Der MTV Tostedt wird für den TV Busenbach zum Stolperstein PDF Drucken E-Mail
75 Zuschauer haben einen MTV Tostedt mit zwei Gesichtern gesehen. Nach einem 0:2 leitete Han Ying gegen den Tabellenzweiten TV Busenbach die Wende zum vielumjubelten 3:2 ein. Nutznießer dieser Niederlage ist eindeutig der FSV Kroppach, der seinen Eiertanz gegen die SV Böblingen zum 3:2 erfolgreich beendete und nun mit zwei Punkten und einem erstklassigen Spielverhältnis präzise auf Meisterschaftskurs liegt.  

MTV Tostedt – TV Busenbach 3:2

 

Die Voraussetzungen für den MTV Tostedt gegen den Titelaspiranten TV Busenbach stellten sich als nicht gerade verheißungsvoll dar. Nadine Bollmeier fehlte immer noch verletzungsbedingt, so dass erneut Svenja Obst einspringen musste. Die 22-Jährige war in doppelter Hinsicht nicht zu beneiden, denn mit Shan Xiao Na stand ihr eine hochkarätige Gegnerin gegenüber. Außerdem hat Obst drei Einsätze an diesem Wochenende in der Reserve zu absolvieren, eines davon noch nach der Erstligapartie ab 18.30 Uhr gegen den TuS Uentrop. Später, im Doppel, sollte auch noch Coach Tatsiana Kostromina in diesen Genuss kommen, die die Prognose gänzlich sprengte.

 

Einen etwas eigenwilligen Spielverlauf nahm allerdings erst einmal die Partie zwischen Irene Ivancan und Laura Robertson, denn einem 4:11, folgte ein 11:1 zu Gunsten von Ivancan. Im dritten Satz machte die Gastgeberin aus einem 0:2 ein 6:4 und 8:7, die Ausgeglichenheit nahm zu. Beim 9:10 sah sich die Abwehrspielerin einem Satzball gegenüber, den sie aber gekonnt abwehrte, um selbst zum 12:10 die Führung zu übernehmen. Umgekehrte Vorzeichen wiederum um vierten Satz, den diesmal Robertson zum 8:5 dominierte. Ivancan holte zum 7:8 auf, 8:9, 9:9, aber die Busenbacherin schaffte mit einem 11:9 den Satzausgleich, um im entscheidenden Durchgang mit 0:3 zu starten. Beim 4:3 für Robertson nahm Ivancan ein Time-out. Der kleine Hänger zu Beginn des Satzes wiederholte sich bei der 26-jährigen TV-Akteurin nicht, die mit einem 11:7 den Tabellenzweiten nach vorn brachte. „Das war ein wahnsinniges Spiel, das schön anzuschauen war. Es war alles drin, und Laura hatte das glücklichere Ende auf ihrer Seite“, erklärte TV-Geschäftsführerin Sabine Schlatterer.

Obst zog sich gegen Shan ansprechend aus der Affäre, beim 0:3 blieb sie aber erwartungsgemäß chancenlos. MTV-Defensivspezialistin Han Ying sah sich nicht nur einem 0:2-Rückstand gegenüber, mit der glänzend aufgelegten Deutschen Meisterin Kristin Silbereisen wartete auch auf sie eine schwere Aufgabe. Diese meisterte sie jedoch bravourös, und Han Ying verhinderte mit einem 11:8, 11:6 und 11:6 die frühzeitige Niederlage. „Die Schwere der Aufgabe lag wohl eher bei Kristin, die das erste Mal gegen Han Ying antrat. Ihr Spiel zu lesen ist nicht einfach“, sagte Schlatterer. Obst habe eine klasse Rückhand, und sie habe sich gegen Shan gut verkauft.

