Meisterschaftsentscheidung vertagt PDF Drucken E-Mail
Die Meisterschaft ist auf Sonntag vertagt: Durch das 1:3 des FSV Kroppach gegen den TTSV Saarlouis-Fraulautern und das 3:2 des TV Busenbach gegen die BFV Hassia Bingen ist Busenbach bis auf zwei Punkte an Kroppach herangerückt. Kroppach reicht allerdings morgen ein einziger Punkt, um den Titel perfekt zu machen.

 

TTSV Saarlouis-Fraulautern – FSV Kroppach 3:1

 

Im vorletzten Spiel der Saison 2009/2010 beteiligte sich der TTSV Saarlouis-Fraulautern dann doch endlich einmal am Aufstellungspoker – und das mit großem Erfolg. Maria Fazekas spielte auf Position eins, Petrissa Solja auf ihrem gewohnten Stammplatz zwei, außerdem Li Fen erstmalig auf drei.

Titelverteidiger FSV Kroppach wollte die Meisterschaft perfektionieren und holte nochmals Sun Bei Bei als Spitzenspielerin. Jia Jun nahm auf der Bank Platz. Die Partie eröffnete Europameisterin Wu Jiaduo gegen Fazekas. Wegen einer gebrochenen Rippe, die ihr schon im Match gegen die SV Böblingen zu schaffen machte, gab „Dudu“ kampflos auf. „Uns war bekannt, dass Wu Jiaduo nicht spielt. Der FSV vermutete wohl, dass wir wie immer spielen. Sie haben uns nicht durchschaut. Wäre Wu auf Position drei angetreten, dann hätten wir voraussichtlich alt ausgesehen“, analysierte TTSV-Manager Heinz Falk.

Auf des Messers Schneide stand die Begegnung zwischen Solja und Sun Bei Bei beim 11:9, 9:11, 7:11, 11:8 und 8:11. Im vierten Satz legte die 15-jährige Jungnationalspielerin ein 10:3 vor. Beim 10:7 verhalf der Linkshänderin eine Auszeit zum Gewinn des vierten Durchgangs. Im fünften Abschnitt übernahm die Asiatin wieder die Initiative, die sich über ein 4:1 und 8:6 zum 11:8-Sieg arbeitete. Dieser war dann auch dringend notwendig, denn auf Krisztina Toth wartete gegen Li Fen eine unlösbare Aufgabe. Li Fen verfügt in der Rückrunde über eine blütenweiße Weste, die sie nach einem souveränen 11:9, 11:5 und 8:3 nicht bereit war aufzugeben. Doch schlagartig holte die Ungarin Punkt für Punkt auf und erkämpfte sich zum 10:9 den ersten Satzball. Diese Schwächephase überwand Li Fen, die mit 12:10 siegte. Die Gastgeberinnen führten somit 2:1, und Sun Bei Bei geriet gegen Fazekas mit dem Rücken an die Wand. Die Ungarin auf Seiten des TTSV schaffte im ersten Satz ein 8:8, doch mit einem 11:8 hatte Sun Bei Bei die Nase vorn. Fazekas kam zunehmend stärker auf und setzte die Asiatin zum 14:13 im zweiten Durchgang unter Druck, 14:15, 15:15, 17:16. Mit einem engen 18:16 glückte ihr der Ausgleich. Hochklassig setzte sich der dritte Satz fort, in dem Sun Bei Bei  nach einem 2:6 und 8:9 zum 11:9 alle Register ziehen musste. Die Saarländerin ließ nicht locker und egalisierte mit einem 11:9. Beim 3:0 im Entscheidungssatz nahm Sun Bei Bei Time-out, beim 4:6 Fazekas. Die Spannung stieg, als sich die Kroppacherin drei Matchbälle erspielte, die Fazekas aber allesamt vereitelte und mit einem 12:10 selbst für die Überraschung des Tages sorgte. „Ein Kompliment geht schon an Petrissa, die mit ihrer wohl besten Saisonleistung gezeigt hat, dass sie gegen weltklasse Spielerinnen bestehen kann. Maria übertraf die Erwartungen. Sie hat ihre Chance genutzt sich zu zeigen, und sie spielte sich absolut in den Vordergrund. Petrissa und sie haben sehr aggressiv agiert. Wir haben gegen Kroppach gewonnen, nicht weil wir einen Punkt geschenkt bekommen haben, sondern weil die Mannschaft wirklich richtig gut gespielt hat. Wir sind nun auf jeden Fall Dritter in der Tabelle. Schade, dass wir durch die Krankheitsphase  von Li Fen in der Hinrunde entscheidenden Boden im Meisterschaftskampf verloren haben. Das soll selbstverständlich kein Vorwurf sein, wir sind total zufrieden“, sagte Falk.

