Vorentscheidungen im Titel- und Abstiegskampf PDF Drucken E-Mail
Für die meisten Ligavertreter – mit Ausnahme des Spitzenreiters selbst – ist die Meisterschaft schon entschieden. Der FSV Kroppach wurde bereits nach dem Ende der Hinrunde als alter und neuer Champion gesehen. An diesem Wochenende, dem ersten üppigen Spieltag der Rückrunde, könnte eine weitere Vorentscheidung zu Gunsten der Kroppacher fallen. Dann nämlich, wenn das Teams selbst gegen den SV Böblingen und den TTSV Saarlouis-Fraulautern gewinnt, und sich die Verfolger Berlin und Bingen die Punkte teilen.
 
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Will Kroppach ein Bein stellen: Böblingens Qianhong Gotsch (Foto: Holger Stampe)
 
Freitag, 19.30 Uhr: FSV Kroppach – SV Böblingen

„Ich denke, das Hinspiel ist für uns mehr als optimal gelaufen. Von einem Sieg in der Höhe gehe ich natürlich nicht aus. Wir wollen die zwei Punkte, dabei ist das Ergebnis dann egal“, blickt Kroppachs Trainer Dennis Leicher auf die Partie voraus. In der Hinrunde gab es in Böblingen ein für den Gastgeber fast deklassierendes 1:6, das allerdings zwei Fünf-Satz-Matches beinhaltete, die gegen Böblingen verliefen. „Nach dem heutigen Stand ist meine Truppe komplett, es gibt keine Erkrankungen oder Verletzungen“, sagt Leicher.

Für Böblingens Coach Volker Ziegler stellt sich die Aufgabe in Kroppach verständlicherweise als sehr schwer da. Dennoch will das Team alles versuchen, um dem Spitzenreiter und Deutschen Meister einen ebenbürtigen Kampf zu liefern. Entsprechend gut vorbereitet geht die Mannschaft in die Partie. „Alle unsere fünf Spielerinnen sind fit und hoch motiviert“, sagt Ziegler. Und ergänzt: „Wir fahren nicht so weit, um zu verlieren...“ Allerdings würde auch er „keine größeren Geldbeträge auf einen Böblinger Sieg setzen, doch da bliebe ja immer noch ein Unentschieden.“


Sonnabend, 15 Uhr: DJK TuS Essen-Holsterhausen – TTK Anröchte

Neben dem Kampf um die Meisterschaft blickt die TT-Fangemeinde auf das brisante Kellerduell des Letzten TTK Anröchte (3:15 Punkte) und des Vorletzten DJK TuS Essen-Holsterhausen (3:13). Da nur ein Team absteigen muss, wäre der Verlierer der erste Kandidat auf den Fall in Liga II. Und wenn man den Aussagen der beiden Manager Hans-Willi Frohn aus Essen und Manfred Vogel aus Anröchte Glauben schenken darf – voraussichtlich auch das – zumindest vorläufige – Ende einer Mannschaft aus den jeweiligen Klub in der Bundesliga I oder II. Doch beide Kluboberen sind (noch) zuversichtlich, dass die Saison zu einem guten Ende führt.

Manfred Vogel hat aus dem 5:5 seines Teams vom vergangenen Wochenende gegen Tostedt Hoffnung gezogen, weil das Remis zustande kam, obwohl die japanische Spitzenspielerin An Konishi fehlte. Und noch ist nicht klar, ob sie diesmal dabei ist. Vogel sagt: „Hinter dem Einsatz von Konishi steht noch ein Fragezeichen.“ Er sei aber der Meinung, dass außer Kroppach jeder gegen jeden gewinnen könne. So rechne er sich auch eine kleine Chance gegen Holsterhausen aus. „Wir streben einen Punkt an, alle Spielerinnen sind fit – bis jetzt jedenfalls.“

Auch für Hans-Willi Frohn zeigt sich Anröchte als Gegner „auf Augenhöhe“. Sicher entscheide die Tagesform das Geschehen. „Unsere Mannschaft ist komplett, und wir wollen das Spiel selbstverständlich gewinnen, insbesondere, weil es sich um ein Vier-Punkte-Spiel handelt, denn schließlich wollen wir in der 1. Bundesliga bleiben.“ Um dieses Ziel zu erreichen, hätten seine Spielerinnen fleißig trainiert und „fiebern dem Kampf entgegen“.

