Kristin Silbereisen kämpft um ihre Olympia-Teilnahme PDF Drucken E-Mail

WM beginnt am Sonntag mit Spielern aus Westerwälder Klubs

Von unserem Mitarbeiter René Adler

Kroppach/Grenzau. Wenn am Sonntag in Rotterdam die Tischtennis-WM beginnt, stehen aus regionaler Sicht Kristin Silbereisen und Krisztina Toth besonders im Blickpunkt. Das Duo vom FSV Kroppach will sich mit einem guten Resultat in den Niederlanden ein Einzel-Ticket für die Olympischen Spiele 2012 in London sichern, das Vereinskollegin „Dudu“ Wu Jiaduo praktisch schon sicher hat.

Dieses Ziel ist für die scheidenden Grenzauer Robert Gardos, Lucjan Blaszczyk und Kenji Matsudaira ebenso außer Reichweite wie für Zoltan Fejer-Konnerth, der zur kommenden Saison nach zwei Jahren zum TTC zurückkehrt.

„Komplett ausblenden kann ich die Olympischen Spiele nicht. Das geht schon seit Monaten so“, gibt Kristin Silbereisen zu. „Ich wünsche mir, dass ich eine gute WM spiele. Ich habe es in Rotterdam selbst in der Hand, mich für Olympia zu qualifizieren. Ich möchte auf keinen Fall auf der Bank sitzen müssen und bei einem anderen Spiel um meine Qualifikation zittern.“ 28 Spielerinnen qualifizieren sich über die Weltrangliste nach der WM direkt fürs Einzel in London. Silbereisen liegt im Mai-Ranking zwar „nur“ auf Rang 38, aber da pro Nation – selbst an China, das allein sechs Frauen in den Top Ten hat – maximal zwei Startplätze vergeben werden, ist die „bereinigte“ Weltrangliste entscheidend, in der die Kroppacherin Platz 21 einnimmt.

„Die Olympischen Spiele haben wir mehr als nur im Hinterkopf“, sagt auch Bundestrainer Jörg Bitzigeio. „Nach Rotterdam sollen sich zwei unserer Spielerinnen direkt für London 2012 qualifiziert haben. Wir haben zwei gute Ausgangspositionen.“ Dirk Schimmelpfennig hofft, dass dies seine Damen beflügelt. „Man muss nach vorne spielen in so einer Situation, auf Sieg“, ist der DTTB-Sportdirektor überzeugt. „Zu versuchen, Punkte nur zu verteidigen, ist der falsche Weg.“ Dies hat sich Silbereisen zu Herzen genommen, die sich auch Siege gegen höher platzierte Spielerinnen zutraut. „Ich muss mich vor niemandem verstecken. Die anderen müssen auch erst einmal versuchen, mich zu schlagen, und bei ihnen wird der Druck noch höher sein als bei mir.“

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Die deutsche Spitzenspielerin „Dudu“ Wu Jiaduo vom FSV Kroppach könnte bei der WM in Rotterdam bei guter Auslosung weit kommen. Foto: J. Vohl

„Dudu“ hofft auf gute Auslosung

Die Ausgangsposition von Wu Jiaduo ist so gut, dass selbst bei einem Aus in der ersten Runde unter normalen Umständen nichts passieren dürfte. „Dudu“ liegt als Nummer 16 der Weltrangliste im bereinigten Ranking auf Platz zehn und kann locker aufspielen. Deutschlands Frauen fahren am Sonntag gemeinsam nach Rotterdam, und die Nummer eins hofft vor allem auf eine bessere Auslosung als zuletzt. „Ich wäre schon froh, wenn ich nicht allzu früh auf eine Chinesin treffen würde“, meint die 33-Jährige Wu. „Bei den letzten Turnieren war das in der Runde der letzten 32 so. Diesmal hoffentlich erst unter den letzten 16 oder Acht.“

Trotz des dritten Platzes bei der Team-WM 2010 nehmen die Spielerinnen das Wort Medaille nicht in den Mund. Bei einer Einzel-WM ist es ungleich schwerer, auf dem Treppchen zu landen. Ihr Trainer geht mit diesem Thema dennoch offensiver um. „Bei der Mannschafts-WM in Moskau haben wir uns Respekt erworben. Unsere Gegnerinnen müssen sich in Rotterdam strecken, um uns zu schlagen“, meint Bitzigeio. „Natürlich träumt jeder mal davon, Weltmeister zu werden oder eine WM-Medaille zu gewinnen. In Zagreb und Yokohama waren wir sogar kurz davor im Doppel bzw. Gemischten Doppel, wo wir jeweils im Viertelfinale standen.“

Während Silbereisen mit ihrer Stammpartnerin Zhenqi Barthel (Bingen) an den Tisch geht – das Duo gewann 2009 in Stuttgart EM-Bronze – spielt Wu erstmals zusammen mit der jungen Sabine Winter (Schwabhausen), die beim Team-Erfolg in Russland so überrascht hatte. „Sabine und ich passen im Doppel gut zusammen. Sie spielt sehr aggressiv und ist für die Gegnerinnen sehr gefährlich. Ich spiele sehr sicher“, beschreibt Wu die Rollenverteilung. „Wir sind eine gute Kombination.“

Auch die erfahrene Ungarin Krisztina Toth hat gute Chancen, sich direkt für Olympia qualifizieren. Mit Platz 36 in der Welt (bereinigt 20) ist ihre Ausgangsposition sogar noch ein bisschen besser als die von Silbereisen. Ihre größten Chancen hat Toth sicherlich im Doppel, wo sie mit Landsfrau Georgina Pota zur europäischen Spitze gehört. Aber vielleicht kann sie im Einzel ähnlich überraschen wie im vergangenen Herbst beim VW Cup in Braunschweig, wo sie die damalige Weltranglistendritte Feng Tianwei aus Singapur bezwang und ins Halbfinale vorstieß.

Grenzauern drohen dicke Brocken

Die Noch-Grenzauer Robert Gardos, Lucjan Blaszczyk und Kenji Matsudaira sowie Rückkehrer Zoltan Fejer-Konnerth können im Einzel-Hauptfeld schon früh auf gesetzte Spieler und damit auch die Topfavoriten aus China oder den deutschen Weltranglisten-Zweiten Timo Boll treffen. Jede Runde, die sie überstehen, wäre schon ein Erfolg. Als stark gilt das polnische Spitzendoppel mit Blaszczyk und dem gebürtigen Chinesen Wang Zeng Yi, das bei der WM 2005 im Viertelfinale stand. Fejer-Konnerth steht im Doppel mit Abwehrspieler Ruwen Filus (Ochsenhausen) vor einem interessanten Experiment.

 
Westerwälder Zeitung vom Donnerstag, 5. Mai 2011, Seite 11