Die Titelmädchen von Huangshi PDF Drucken E-Mail

Huangshi. Das Reporterteam erwartete sie schon am Flughafen von Huangshi. Nach jeweils kurzen Silvesterfeiern hatten Kristin Silbereisen (Kroppach), Zhenqi Barthel (Bingen), Kathrin Mühlbach (Schwabhausen) und Bundesstützpunkttrainer Wang Zhi am Neujahrstag das Flugzeug Richtung China bestiegen. Huangshi hieß das Ziel, eine Stadt im Südosten der ostchinesischen Provinz Hubei.

Autor und Fotografen der örtlichen Zeitung wollten erfahren, wie es so ist für deutsche Trainingsgäste im stärksten Tischtennisland der Welt. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: „Knüppelhart“ ist es. Also alles wie immer in China.

Die DTTB-Damen waren bereits mehrfach zu Gast in China. „Deshalb waren wir drauf eingestellt, dass es sehr hart wird“, sagt Kristin Silbereisen. Zwei über dreistündige Tischtennistrainingsblöcke (8.20 – 11.45 und 15 – 18 oder 18.30 Uhr) bilden die Grundstruktur des Tages. Abends kommen in der Regel Kraft- oder Lauftraining hinzu. „Da entwickeln sich auch schon mal kleine Spaßduelle, wer als letztes aus der Halle geht“, erzählt Bundestrainer Jörg Bitzigeio, der gerade mit Wu Jiaduo (Kroppach), Elke Schall (Essen-Holsterhausen), Sabine Winter (Schwabhausen), Petrissa Solja und Laura Matzke (beide Saarlouis-Fraulautern) zur Saisonvorbereitung im österreichischen Linz ist.

Freier Tag? Wohl kaum!

Zurück nach Huangshi: Während das A-Team Chinas abgeschottet und unter sich ist, trainieren Silbereisen, Barthel und Mühlbach mit der B-Mannschaft der Chinesinnen. Rund 40 Akteurinnen umfasst das Aufgebot. Diese B-Kategorie hat längst internationales Format und will sich für Einsätze im Ausland empfehlen. Es gibt europäische Topspielerinnen, die erst gegen Ende des meist 14-tägigen Camps mal ein Trainingsspiel gegen eine der asiatischen Kontrahentinnen gewonnen haben. Die Konkurrenz ist groß in China. Der eigentlich trainingsfreie Sonntag ist offen für freiwilliges Training. Aber „Nein“ sagen sollte zu diesem Angebot keine Chinesin mit Ambitionen. Und die ausländischen Gäste ziehen mit – zum einen, um die Tage intensiv zu nutzen, zum anderen schon deshalb, um sich keine Blöße zu geben.

Bei den Trainingsinhalten unterscheiden sich China und Europa: Es gibt kaum standardisierte Übungen. Das „freie Spiel“ ist in der Regel der zentrale Aspekt. So auch diesmal. „Wir spielen vormittags viel „Aufschlag – frei“, erklärt die amtierende Deutsche Einzelmeisterin, Silbereisen, „nachmittags ist Balleimertraining angesagt.“ Weil es jeden Tag dieselben Übungen sind, gibt es zumindest während des Trainings kaum Sprachschwierigkeiten. „Man muss jetzt nicht mehr so viel nachfragen und wenn doch, kann ich mich mit Händen und Füßen und meinem bisschen Chinesisch verständigen“, so Silbereisen. „Falls das auch nicht klappt, ist immer noch Jimmy (Wang Zhi, Anmerkung tischtennis.de) zum Übersetzen da.“
 
alt
In Huangshi sind sie jetzt lokale Prominenz: die DTTB-Damen (Foto: Silbereisen)

 

Deutschlands Damen versuchen, Trainingsaufenthalte in China zweimal im Jahr zu nutzen. Neben dem Januar ist meist der August der Monat mit einem chinesischen Nationalteamlehrgang, der offen für Gäste ist.

Eine Kooperation zwischen chinesischen und europäischen Verband und das gute persönliche Verhältnis zwischen Chinas Nationaltrainer Shi Zhihao und Jörg Bitzigeio fördern den Austausch. „Wir haben dort einfach die besten Trainingsmöglichkeiten, die wir auf der Welt finden können. So viele starke Trainingspartner und Gegner findet man in Deutschland oder auch Europa nicht“, sagte Jörg Bitzigeio in einem Interview mit dem Tischtennisportal myTischtennis. „Das bringt meine Spielerinnen weiter. Auch zu Fuß da hinzugehen, würde sich lohnen.“

Trotz der WM-Niederlage: Kooperation mit Europa hält

Er sagt auch: "Wir profitieren natürlich ganz klar mehr von dieser Kooperation als die Chinesinnen." Die Chinesen würden es natürlich so einzurichten versuchen, dass am Ende ihre Mannschaft weiterhin frühend bleibe. "Das würde ja jeder so machen", sagt Bitzigeio. Er sei froh, dass die Zusammenarbeit auch nach der schmerzlichen Niederlage der Chinesinnen im WM-Finale gegen Singapur in Moskau im vergangenen Jahr wie zuvor fortgeführt werde. "Es hätte durchaus passieren können, dass die Chinesen danach alle Schotten dicht machen."

Die alten Zeiten des erfolgreichen chinesischen Geheimtrainings sind noch gar nicht lange her. Zur Hochphase von Europas Nummer eins etwa, Tamara Boros aus Kroatien, die lange Zeit Chinas größte europäische Bedrohung war, konnte sich Neven Cegnar die Anfrage bei der chinesischen Konkurrenz sparen: "Für Tammy hätte ich dort keine adäquate Trainingspartnerin gefunden", erzählte der kroatische Nationalcoach seinem Trainerkollegen Jörg Bitzigeio.

Barthel, Mühlbach und Silbereisen sind diesmal die einzigen ausländischen Trainingsgäste in Huangshi. Auch aus einem sehr praktischen Grund: Chinas sportliche Führung hatte erst die Ergebnisse die Asian Games Ende November abgewartet, bevor der Kandidatenkreis für den B-Nationalteam-Lehrgang benannt wurde. Den europäischen Verbänden blieb daher wenig Zeit, um Finanzmittel und Flüge zu organisieren. "Ich freue mich, dass das bei uns geklappt hat", sagt der Bundestrainer. "Das gibt uns einen Vorsprung vor den anderen Nationen."

 
SH (www.tischtennis.de)
 

 


alt
Prominent platziert auch im Innenteil: Barthel, Mühlbach und Silbereisen (Foto: Silbereisen)