WM IN ROTTERDAM - Wu und Barthel weiter / Silbereisen muss um Olympia bangen PDF Drucken E-Mail

Rotterdam. "Waaas? Kristin hat verloren?" Zhenqi Barthel war hörbar und sichtlich entsetzt. Sie hatte sich eigentlich nur nach dem Ergebnis von Sabine Winter erkundigt. Zu sicher war sie sich gewesen, dass ihre Doppelpartnerin, Zimmergenossin und gute Freundin Kristin Silbereisen ihr Erstrundenmatch gegen Galia Dvorak in der Haupthalle direkt neben dem Centrecourttisch gewonnen haben musste.

Nur Wu und Barthel weiter / Silbereisen muss um Olympia bangenErst verkrampft, dann traurig: Kristin Silbereisen unterlag in fünf Sätzen (Foto: MS) 

Noch nie hatte Kristin Silbereisen gegen die Spanierin verloren, auch wenn es häufig knappe Spiele zwischen den beiden Angreiferinnen waren. Doch an diesem Dienstag war alles anders. Anders, als das komplette deutsche Team gehofft hatte. Mit einem Sieg hätte sich die Deutsche Einzelmeisterin von 2010 direkt für den Einzelwettbewerb bei den Olympischen Spielen in London qualifiziert. Nun folgt, was vor allem sie selbst und Bundestrainer Jörg Bitzigeio vermeiden wollten: Sie müssen die Ergebnisse der Partien von Silbereisens härtesten Konkurrentinnen auswerten und den Stand der kommenden Weltrangliste im Voraus berechnen, um Gewissheit zu haben. Diese erscheint am Tag nach Ende der 51. Einzel-WM in Rotterdam und gibt Aufschluss über die 28 Olympia-Direktqualifikantinnen für 2012, maximal zwei pro Nation.

Die Nummer 38 der Weltrangliste fand zu keiner Zeit in ihr Spiel, geriet früh in relativ hohe Rückstände, war selbst im zweiten Satz verkrampft, den sie am Ende gewann. Die Durchgänge eins, drei und vier wirken vom Ergebnis mit dreimal 8:11 knapp, waren es aber nie so richtig. „Das war nichts“, sagte Coach Jörg Bitzigeio deutlich, der seinem Schützling auch von der Bande aus in Satzpause und Time-out nicht helfen konnte. Sie ist Dvorak ab dem ersten Punkt immer hinterhergelaufen. Sie war ziemlich verkrampft und hat nie ihren Rhythmus gefunden.“ Mit den Olympischen Spielen im Kopf war der Druck groß, weiß Bitzigeio. „Alles andere, als in dieser Situation nervös zu sein, wäre ein Wunder gewesen. Aber diese Nervosität sollte nicht das ganze Spiel entscheiden.“

Silbereisen: „Ich stand mir ganz allein im Weg“

„Ich kann es kurz zusammenfassen: Meine Enttäuschung ist sehr groß. Ich stand mir ganz allein im Weg, auch wenn sie gut gespielt und wenig Fehler gemacht hat“, sagte eine völlig konsternierte Kristin Silbereisen. „Unter normalen Bedingungen, wäre es ein Trainingsspiel gewesen oder ein anderes Turnier, hätte ich wahrscheinlich nicht verloren. Den Gedanken, mich hier mit einem Sieg direkt für Olympia zu qualifizieren, konnte ich einfach nicht ganz ausschalten.“

Sabine Winter bot gegen Li Jiao eine gute Leistung (Foto: MS)Sabine Winter bot gegen Li Jiao eine gute Leistung (Foto: MS)
Ausgeschieden sind auch Schwabhausens Youngsters, Kathrin Mühlbach und Sabine Winter. Mühlbach verlor bei ihrem WM-Debüt gegen die gebürtige Chinesin Wu Xue, die für die Dominikanische Republik startet, Winter musste sich nach großer Gegenwehr der niederländischen Lokalmatadorin Li Jiao geschlagen geben. Der Nummer 13 der Weltrangliste und Nummer eins Europas knöpfte die 18-Jährige mit den schnellen Beinen und dem gefährlichen Vorhand-Topspin gleich zwei Sätze ab, spielte jedoch nicht variabel genug für mehr mit den eigenen Aufschlägen und bei der Platzierung der eigenen Bälle für die 20 Jahre ältere Seriensiegerin des Europe Top 12 und mehrfache Europameisterin. Grund zur Enttäuschung hatte Winter nicht: „Mit Sicherheit ist sie die bessere Spielerin. Nicht umsonst steht sie über 100 Plätze vor mir in der Weltrangliste. Sie ist die Erfahrenere und hat am Ende gut zulegen können“, sagte die Weltranglisten-132. Eine wichtige Erfahrung nimmt Winter mit aus dem Einzelwettbewerb: „Ich bin auch gegen Topspielerinnen nicht chancenlos.“

Wu und Barthel weiter

Wu Jiaduo (Kroppach) und Zhenqi Barthel (Bingen) sind die einzigen deutschen Damen, die die zweite Runde der besten 64 erreicht haben. Wu schlug in der Nebenhalle Linda Creemers aus den Niederlanden mit 4:0. Barthel setzte sich in fünf engen Sätzen gegen Nanthana Komwong aus Thailand durch, unter anderem mit einem 20:18-Sieg in Satz vier.

„Die erste Runde ist für mich nicht so leicht“, erklärte Wu. Den ersten Satz hatte sie zu acht gewonnen, den zweiten sogar nur in der Verlängerung. Dann stimmte der Rhythmus der Einzel-Europameisterin von Stuttgart 2009. „Sie konnte gegen mich locker spielen, weil ich die Favoritin war. Deshalb musste ich ganz schön kämpfen.“ Auch an die Bedingungen musste sie sich gewöhnen. „Ich habe lange nicht mehr in einer Halle mit so vielen Tischen gespielt“, sagte die Centrecourt gewohnte Nummer 16 der Welt über Halle zwei mit 32 Tischen und viel Bewegung durch Spieler, Betreuer und Zuschauer, die dort fast so nah am Tisch sitzen, wie die Coaches der einzelnen Partien. Am Mittwoch bekommt es Wu mi Song Ma Eum aus Südkorea zu tun, Barthel hat mit der Chinesin Wu Yang ein sogar noch schwereres Los.

Damen-Einzel, 1. Runde (128)
Kristin Silbereisen – Galia Dvorak ESP 1:4 (-8,9,-8,-8,-5)
Zhenqi Barthel – Nanthana Komwong THA 4:1 (-8,7,7,18,9)
Kathrin Mühlbach – Xue Wu DOM 0:4 (-4,-9,-5,-8)
Sabine Winter – Li Jiao NED 2:4 (-3,-6,-8,7,6,-5)
Wu Jiaduo – Llinda Creemers NED 4:0 (8,10,3,8)

Mittwoch

Damen-Einzel, 2. Runde (64)
Zhenqi Barthel - Wu Yang CHN, 11.30 Uhr
Wu Jiaduo - Song Ma Eum KOR, 12.15 Uhr

SH (www.tischtennis.de)