Die Partie gewann an Rasse, als sich Ivancan anschickte, mit einem 11:9 und 11:10 Shan Xiao Na unter Druck zu setzen. Shan befreite sich mit einem knappen 13:11 davon, doch Ivancan setzte mit einem 5:3 und 9:4 nach. Beim 9:6 nutzte die Tostedterin die Auszeit, um sich Luft zu verschaffen. Zum 10:6 und 11:7 wurde diese Maßnahme von Erfolg gekrönt. Bis zum 5:5 verlief der folgende Abschnitt offen, beim 10:6 hatte sich Ivancan vier Matchbälle erarbeitet. Ihren Zweiten nutzte sie zum 11:7, und das überraschende 2:2 war perfekt. „Irene ist über sich hinaus gewachsen. Sie zeigte sich im zweiten Satz sogar sehr fair, als sie diesen verlor, weil sie eine Schiedsrichterentscheidung zu ihren Ungunsten korrigierte. Doch dieser Satzgewinn baute Shan nicht auf“, berichtete die Geschäftsführerin.

Nicht überraschend kam im Doppel die Ergänzung von Tatsiana Kostromina, die zusammen mit Han Ying das Abwehrduo der Gastgeberinnen komplettierte und die Silbereisen/Jessica Göbel forderten. Die beiden MTV-Akteurinnen kamen dann auch gleich gut in Tritt und legten ein 7:4 vor, das beim 8:9 zu kippen drohte, doch nach einem 11:9 lautete es 1:0 nach Sätzen. Die positive Phase hielt an, denn auch im zweiten Durchgang hatten Han Ying/Kostromina zum 9:4 schnell die Nase vorn. Nach einem 11:4 drohte die weiße Weste des TV Busenbach in der Rückrunde den ersten Fleck zu bekommen, der dem FSV Kroppach einen vielleicht schon entscheidenden Vorteil im Meisterschaftsrennen bringen würde. Mit einem 4:1-Vorsprung im dritten Satz setzte das MTV-Duo die starke Leistung fort, 5:3 und Auszeit Busenbach. Beim 7:3 schwanden die Hoffnungen der Gäste zunehmend, 7:5, 7:6, 8:6, 8:7, 9:7. Mit einem 11:7 war der Triumph der Niedersachsen perfekt, die ein zweites Mal dem TV Steine in den Weg legten. „Das Abwehrdoppel war für uns eine Katastrophe, aber wir hatten letztendlich schon damit gerechnet. Wir haben es schlichtweg vergeigt. Ich muss die Niederlage mit auf meine Kappe nehmen, da ich unsere Aufstellung wider besseren Wissens, so wie abgesprochen, gelassen habe“, analysierte Schlatterer. Dieses Spiel habe wieder einmal gezeigt, dass jeder jeden schlagen könne. „Wir können nur nicht gegen Tostedt gewinnen, ebenso wenig wie Kroppach gegen uns. Ich gehe davon aus, dass der FSV durch unseren Misserfolg einen riesengroßen Schritt Richtung Meisterschaft machen konnte“,  sagte Schlatterer. „Es wäre für uns auf jeden Fall besser gewesen Shan im Abschlussdoppel zu haben. Kristin und ich können zwar den Ball anziehen, aber wir verfügen beide nicht über einen knallharten Schuss. Unsere Niederlage war abzusehen“, ergänzte Jessica Göbel.

„Wir haben auch schon oft ein flaues Gefühl im Magen bei unserer Aufstellung gehabt. Wenn der Gegner einem einen Strich durch die Rechnung macht, kann man sich aber keine Schuld zuweisen, denn bei diesem Dreiersystem ist alles möglich. Wir haben uns mit fünf Spielerinnen eingespielt, dass Nadine nicht antritt, konnten unsere Gäste vorher gar nicht wissen“, entgegnete MTV-Manager Friedel Laudon. Han Ying habe auch mit einer starken Erkältung Kristin Silbereisen keine Chance gelassen, das sei in der Deutlichkeit überraschend gewesen. „Auch Irene hat gegen Shan ein super Spiel abgeliefert und sich dabei noch den Fairnesspreis verdient. Statt 2:0 in den Sätzen zu führen, stand es 1:1“, meinte Laudon. Tatsiana habe seit zwei Jahren nicht mehr richtig trainiert, so dass das Doppel nicht eingespielt gewesen sei. „Beide haben alles gegeben, solch eine Partie macht glücklich“, freute sich der Manager. Sportlich sei der Sieg verdient gewesen.

 
Martina Emmert (www.tischtennis.de)