Baum schnuppert an Doppel- Medaille PDF Drucken E-Mail
Frühes Aus für Grenzauer und Kroppacherinnen in Berlin

Bei den German Open in Berlin blieben die Tischtennis-Asse aus dem Westerwald zum großen Teil deutlich unter ihren Möglichkeiten.

BERLIN. Für alle Tischtennis-Profis, die für den TTC Grenzau und den FSV Kroppach spielen, waren die German Open sehr früh beendet. Das beste Ergebnis war noch das des Grenzauers Patrick Baum im Doppel, der nur knapp das Halbfinale verpasste.

Besonders weit klafften Anspruch und Wirklichkeit bei Europameisterin Jiaduo Wu aus Kroppach auseinander. Zwei Jahre nach ihrer Finalteilnahme in Berlin scheiterte "Dudu" diesmal schon in der ersten Runde. Die  Nummer 15 der Weltrangliste erwischte einen rabenschwarzen Tag und unterlag der Japanerin Hiroko Fujii (Nummer 297) sang- und klanglos mit 0:4. Nur im letzten Satz konnte sie mithalten, verlor aber mit 11:13. "Wu hat in Berlin keine gute Vorstellung geboten", sprach Frauen-Bundestrainer Jörg Bitzigeio Klartext. "Aber ich bin zuversichtlich, dass wir ihre Form bis zur WM in Moskau wieder hinbekommen werden."

Bis dahin sollte sich auch Klubkollegin Krisztina Toth steigern, denn auch für die Ungarin war der erste Auftritt zugleich der letzte. Toth geriet gegen Carole Grundisch (Frankreich) schnell mit 0:2 Sätzen in Rückstand, gewann dann drei Sätze in Folge - und zog doch im Entscheidungssatz mit 9:11 den Kürzeren. Keine Vorwürfe musste sie sich im Doppel mit Landsfrau Georgina Pota nach dem 2:4 im Achtelfinale gegen die Chinesinnen Peng Luyang/ Wu Yang machen.

Beim Grenzauer Patrick Baum fehlte wie schon so oft in diesem bislang enttäuschenden Jahr das berühmte letzte Quäntchen. "Patrick hatte seine Chancen", sagte Männer-Bundestrainer Richard Prause nach dem knappen 3:4 seines Schützlings gegen Europas besten Abwehrspieler Chen Weixing (Österreich). Baum hatte einen 0:2-Satzrückstand in eine 3:2-Führung verwandelt, verlor jedoch die letzten beiden Durchgänge knapp.

In der ersten Runde hatte es Baum in der Max Schmeling-Halle beim 4:3 gegen den Griechen Ioannis Vlotinos unnötig spannend gemacht. Er lag schnell mit 2:0 Sätzen vorn, verspielte gegen seinen in der Weltrangliste 171 Plätze hinter ihm liegenden Gegner aber im vierten Durchgang eine 9:7-Führung und im sechsten Satz sogar einen 9:6-Vorsprung. Der Linkshänder musste völlig unnötig in den Entscheidungssatz, den er allerdings klar mit 11:4 gewann.

Im Doppel hinterließ Baum an der Seite von Bastian Steger (Frickenhausen) einen starken Eindruck. Nach dem 4:2 gegen die Italiener Mihai Bobocica/Niagol Stoyanov verpassten die Deutschen den Sprung ins Halbfinale haarscharf. Baum/Steger brachten den chinesischen Weltranglistenersten Ma Long und dessen Landsmann Chen Qi (Nummer neun der Welt) in einer Klassepartie an den Rand einer Niederlage, schafften es aber nicht, eine 3:1-Satzführung ins Ziel zu retten. "Die Chinesen konnten in den letzten drei Sätzen einfach noch eine Schippe drauflegen", musste Baum anerkennen. "Auch ein 1:3- Satzrückstand bringt sie nicht aus der Ruhe."

Obwohl er seit Jahresbeginn selten überzeugen konnte, zweifelt Baum nicht daran, für das wichtigste Turnier des Jahres nominiert zu werden. "Ich gehe davon aus, dass ich dabei bin." Die Entscheidung will der Deutsche Tischtennis-Bund in den nächsten Tagen bekannt geben. Bei der Team-WM in der russischen Hauptstadt im Mai gilt Deutschland neben Südkorea und Japan als größter Herausforderer der Chinesen.

Jiaduo Wu ist für Moskau ebenso gesetzt wie Toth und Grenzaus Pole Lucjan Blaszczyk, der in der ersten Runde dem favorisierten Hongkong-Chinesen Tang Peng nach 3:2-Führung mit 3:4 unterlag. Auch der Japaner Kenji Matsudaira musste sich einem Mann aus Hongkong geschlagen geben. Gegen Jiang Tianyi hieß es 2:4. Frantisek Placek (Tschechien) aus der Grenzauer Reserve gelang mit dem Einzug ins Viertelfinale des U 21-Wettbewerbs ein Achtungserfolg. Beim 0:4 gegen Japans Supertalent Koki Niwa war er allerdings chancenlos.   René Adler

 

Westerwälder Zeitung vom Montag, 22. März 2010, Seite 25.