Kroppacher sichern sich Tickets für Olympia PDF Drucken E-Mail

Zwei Westerwälderinnen sind 2012 in London mit dabei

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Kristin Silbereisen (oben) und Jiaduo Wu spielen im Westerwald beim FSV Kroppach Tischtennis. Die beiden Sportsoldatinnen haben sich bereits jetzt für die Olympischen Spiele in London 2012 qualifiziert. Für Silbereisen sind es die ersten Spiele, Wu war bereits in Peking mit dabei.Foto: dpa
 

Kroppach. In der Nacht danach schlief Kristin Silbereisen schlecht. Immer wieder kreisten ihre Gedanken um das überraschende Erstrunden-Aus bei der Tischtennis-WM in Rotterdam. Die 26-jährige Westerwälderin lag wach und dachte an die verpassten Chancen, die Fehler – und an die Olympia-Qualifikation, die nun in Gefahr war. Ein Sieg gegen die Spanierin Galia Dvorak hätte genügt, und die gebürtige Koblenzerin wäre qualifiziert gewesen für die Spiele in London. „Ich hatte das wohl zu sehr im Hinterkopf“, gab Silbereisen zu. „Ich war viel zu ängstlich.“

1:4 verlor die Deutsche Meisterin von 2010 und musste anschließend hoffen, dass ihre Konkurrentinnen sie nicht überholen würden. Nach einer unruhigen Nacht und nervenaufreibenden Stunden auf der Tribüne kam dann doch die Gewissheit: Es hat gereicht. Als 26. der bereinigten Weltrangliste, in der nur die beiden Erstplatzierten einer Nation aufgeführt werden, qualifizierte sich die Kroppacherin direkt für London. „Die Erleichterung war riesengroß“, berichtete Silbereisen. „Das ist der Lohn für eineinhalb Jahre harte Arbeit.“

Alles dem Sport untergeordnet

Die Nationalspielerin hat alles dem Sport untergeordnet, hatte sich „zu 120 Prozent“ dem Projekt Olympia verschrieben. Anfang 2010 war sie nach Düsseldorf gezogen, um am Tischtennis-Zentrum noch intensiver trainieren zu können. Parallel dazu wechselte sie vom TV Busenbach zum FSV Kroppach – zum, wie sie sagt, „besten deutschen Verein“. Sie lobt die „superprofessionellen Strukturen. Hier wird einem der Rücken freigehalten, sodass man sich in Ruhe auf den Sport konzentrieren kann.“

In etwas mehr als einem Jahr hat sie ihre Premiere bei den Spielen. „Olympia war schon als Kind mein Traum“, erzählt Silbereisen. Sie erinnert sich noch an die vielen Eröffnungsfeiern, die sie im Fernsehen verfolgt hat, und daran, wie sie sich ausmalte, einmal mit der deutschen Mannschaft einzulaufen. Dieser Traum wird im nächsten Jahr Wirklichkeit. „Das ist ein sehr, sehr schönes Gefühl.“

Das gute Gefühl möchte die Sportsoldatin mit einem erfolgreichen Olympia-Turnier krönen. Als großen Vorteil sieht sie dabei, dass pro Nation nur zwei Spielerinnen antreten. „Die Chancen für alle Nicht-Asiatinnen sind bei Olympia wesentlich größer als bei einer WM, bei der jeweils sieben, acht Spielerinnen aus China und Japan antreten.“ Oder eben eine Spanierin, die ihr die schlaflose Nacht von Rotterdam bescherte.

Jiaduo Wu schlief während der WM-Tage relativ gut. Die 33-Jährige konnte entspannt ins Turnier gehen, sie hatte das Olympia-Ticket bereits in der Tasche. Durch ihren Achtelfinaleinzug in den Niederlanden verbesserte sich die Europameisterin von 2009 in der Weltrangliste sogar von Rang 16 auf 13. In der bereinigten Liste steht Wu aktuell auf Platz neun. In Rotterdam wartete in der Runde der letzten 16 die Chinesin Guo Yue. Wu unterlag im ersten WM-Achtelfinale ihrer Karriere mit 2:4-Sätzen. „Dudu hat der Killerinstinkt gefehlt“, bemängelte Bundestrainer Jörg Bitzigeio.

Keine Draufgängerin an der Platte

„Ich wollte erst abwarten und die Kontrolle gewinnen“, erklärte Wu. „So ist mein Spiel. Das sieht von außen leider zu oft zu brav aus.“ Wu ist an der Platte keine Draufgängerin, sie setzt auf Konstanz und Routine, ihr Spiel wirkt unscheinbar. „Meine Einstellung ist, Schritt für Schritt nach vorn zu kommen“, beschreibt sie ihre Ideale.

So verwundert es nicht, dass sie ihre Chancen für Olympia in London realistisch einschätzt. „Sicherlich wäre eine Medaille ein Traum, aber ich möchte einfach nur weiterkommen als 2008 in Peking.“ In ihrem Heimatland war sie in der dritten Runde gescheitert. „Ich war ziemlich aufgeregt“, erinnert sich Wu. „Die Spiele waren in doppelter Hinsicht besonders für mich: Es waren meine ersten Spiele und dann noch in meinem Heimatland. Meine Eltern und alle Freunde kamen in die Halle, um mich anzufeuern.“ Vom Drumherum, von der Eröffnungsfeier, der Stimmung während der Wettkämpfe, dem Kontakt zu anderen Spitzensportlern war Wu beeindruckt. „Alles war wie eine große Sportlerparty.“

Noch ist London weit weg

Momentan will sich bei ihr noch kein rechtes Olympia-Feeling einstellen. „Dafür ist London noch zu weit weg.“ Unter anderem findet im Oktober die EM in Danzig statt. Bis dahin will Jiaduo Wu ihr Spiel variantenreicher gestalten. „Ich kann mich verbessern, da gibt es keine Grenze nach oben.“ Wie es ihrem Naturell entspricht, will sie diesen Prozess behutsam angehen, Schritt für Schritt. Jochen Dick

Westerwälder Zeitung vom Donnerstag, 28. Juli 2011, Seite 13
 
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 28. Juli 2011 um 17:46 Uhr