Baum holt Titel im Doppel PDF Drucken E-Mail

Deutsche Tischtennis-Meisterschaften in Trier: "Dudu" muss weiter auf nationalen Triumph warten

Gold, Silber und Bronze und noch eine künftige Kroppacherin als Einzel-Meisterin - Westerwald, was willst du mehr?

TRIER. Die Europameisterin muss weiter auf ihren ersten nationalen Titel im Einzel warten. Bei den deutschen Meisterschaften in Trier unterlag "Dudu" Jiaduo Wu vom FSV Kroppach im Halbfinale ihrer künftigen Teamkollegin Kristin Silbereisen (Busenbach). Wesentlich überraschender war die Niederlage im Doppel-Endspiel mit Elke Schall (Essen-Holsterhausen) gegen zwei Youngster.

Dafür gewann Patrick Baum (TTC Zugbrücke Grenzau) mit seinem besten Kumpel Dimitrij Ovtcharov vom belgischen Renommierclub Royal Villette Charleroi zum zweiten Mal nach 2008 Gold im Doppel.

Einen Tag nach der großen Enttäuschung über das Viertelfinal-Aus im Einzel war der Nationalspieler erleichtert. "Das ist schon eine Genugtuung, dass es im Doppel geklappt hat", sagte Baum nach dem Sieg gegen Bastian Steger (Frickenhausen) und Lars Hielscher (Bremen), der viel deutlicher als mit 4:3 hätte ausfallen können. "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht, als wir bei einer 2:1-Satzführung im vierten Durchgang bei 10:6 vier Satzbälle in Folge vergeben haben", analysierte Baum, der mit seinem Partner in sechs von sieben Sätzen lange wie der sichere Sieger ausgesehen hatte.

Im Einzel verpasste er nach zwei Pflichtsiegen die angepeilte Medaille.

"Kleine Punkte" entscheiden

Zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit musste er sich dem Siegerländer Steffen Mengel geschlagen geben, der zuvor in rund zehn Jahren nur einmal gegen den Linkshänder gewonnen hatte. Zwar spielte "Patti" deutlich stärker als zuletzt bei seiner 0:3-Niederlage gegen Mengel im DTTL-Duell des TTC Grenzau bei der TG Hanau. Doch auch diesmal zog Baum gegen den Hünen den Kürzeren, wenn auch knapper mit 2:4. Der Linkshänder Baum gewann zwar viele der herausragenden Ballwechsel, hatte jedoch bei den so genannten kleinen Punkten oft das Nachsehen.

"Nach der Niederlage war ich sehr enttäuscht. Ich wollte unbedingt gegen Steffen gewinnen", sagte der 22-Jährige und gestand: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man noch enttäuschter sein kann." Dabei stand der Frust über das Ergebnis klar im Mittelpunkt. "Mit der Leistung war ich sehr zufrieden, aber es hat halt ein kleines bisschen gefehlt", resümierte Baum. "Gerade deshalb war es ja besonders ärgerlich. Steffen ist einfach sehr gut drauf im Moment. Bei ihm klappt fast alles."

Auch Jiaduo Wus Bilanz in der Arena in Trier war durchwachsen. "Die Leute denken vielleicht, als Europameisterin müsste man auf jeden Fall auch Deutsche Meisterin werden, aber so einfach ist das im Tischtennis nicht", verdeutlichte sie nach der 2:4-Niederlage gegen Kristin Silbereisen (Busenbach) vor nur 2000 Zuschauern. "Es gibt diese 50:50-Spiele, und die gegen Kristin gehören auf jeden Fall dazu." Deshalb hielt sich die Enttäuschung in Grenzen. "Wir haben beide gut gespielt. Ich bin nicht allzu traurig, auch wenn ich gerne Deutsche Meisterin geworden wäre", bilanzierte "Dudu".

Überraschendes Finale

Zumal der Weg frei schien, nachdem Titelverteidigerin Elke Schall bereits im Viertelfinale an Pengpeng Guo aus der Zweitliga-Reserve von 3 B Berlin gescheitert war. Doch statt Wu gegen Schall lautete die Endspiel-Paarung Silbereisen gegen Petrissa Solja (Saarlouis) - für beide eine Premiere.

Solja verpasste es, die jüngste Deutsche Meisterin seit Nicole Struse zu werden. Die frühere Kroppacherin war 1987 in Berlin auch 15 Jahre alt, aber gut zwei Monate jünger. Silbereisen kommt also mit der Empfehlung des ersten Einzel-Titels zum FSV. "Ich freue mich darauf. Wir werden eine sehr starke Mannschaft haben."

"Jetzt kämpfe ich noch mal und gebe alles", kündigte Wu nach ihrem Einzel-Aus fürs Doppel an, wo ebenfalls die Jugend für Furore gesorgt hatte. Sabine Winter von Zweitliga-Spitzenreiter TSV Schwabhausen und Kathrin Mühlbach, die im Essener Erstliga-Team nur Ersatz ist, hatten in der Vorschlussrunde überraschend die Titelverteidigerinnen und EM-Dritten Silbereisen/Zhenqi Barthel (Essen) ausgeschaltet. Wu/Schall hatten beim 4:1 gegen Jessica Göbel und Laura Robertson vom TV Busenbach keine Probleme.

Die Jungen sind nervenstark

Die 17- und die 18-Jährige spielten auch im Endspiel groß auf, doch als Wu/Schall den fünften Satz nach Abwehr zahlreicher Satzbälle noch mit 17:15 gewonnen hatten, glaubte auch Schall, dass die Nachwuchsspielerinnen nun einbrechen würden. "Respekt davor, dass das nicht passiert ist", sagte Schall, die mit Wu zunächst den Satzausgleich hinnehmen musste und beim 3:11 im entscheidenden siebten Durchgang deklassiert wurde.

"Die beiden haben sicher über ihren Verhältnissen gespielt", sagte die Kroppacherin und Schall verriet, "dass wir noch kürzlich im Training dreimal 11:3 gegen sie gewonnen haben. Diesmal haben wir viel schlechter und sie viel besser gespielt."

   René Adler


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Im Doppel-Finale mussten sich die Routiniers Elke Schall (links) und "Dudu" Jiaduo Wu (rechts) völlig überraschend den beiden Nachwuchsspielerinnen Sabine Winter und Kathrin Mühlbach mit 3:4 Sätzen geschlagen geben.  Fotos: Tom Neumann
 

Westerwälder Zeitung vom Montag, 8. März 2010, Seite 15.