Sonntag, 14 Uhr: TTSV Saarlouis-Fraulautern – FSV Kroppach

Für den Meister war es in der Hinrunde das wohl schwerste Spiel. Gleich zum Saisonstart, Anfang September, schaffte der TTSV fast eine kleine Überraschung. Beim 4:6 war der Klub kurz vor einem Remis. In keinem anderen Spiel danach ließ der FSV Kroppach einen Gegner so nahe an sich heran kommen. Und jetzt stellt sich Kroppach in Fraulautern vor. Das macht auch Trainer Dennis Leicher durchaus einige schlaflose Nächte. Er sagt: „Es war das engste Spiel der Vorrunde, und ich denke, um dort zu bestehen, müssen wir alles auspacken.“ Speziell Li Fen sei damals bärenstark und an drei der vier Gegenpunkte beteiligt gewesen. „Trotzdem denke ich, dass wir stark genug sein sollten, um etwas Zählbares aus dem Saarland mitnehmen zu können.“

Sonntag, 14 Uhr: ttc berlin eastside – Hassia Bingen

Einer der beiden Klubs könnte sich nach diesem Wochenende noch einmal Hoffnung machen, eventuell doch noch die Spitze der Liga zu erklimmen. Doch dazu muss es zwangsläufig einen Sieger geben. Ein Remis würde beiden Klubs im Kampf um die Spitze und gegen den FSV Kroppach nicht weiter bringen. Und zudem müsste natürlich der FSV schwächeln – vielleicht in Saarlouis. Viele Unbekannte, die in den Überlegungen von Joachim Lautebach, dem Manager von Hassia Bingen, aber derzeit keine Rolle spielen. „Selbst mit Platz drei hätten wir eine super Saison gespielt, vielleicht schaffen wir ja sogar noch die Vizemeisterschaft, doch an den Titelgewinn, da glaubt niemand.“

Auch an einen doppelten Punktgewinn in der Bundeshauptstadt mag Lautebach nicht so recht denken. Zu schlecht ist die Erinnerung an das Hinspiel, als Berlin mit einem 6:2 sicher beide Zähler aus Bingen entführte. „Berlin hat eine sehr starke Mannschaft, das wird es schwer.“ Doch trotz aller Vorsicht ist Lautebach auch ein ganz klein wenig optimistisch: „Das Team hat gut trainiert und so sehe ich die Chancen, in Berlin einen Punkt zu gewinnen durchaus als realisitsich an."

Das Team habe ihm gegenüber ganz deutlich gemacht: „Wir wollen gewinnen.“ Zhenqi Barthel kommt direkt aus China, wo sie mit der Nationalmannschaft war, nach Berlin. Und Dana Hadacova reist aus Tschechien an. „Das ist für sie einfacher als erst nach Bingen zu kommen." Der Rest des Teams hofft auf die Pünktlichkeit der Bahn. „Wir reisen ganz bequem mit dem ICE nach Berlin, und zwar schon am Sonnabend, damit wir gut vorbereitet sind.“

Für Berlins Nummer fünf und Managerin Tanja Hofmann ist die Saison zu Ende: Beim Joggen im Urlaub rutschte sie aus, verdrehte sich das Knie und riss sich das Kreuzband sowie die Innenbänder. "Damit falle ich wohl oder übel mindestens ein halbes Jahr aus", sagt Hofmann. In etwa sechs Wochen könne operiert werden. Mit Blick auf das Spiel gegen Bingen ist Hofmann dennoch optimistusch. "Ich denke, wir tragen die Favoritenrolle und wollen dieser auch gerecht werden, wenngleich wir natürlich Bingen nicht unterschätzen und um die Stärke des Teams wissen."

 
Axel Emmert (www.tischtennis.de)
 
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 12. Januar 2011 um 18:52 Uhr