Toth gewinnt Vereinsduell gegen Silbereisen PDF Drucken E-Mail
Tischtennis-Europameisterschaft Ohne Wu Jiaduo scheitert Deutschland im Viertelfinale an Ungarn und spielt nur um Platz fünf

Von unserem Mitarbeiter René Adler

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Krisztina Toth (Foto) vom FSV Kroppach gewann gegen ihre Vereinskameradin Kristin Silbereisen das entscheidende Einzel. Foto: Jürgen Vohl



Danzig/Kroppach. Nach der Viertelfinal-Auslosung für den Teamwettbewerb bei der Tischtennis-Europameisterschaft in Danzig war klar, dass sich das Trio des FSV Kroppach gegenseitig eliminieren würde. Nach einer dramatischen Partie hatte Krisztina Toth mit Ungarn gegen Deutschland mit Kristin Silbereisen und Wu Jiaduo mit 3:2 das bessere Ende für sich. Auch die alles entscheidende Partie war ein Vereinsduell: Silbereisen zog gegen Toth den Kürzeren. „Die Enttäuschung ist riesengroß“, sagte Bundestrainer Jörg Bitzigeio. Der gebürtige Andernacher hatte nach schwachen Leistungen in der Vorrunde auf einen Einsatz seiner nominellen Spitzenspielerin Wu verzichtet – doch die Rechnung ging nicht auf.

Dass der Coach im Gegensatz zum dritten Gruppenspiel gegen die Ukraine wieder auf Abwehrspielerin Irene Ivancan setzte, erwies sich als richtige Entscheidung. Die Berlinerin gewann das Auftakteinzel gegen Toth sicher mit 3:1. Die erhoffte Lockerheit bei Silbereisen entstand dadurch aber nicht. Gegen die ebenfalls in Berlin spielende Georgina Pota blieb das FSV-Ass sogar ohne einen Satzgewinn. Nach der Abwehr von zwei Matchbällen im dritten Durchgang keimte nur sehr kurz etwas Hoffnung auf.

Weitaus länger durfte die deutsche Bank hoffen, dass Zhenqi Barthel wieder für die Führung sorgen würde. Die in Bingen spielende gebürtige Chinesin führte nach Sätzen gegen Petra Lovas, die dritte Berlinerin in diesem Viertelfinale, mit 2:0. Was danach passierte, konnte sich Barthel selbst nicht ganz erklären. „Eigentlich habe ich nicht schlecht gespielt. Auch in den letzten drei Sätzen nicht“, sagte die Deutsche Einzelmeisterin. „Ich habe gegenüber der Mannschaft ein schlechtes Gewissen. Hätte ich gewonnen, wären wir mit einem 3:1 ins Halbfinale eingezogen.“



Irene Ivancan holt zwei Punkte

Danach bewies nämlich Ivancan, dass sie bei dieser EM bisher die mit Abstand stärkste deutsche Spielerin ist. Das Defensiv-Ass bezwang Pota deutlich mit 3:0 und sorgte dafür, dass es zum Kroppacher Showdown zwischen Silbereisen und Toth kam.

Nach ausgeglichenem Start (11:6, 5:11) fiel die Vorentscheidung im dritten Durchgang, den Silbereisen nach einer 6:1-Führung mit 7:11 verlor. „Dann wollte ich aber zu viel, vor allem mit meinen Rückschlägen“, beschrieb sie diese Phase. Trainer Bitzigeios bei 6:5 gezogene Auszeit konnte den Einbruch seiner Spielerin nicht aufhalten. Danach hatte die erfahrene Toth keine große Mühe mehr, das Match zum 3:2-Gesamtsieg für Ungarn nach Hause zu bringen. „Am Ende kam ich auch mit ihrem Spin nicht mehr zurecht. Sie hat immer mehr Selbstvertrauen gekriegt, und ich wurde immer unsicherer“, musste Silbereisen zugeben.

„Ich bin gerade ein bisschen ohne Worte, einfach sprachlos“, meinte die zweifach siegreiche Ivancan, bekräftigte aber die Aufstellung des Teams, in dem Wu Jiaduo aufgrund ihres Formtiefs nur auf der Bank saß: „Wir saßen gestern lange zusammen wegen der Aufstellung. Die Entscheidung haben die Trainer dann unter Berücksichtigung der letzten Tage gefällt. Ich bin auch immer noch davon überzeugt, dass das heute die beste Aufstellung war.“

Dass Ivancan damit den Bundestrainer in Schutz nahm, ist aller Ehren wert. Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass Wu noch vor zehn Tagen bei Kroppachs 6:2 gegen Berlin Ungarns Spitzenspielerin Pota mit 3:0 besiegt hatte. . .



Der dritte Punkt bleibt aus

Wie bereits im Gruppenspiel gegen Vorjahresfinalist Polen zeigte sich, dass die Ausgeglichenheit die große Stärke der Ungarinnen ist. Auch in diesem Match hatten sie zwei Niederlagen gegen die beste gegnerische Spielerin kompensiert. Das stellte auch der deutsche Trainer heraus: „Wir gewinnen und wir verlieren zusammen. Zwei Siege einer Spielerin nützen leider nichts, wenn wir den dritten Punkt nicht holen. Was zählt, ist immer die geschlossene Mannschaftsleistung.“

Während es für Deutschlands Tischtennis-Frauen – den WM-Dritten – zum vierten Mal in Folge nicht zu einer EM-Medaille reichte, wollen Toth & Co. auch am heutigen Dienstag mit ihrer Tugend punkten. Im Kampf um den Einzug ins Endspiel geht es gegen die Niederlande. Der Titelverteidiger setzte sich klar mit 3:0 gegen Spanien durch, das der nächste Gegner Deutschlands ist – in der undankbaren Platzierungsrunde um die Ränge fünf bis acht.

Westerwälder Zeitung vom Dienstag, 11. Oktober 2011, Seite 11