen weiteren Satzgewinn. „Wir sind natürlich traurig, dass es nicht zu einer Medaille gereicht hat“, meinte Wu, war aber insgesamt mit den Auftritten der im Spitzentischtennis eher seltenen Angriffs-Abwehr-Kombination zufrieden: „Wir spielen ein gutes Doppel zusammen und hatten etwas Pech mit der Auslosung, dass wir ausgerechnet Dodean/Samara im Viertelfinale bekommen haben. Sie haben phantastisch gegen uns gespielt.“

„Wir haben uns die Medaillenspiele erarbeitet, waren dann aber in den beiden Spielen weit von einer Medaille entfernt“, kommentierte Bundestrainer Jörg Bitzigeio das Abschneiden seiner Duos. „Im Halbfinale stehen die vier besten Doppel Europas, und das sind sie nicht erst seit gestern.“

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Kristin Silbereisen enttäuschte bei der EM keineswegs, kehrt aber ohne Medaille aus Danzig zurück. Nach Platz fünf mit der deutschen Mannschaft folgte im Einzel das Aus im Achtelfinale, im Doppel im Viertelfinale. Foto: J. Vohl


Frühes Aus nach Führungen

Wie erwartet am frühesten beendet war das Turnier für Zoltan Fejer-Konnerth. Der Grenzauer stand gegen den polnischen Nationalspieler Wang Zeng Yi nach einer 2:0-Satzführung auf verlorenem Posten. „Sein Spielsystem mit Penholder und Noppen liegt mir überhaupt nicht. Er ist immer besser ins Spiel gekommen“, sagte „Zolli“.

Zuvor hatte der Doppel-Europameister von 2002 an der Seite des Serben Zolt Pete die favorisierte russische Kombination Kirill Skachkov/Alexander Shibaev an den Rand einer Niederlage gebracht, auch mit 2:0 geführt. „Das war sehr schade, wir haben richtig gut zusammen gespielt“, meinte Fejer-Konnerth. Dass die Russen bis ins Finale kamen und Silber holten, wertete die Leistung gegen sie noch mal auf.

Westerwälder Zeitung vom Montag, 17. Oktober 2011, Seite 25