Kroppacher Frauen verlieren zwei Endspiele PDF Drucken E-Mail

Wu Jiaduo muss weiterhin auf den ersten DM-Einzeltitel warten – Barthel siegt

Von unserem Mitarbeiter René Adler


Bamberg. Knapp anderthalb Jahre nach ihrem Einzel-Triumph bei den Tischtennis-Europameisterschaften in Stuttgart hat es die Kroppacherin „Dudu“ Wu Jiaduo erpasst, den überfälligen nationalen Titel nachzuholen. Stattdessen trat Zhenqi Barthel (Bingen) durch einen 4:1-Erfolg gegen Wu die Nachfolge von deren Vereinskollegin Kristin Silbereisen an. Silbereisen scheiterte bereits im Viertelfinale und verlor das Doppel-Endspiel ganz knapp. Der souveräne Spitzenreiter der Frauen-Bundesliga blieb somit bei der DM in Bamberg ohne Titel.

Dabei schien sich Wus Entscheidung, sich ausschließlich auf den Einzelwettbewerb zu konzentrieren, lange als goldrichtig zu erweisen. Während sich ihre Hauptkonkurrentinnen im Doppel teils bis zum Endspiel aufrieben, spazierte die Kroppacherin durch das Turnier. Bis zum Halbfinale gab „Dudu“ keinen einzigen Satz ab, auch nicht gegen die beiden Erstliga-Spielerinnen Laura Robertson (Bingen) und Nadine Bollmeier (Tostedt), die zuvor Nationalspielerin Elke Schall (Essen) ausgeschaltet hatte.
 
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Ex-Europameisterin „Dudu“ Wu Jiaduo (Foto) muss weiter ihrem ersten deutschen Einzeltitel hinterherjagen. In Bamberg zog sie ins Finale ein, unterlag dann aber Zhenqi Barthel in 1:4 Sätzen.Foto: Jürgen Vohl

Auch im Halbfinale gegen Abwehrspielerin Irene Ivancan (Tostedt) fehlte nur ein Punkt zum 4:0. „Den dritten Satz darf ich nach einer 10:2 Führung natürlich nicht mehr verlieren“, schilderte Wu die einzige kritische Phase der Partie. Doch trotz des völlig unnötigen Satzverlustes geriet die 33-Jährige nicht ansatzweise ins Wanken und befand nach dem 4:1 völlig zurecht: „Insgesamt bin ich aber sehr zufrieden. Meine Taktik ist aufgegangen.“ Bundestrainer Jörg Bitzigeio attestierte seiner international erfolgreichsten Spielerin „eine sehr gute Form und eine souveräne Leistung.“

Das setzte sich im Endspiel zunächst fort. Im ersten Satz überrollte „Dudu“ Zhenqi Barthel, die kurz zuvor ein enges Doppel-Finale über sieben Sätze verloren hatte, mit 11:3. Doch danach lief bei der Weltranglisten-16. nicht mehr viel zusammen. Erst als Wu mit 1:3 Sätzen und 5:8 zurücklag, wurde es noch einmal spannend. Sie glich zum 8:8 aus, aber Barthel nahm ihre Auszeit zum perfekten Zeitpunkt: Einen Matchball konnte die Kroppacherin noch abwehren, den zweiten nutzte ihre Gegnerin zum 12:10 und wurde nach fünf Jahren Abstinenz wieder Deutsche Meisterin. Auch das jüngste Duell in der Bundesliga hatte Barthel gegen Wu gewonnen, mit 3:1 in der Hinrunde.

Dass Kristin Silbereisen ihren Einzel-Titel schon im Viertelfinale verlor und beim 0:4 gegen Ying Han völlig chancenlos war, überraschte ebenfalls nur auf den ersten Blick: Auch in der vergangenen Saison, damals noch im Trikot des TV Busenbach, hatte sie gegen die Tostedterin eine 0:3-Packung kassiert. „Generell habe ich keine Probleme gegen Abwehr, aber Ying Han spielt für mich sehr unorthodox. Sie macht es mir immer sehr schwer“, sagte die Kroppacherin über die 27-Jährige, die erst seit wenigen Wochen einen deutschen Pass hat und schon bei den English und German Open überzeugen konnte. Für Bundestrainer Bitzigeio ist es „bei deutschen Meisterschaften immer ein interessanter Kampf zwischen Kader- und Nicht-Kader-Mitgliedern“. Der gebürtige Andernacher betonte aber: „Unser Fokus liegt natürlich auf dem internationalen Bereich.“

Silbereisens ganze Konzentration galt erst mal dem zweiten Wettbewerb in Bamberg. „Wenn ich schon meinen Einzeltitel nicht verteidigen kann, will ich wenigstens mit Lulu Deutscher Meister im Doppel werden“, erklärte die 25-Jährige. In der Vorschlussrunde revanchierten sich Silbereisen/Barthel bei Sabine Winter/Kathrin Mühlbach (Schwabhausen) für die Halbfinal-Niederlage aus dem vergangenen Jahr. Vorentscheidend beim 4:2 war der vierte Durchgang, den die Kroppacherin und ihre Partnerin nach 4:8-Rückstand gewannen. Doch auch im Doppel wurde Ying Han zu Silbereisens „Schicksal“. Trotz eines 2:0-Traumstarts gegen Han/Ivancan hieß es für die Deutschen Meisterinnen von 2009 am Ende 3:4 gegen das Tostedter Defensivdoppel.

Westerwälder Zeitung vom Montag, 7. März 2011, Seite 17
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 07. März 2011 um 20:15 Uhr