Dudu und Silbereisen starten erfolgreich in die WM PDF Drucken E-Mail
Deutsches Team feiert in Moskau Siege gegen die USA und die Niederlande – Blaszczyk und Gardos punkten

 
MOSKAU. Nach den ersten beiden Wettkampftagen ist für die Asse aus dem Westerwald bei der Mannschafts-WM in Moskau noch alles drin. Für die positive Überraschung sorgten die von Europameisterin Jiaduo Wu aus Kroppach angeführten deutschen Damen, denen mit zwei Siegen ein perfekter Auftakt gelang.

Durchaus zu erwarten war das klare 3:0 gegen die USA, bei dem Wu gegen Lily Zhang ohne Satzverlust blieb. „Ich muss erst wieder meinen Rhythmus finden. Der Auftakt heute war schon ganz okay“, sagte die Kroppacherin über ihren ersten Wettkampf nach auskuriertem Rippenbruch. Auf ihre Nummer eins, die 41-jährige ehemalige Doppel-Weltmeisterin Gao Jun, hatten die Amerikanerinnen verzichtet, was Bundestrainer Jörg Bitzigeio gar nicht so recht war. „Was das Spielerische betrifft, hätten wir uns Gao Jun als Gegnerin gewünscht“, sagte der gebürtige Andernacher. „Das wäre eine bessere Standortbestimmung für uns gewesen.“

 

Wu kommt aus dem Konzept

Die folgte gestern gegen Europameister Niederlande, und zunächst lief es überhaupt nicht für die Deutschen. Die künftige Kroppacherin Kristin Silbereisen unterlag Spitzenspielerin Li Jiao ebenso in vier Sätzen wie Wu gegen Abwehrspezialistin Li Jie – zum ersten Mal nach vier Siegen zuvor. Dudu gewann den ersten Satz klar und führte im zweiten mit 9:6, als die so genannte Wechselmethode – auch Zeitspiel genannt - in Kraft trat, weil der Satz zu diesem Zeitpunkt bereits zehn Minuten dauerte. Von nun an musste die aufschlagende Spielerin spätestens mit der dreizehnten Ballberührung punkten. „Das hat mich komplett aus dem Konzept gebracht“, erklärte Wu. „Ich habe völlig den Kopf verloren und bin erst im vierten Satz wieder ruhiger geworden. Da war es schon zu spät.“

Doch Elke Schall (Essen) leitete durch ein 3:2 gegen Creemers die Aufholjagd ein. Wu hatte danach ihre Nerven gegen Li Jiao wieder im Griff. „Ich habe mich zehn Minuten in eine Ecke der Halle zurückgezogen und das Spiel gegen Li Jie vorbeiziehen lassen. Gegen Li Jiao ist es für mich immer schwer, aber eben nicht unmöglich. Die Umstellung ist mir zum Glück gut gelungen“, sagte Wu nach ihrem 3:1. Dann drehte Silbereisen gegen Li Jie einen 0:2-Rückstand und ließ ihr Team nach fast vier Stunden jubeln.

„Wir haben uns ins Spiel zurück gekämpft“, lobte Bitzigeio. Er trat aber auch ein wenig auf die Euphoriebremse: „Zwei Siege bei dieser WM in der Vorrunde bedeuten noch gar nichts.“

 

Toth kann überzeugen

Krisztina Toth avancierte beim hart umkämpften 3:1 der Ungarinnen gegen die Ukraine zur Matchwinnerin. Die Spielerin aus Kroppach glich zunächst in vier Sätzen gegen Sorochynska aus holte durch ein 3:1 gegen die Finalistin der EM Pesotska auch den Siegpunkt. In einer Gruppe mit gleich drei asiatischen Teams war dies ein wichtiger Pflichtsieg, bei der Kür gegen Hongkong gelang den Ungarinnen aber keine Überraschung. Beim 1:3 verlor Toth beide Einzel in vier Sätzen. „Die asiatischen Mannschaften sind sehr stark“, sagte Toth. „Wir haben eine kleine Medaillenchance, aber unser Nahziel ist es, zu den besten zwölf Teams zu gehören.“

Deutschlands Tischtennis-Herren sind mit mit zwei 3:0-Siegen gegen Dänemark und Spanien gestartet, die der Grenzauer Patrick Baum wie erwartet auf der Bank erlebte. Die Neuauflage des EM-Endspiels wurde nicht zum Härtetest, weil die Dänen ohne Einzel-Europameister Maze und den reaktivierten Altmeister Bentsen antraten, die angeschlagen sind. Eng wurde es nur für Christian Süß (Düsseldorf). Gegen Spanien hatte der Weltranglistendritte Timo Boll (Düsseldorf) beim 3:2 im Auftakteinzel gegen Cantero große Probleme.

 

Blaszczyk gewinnt Einzel

Für Grenzaus Lucjan Blaszczyk und seine Polen ging die Rechnung gegen Griechenland voll auf. Nach der Absage des griechischen Weltklassemanns Kalinikos Kreanga hatten Luzek & Co. eigentlich nur noch Gionis zu fürchten. Auch wenn dieser Blaszczyk und Such bezwang, geriet der polnische Sieg nie in Gefahr. Gegen Papageorgiou gewannen beide klar, den dritten Punkt holte Gorak gegen Riniotis.

Für Baums Nachfolger in Grenzau, den Österreicher Robert Gardos, lief gegen Weißrussland alles nach Plan. Zwar konnte wie befürchtet keiner gegen Weltcupsieger Samsonov gewinnen, doch in den anderen drei Partien hielt sich Österreich schadlos. Gardos unterlag Samsonov in vier Sätzen, gewann aber die entscheidende fünfte Partie gegen Nekhvedovich mit 3:1.

Gestern wurde Gardos beim 2:3 gegen Portugal zum tragischen Helden, weil er nicht nur das Auftakteinzel gegen Apolonia nach 2:0-Führung in fünf Sätzen verlor. Im alles entscheidenden fünften Match gab er gegen Freitas ein 2:1 aus den Händen und unterlag hauchdünn mit 13:15 im Entscheidungssatz. Damit stehen die Österreicher heute gegen Singapur unter Druck.

René Adler

Westerwälder Zeitung vom Dienstag, 25. Mai 2010, Seite 14
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 26. Mai 2010 um 06:23 Uhr