Nur Toth bringt eine Medaille mit in den Westerwald PDF Drucken E-Mail

Tischtennis-Europameisterschaften: Kroppachs Kristin Silbereisen erreicht dreimal ein Viertelfinale – Gardos unterliegt Baum

Ostrau. Bei der Europameisterschaft im tschechischen Ostrau gingen für die Tischtennis-Profis aus dem Westerwald nicht alle Erwartungen in Erfüllung, aber Krisztina Toth vom FSV Kroppach durfte sich über Bronze im Doppel freuen. Obwohl sie eine Medaille knapp verpasste, machte Neuzugang Kristin Silbereisen einen Schritt nach vorn. Für Titelverteidigerin „Dudu“ Wu Jiaduo und Grenzaus neuen Spitzenspieler Robert Gardos war es dagegen ein Turnier der Enttäuschungen, das für Lucjan Blaszczyk gar mit einer Lebensmittelvergiftung endete.

Krisztina Toth und Georgina Pota lieferten Ruta Paskauskiene/Oksana Fadeeva (Litauen/ Russland) im Halbfinale einen großen Kampf, mussten sich aber den Konterspielerinnen mit 1:4 geschlagen geben. „Die beiden waren einfach viel schneller als wir“, musste Toth anerkennen. „Ich bin aber sehr glücklich, dass wir Bronze gewonnen haben.“ Im vergangenen Jahr in Stuttgart war sie erstmals seit 17 Jahren ohne EM-Medaille geblieben.

Das drohte auch in Ostrava, denn im Viertelfinale gegen Renata Strbikova/Iveta Vacenovska lagen Toth/Pota bereits mit 1:3 Sätzen zurück. Die beiden Tschechinnen spielten unter dem Jubel der rund 1000 Zuschauer phasenweise wie entfesselt. Im Entscheidungssatz verspielten Toth/ Pota eine 6:2-Führung, gerieten mit 8:10 in Rückstand, wehrten noch einen dritten Matchball ab und gewannen. „Wir haben immer daran geglaubt, dass wir die Partie noch drehen können“, freute sich Krisztina Toth.

Im Einzel erwischte es Toth am „schwarzen Freitag“ der topgesetzten Spielerinnen als erste. Die an Nummer vier gesetzte Ungarin war in der dritten Runde beim 1:4 gegen die Russin Anna Tikhomirova völlig chancenlos. „Es lief nichts zusammen“, meinte sie.

 

„Beste EM-Platzierung“

Gleich zwei Runden weiter schaffte es Kristin Silbereisen. Sie besiegte auf dem Weg ins Viertelfinale Paralympics-Siegerin Natalia Partyka (Polen), Vorjahresfinalistin Margaryta Pesotska (Ukraine) und die an zwei gesetzte Spanierin Shen Yanfei jeweils mit 4:2 und freute sich über „meine bislang beste EM-Platzierung.“ Für Bundestrainer Jörg Bitzigeio war eine neue Qualität Silbereisens ausschlaggebend: „Kristin hat sich vor allem im passiven Spiel sehr stark verbessert. Früher ist sie auf alles aggressiv drauf gegangen.“

Im Viertelfinale gegen die Österreicherin Liu Jia lief es erst fast perfekt. „Bis 5:2 im dritten Satz hatte ich das Gefühl, sie im Griff zu haben“, sagte Silbereisen nach dem 2:4. „Dann wollte ich auf einmal zu viel, habe meine taktische Linie verlassen und das Tempo erhöht.“ Unter dem Strich zog sie aber eine positive Bilanz: „Ich habe in allen Wettbewerben das Viertelfinale erreicht. Natürlich schmerzt es, dass es nicht zu einer Medaille gereicht hat.“

Bitzigeio sieht seine Spielerin auf einem guten Weg. „Kristin hat gezeigt, dass sie auf einem Top-Niveau agieren kann. Vielleicht fehlt noch der Glaube daran, solch wichtige Partien gewinnen zu können“, sagte der gebürtige Andernacher.