"Wir haben es noch einmal spannend gemacht. Da Dudu und Spielerinnen des TTSV in Düsseldorf trainieren, war nicht schwer herauszubekommen, dass sie verletzt ist. Heinz Falk hat sich als cleverer Fuchs gezeigt und taktisch gut aufgestellt. Sun Bei Bei ist gestern erst angekommen, und sie war von der anstrengenden WM-Vorbereitung in Singapur müde. Gegen Nicole Struse (Böblingen) lag sie 7:10 zurück und hat noch gewonnen. Das Glück gleicht sich im Laufe einer Saison immer mal wieder aus. Li Fen musste schon ihr bestes Tischtennis gegen Krisztina zeigen. Als sie im dritten Satz nachließ, war Tothi noch zur Stelle. Sie verpasste den Satzgewinn nur hauchdünn. Jetzt hoffen wir, dass wir den einen Punkt gegen Essen noch einfahren, dann können wir mit unseren Fans feiern", erklärte FSV-Teambetreuer Dennis Leicher.

 

TV Busenbach – BFV Hassia Bingen 3:2:

 

In vorerst letzten Heimspiel in der 1. Bundesliga bot der TV Busenbach seinen Zuschauern noch einmal Tischtennisspannung pur. Das 3:2 war bereits die 13. Partie, die Busenbach erst im Schlussdoppel entschied. Nanthana Komwong zeigte keine schlechte Leistung im Trikot der BFV Hassia Bingen. Im Eröffnungseinzel rang sie ihrer gastgebenden Gegnerin Shan Xiao Na einen fünften Satz ab, den sie allerdings mit 7:11 dann doch deutlich verlor.

Dass Jessica Göbel für Busenbach kaum eine Chance haben würde gegen Ding Yaping, das war klar. Und so kam es auch. Die in dieser Saison als zuverlässige Doppelspielerin bekannte Göbel konnte in keinem der drei Sätze – 4:11, 8:11, 2:11 – auch nur annähernd der „Altmeisterin“ Paroli bieten. So stand es 1:1. Nach der Pause machte die amtierende Deutsche Meisterin Kristin Silbereisen kurzen Prozess mit Dana Hadacova: 11:4, 11:8 und 11:7.

Doppel oder nicht Doppel – das war die Frage vor dem letzten Einzel zwischen Shan und Ding Yaping. Die Antwort verrät das Endergebnis: Doppel. Denn Ding Yaping wurde ihrer Favoritenrolle in diesem Einzel gerecht und gewann relativ deutlich in drei Sätzen zum 2:2-Zwischenstand. Es war bereits das fünfte Spiel der Rückrunde, das für oder gegen Busenbach im Schlussdoppel zu Ende ging. Insgesamt war es das 13. Match, das die Busenbacherinnen bis zum letzten Spiel ausdehnten.  

Und auch im Doppel ließen die beiden Teams nichts aus – hin und her wogte die Partie. Den ersten Satz gewannen Silbereisen/Göbel, Satz zwei und drei Hadacova und Komwong. Satz vier ist dann wieder knapp mit 12:10 die Angelegenheit für die TVB-Spielerinnen. Im Schlusssatz waren die TVB-Damen dann deutlich überlegen und gewannen zum 11:4-Endstand.

Stimmen zum Spiel:
Hans-Joachim Lautebach, Abteilungsleiter Bingen: „Es war ein Spiel auf Augenhöhe und ein klassisches Remis, das es ja aber in dieser Saison noch nicht gibt. Wir hatten im Doppel einen Matchball, den wir nicht nutzen konnten, danach gab es einen Netzroller zum Satzgewinn für Busenbach, im Schlusssatz war der TVB dann überlegen. Erneut überzeugend und klasse war die Leistung von Ding Yaping, sie hat wieder super gespielt. Aber auch die beiden anderen Damen haben nicht enttäuscht. Komwong hat sehr gut gespielt, es war ein sehr schnelles Match gegen Shan. Dana Hadacova spielt nicht so gerne gegen Silbereisen.“

Sabine Schlatterer, Geschäftsführerin des TVB: „Es war ein würdiges Abschiedsspiel in eigener Halle von der 1. Bundesliga. Wir haben gegen einen ebenbürtigen Gegner gewonnen, der uns alles abverlangt hat und kurz davor stand, bei uns zu gewinnen. Als unser Gegner im Schlussdoppel Matchball hatte, da habe ich gedacht, das Spiel ist weg. Aber ich muss meiner Mannschaft ein ganz dickes Lob zollen, sie hat fantastisch gekämpft und einen gleichwertigen Gegner nieder gerungen. Erneut war es eine Augenweide, das Spiel von Ding Yaping zu sehen. Ich habe sie oft gut spielen erlebt, aber lange nicht so gut wie heute bei uns. Schade, dass nur 130 Fans hier waren, aber das Wetter war einfach zu gut. Gefreut hat es uns, dass es sich Bürgermeister Franz Masino nicht hat nehmen lassen, unsere Spielerinnen zu verabschieden. Egal, wie am Sonntag die letzten Spiele ausgehen, wir haben eine tolle Saison gespielt und mit Platz drei, den wir ja schon in jedem Fall heute Abend sicher haben, mehr erreicht als wir vor der Saison gedacht haben.“

 

 Axel Emmert (ww.tischtennis.de)