Im Doppel verpasste Silbereisen mit Zhenqi Barthel (Bingen) eine Medaille ganz knapp. Das Bronze-Duo von Stuttgart war gegen Paskauskiene/Fadeeva bei 9:9 im sechsten Satz nur zwei Punkte vom Einzug ins Halbfinale entfernt. Doch sie ließen die Konsequenz im Abschluss vermissen. „Wir waren spielerisch besser und haben die beiden über das gesamte Spiel kontrolliert“, ärgerte sich die Kroppacherin. „Den sechsten Satz mussten wir zumachen, einen siebten hätte es gar nicht mehr geben dürfen.“

Der Weg von Titelverteidigerin Wu Jiaduo endete bereits im Achtelfinale, obwohl sie Georgina Pota wenige Tage nach der Niederlage im Teamwettbewerb zunächst im Griff hatte. „Gina ist sehr müde“, befand Toth bei einem 0:2-Rückstand ihrer Doppelpartnerin, mit der sie kurz zuvor das Viertelfinale gewonnen hatte. „Aber sie hat schon so viele aussichtslose Matches gedreht.“ Auch eine 3:1-Satzführung und einen Matchball im siebten Satz konnte die Siegerin von Stuttgart nicht nutzen. Ausgerechnet ein Kantenball besiegelte Wus Aus, die selbstkritisch meinte: „In den wichtigen Momenten war ich einfach zu passiv.“ Obwohl seine Spielerin zuvor nur einen Satz verloren hatte, kam die Niederlage für Bitzigeio nicht sehr überraschend: „Dudu ist hier nicht in Topform angetreten. Das Feld ist zu eng, als dass sie dann noch eine sichere Kandidatin auf eine Medaille wäre. In engen Situationen hat sie leider zu oft ihre taktische Linie verloren.“ Damit war klar, dass die Europaranglistenerste ohne Edelmetall blieb. Zuvor war sie auch im Doppel mit Elke Schall (Essen) im Achtelfinale gescheitert. Die EM-Dritten von 2007 enttäuschten beim 0:3 gegen die Polinnen Xu Jie und Natalia Partyka.

Grenzaus neuer Spitzenspieler Robert Gardos blieb erstmals seit 2007 ohne EM-Medaille. In der dritten Runde unterlag er ausgerechnet Patrick Baum, seinem Vorgänger im Brexbachtal. Beim 1:4 verlor der Österreicher nach vielen Satzbällen gleich drei Durchgänge in der Verlängerung. „Das war entscheidend“, sagte Baum. „Robert hat hier sicher nicht sein bestes Turnier gespielt. Im Kopf wirkte er nicht so stark.“ Im Doppel konnten Gardos und Daniel Habesohn im Achtelfinale gegen die Franzosen Mattenet/Lebesson drei Matchbälle nicht nutzen.

 

Pech für Lucjan Blaszczyk

Statt mit der 13. EM-Medaille endete das Turnier für Lucjan Blaszczyk mit einer Lebensmittelvergiftung. Zunächst musste Nationaltrainer Tomasz Krzeszewski das polnische Silber-Doppel von Stuttgart mit dem Grenzauer und Wang Zhen Yi abmelden: „Wir haben alles versucht, Lucjan ist die ganze Zeit behandelt worden, aber es hat sich nicht verbessert. Wenn er sich am Nachmittag besser fühlt, kann er vielleicht noch Einzel spielen.“ Doch wenig später hatte sich auch diese Hoffnung zerschlagen.

Im Teamwettbewerb hatte sich die polnische Gruppe als stärkste erwiesen: Deutschland wurde erneut Europameister, die von Blaszczyk & Co. bezwungenen Tschechen Dritte. „Deshalb muss ich unsere Leistung als gut bezeichnen“, sagte der Grenzauer. „Ich freue mich, dass die Gastgeber eine Medaille gewonnen haben und hoffe, dass wir das im nächsten Jahr bei unserer Heim-EM auch schaffen.“ René Adler


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Krisztina Toth vom FSV Kroppach gewann bei der EM in Ostrau eine Bronzemedaille im Doppel. Foto: Jürgen Vohl

Westerwälder Zeitung vom Montag, 20. September 2010, Seite 26