Arbeitssieg für den Deutschen Meister FSV PDF Drucken E-Mail
MTV Tostedt - FSV Kroppach: 1:3    

   

Tostedt. Der MTV Tostedt bestätigte seine Gefährlichkeit gegenüber dem Deutschen Meister FSV Kroppach mit einer sehr, sehr guten Vorstellung. Gleich zweimal hatten die Nordlichter im fünften Satz das Nachsehen. 167:170 Bälle lassen Schlüsse auf den wahren Spielverlauf zu. „Eine scheinbar klare Niederlage lässt in der Tiefe den Schluss zu, das wir wohl nur ein bis zwei Bälle schlechter waren“, analysierte MTV-Manager Friedel Laudon. Nur eine Nuance brachte den Gästen also den erwarteten Erfolg, und die Spielerinnen setzten sich letztendlich über den nervlichen Druck hinweg.

 

Mit jeweils zwei total verschiedenen Gesichtern präsentierten sich Han Ying und Jia Jun im ersten Einzel. Die Kroppacherin überrollte Han Ying mit einem 11:5 und 5:1. Han Ying fand mit zunehmender Spieldauer immer mehr Sicherheit und drehte im zweiten Satz den Spieß zum 6:5 erst einmal um. Sie führte auch 10:9, doch mit einem 12:10 zog Jia Jun den Kopf zum 2:0 aus der Schlinge. Ein 5:2 für die FSV-Spielerin im nächsten Durchgang deutete an, dass sie die Botschaft von Han Ying verstanden hatte, die keinen Satz verloren gibt, und sei der Rückstand auch noch so groß. Der erste Matchball beim 10:9 ging auf das Konto von Jia Jun, die sich diesmal zum 10:12 einen unnötigen Satzverlust leistete. Danach ging es mit ihr steil bergab. Han Ying verspürte kaum noch Gegenwehr und beim 11:2, 11:6 war sie es, die sich deutliche Führungen in den Sätzen erspielte. Mit einer brillanten Leistung wiederholte die Tostedterin ihren Erfolg der Hinrunde.

 

Mit einem 11:8 begann auch Irene Ivancan gut gegen Wu Jiaduo, und das mehr als deutliche 3:0 gegen die Europameisterin im Hinspiel stärkte ihr den Rücken.  Aber „Dudu“ rehabilitierte sich mit einem 11:7, 11:9 und 11:9. Im zweiten Satz holte Ivancan nach einem 7:10 zum 9:10 auf, und im dritten Satz lag sie sogar noch 9:8 vorn, so dass sie sich die Beurteilung einer gleichwertigen Gegnerin verdiente.

 

Verpasste Nadine Bollmeier nach einem 11:6 gegen Krisztina Toth im zweiten Satz zum 4:9 den Anschluss, so dass die Ungarin mit einem 11:8 ausglich, kam Bollmeier im dritten Abschnitt zu einem 5:3 und 9:5 gegen die Linkshänderin. Ein glattes 11:5 bescherte ihr das 2:1 und die Spannung stieg. Ein 0:3-Start in den vierten Satz veranlasste Toth zu einer Auszeit. Bis zum 6:2 spielte Bollmeier wie in einem Rausch, beim 6:4 nahm sie ein Time-out. Der schöne Vorsprung schmolz zum 6:6 dahin. Von einem 6:8 erholte sich die Tostedterin zum 8:8, aber mit einem 11:8 untermauerte Toth, wie wertvoll sie für ihr Team ist. Bollmeier versank keinesfalls in ein Loch und visierte nach einem 5:3 und 6:4 erneut einen Sieg an. Toth zeigte sich nervenstark und machte aus einem 6:8 ein 10:8. Gleich ihren ersten Matchball nutzte sie zum 11:8 und wichtigen 2:1-Führung zu Gunsten des Herbstmeisters. „Krisztina hatte zeitweise nicht den Hauch einer Chance, aber Nadine bekam wohl Angst vor dem Gewinnen und brach völlig ein. Eine Sensation, die schon so dicht vor Augen liegt, und noch so endet ist schon sehr ärgerlich. Aber natürlich verspielt Nadine eine glasklare Führung nicht mit Absicht. Sie wollte nach dem Spiel die Tische mit abbauen, um sich noch nicht mit dieser Niederlage auseinander setzten zu müssen“, meinte Laudon.

 

Han Ying brachte schließlich Wu Jiaduo ins Schwitzen, denn die Europameisterin siegte erst im fünften Satz. Nach einem 5:11, 11:7, 6:11, 11:1 und 11:6 kam der erlösende Beifall der Betreuer und Mannschaftskameradinnen. „Han Ying hat so gut wie noch nie gegen Dudu gewonnen, aber fast immer den ersten Satz. Wu Jiaduo verfügt über eine hochintelligente Spielart. Anfangs muss sie sich wohl erst wieder mit den Schnittvarianten vertraut machen. Sie merkt was sie verkehrt gemacht hat und spielt zunehmend fehlerfrei“, kommentierte der MTV-Manager. Auch wenn die Niederlage letztendlich etwas enttäuschend sei, könne die Mannschaft erhobenen Hauptes die Halle verlassen, und die Zuschauer hätten ebenfalls abschließend fiel Applaus gespendet.

 

„Wir sind froh, dass wir gewonnen haben. Uns ist zum Hinspiel aber eine Steigerung gelungen. Auch auf das Doppel hatten wir uns vorbereitet. Krisztina und Jia Jun hatten zusammen trainiert“, sagte FSV-Teammanager Dennis Leicher. Ein dickes Ausrufezeichen setze er hinter die Leistung von Dudu. „Sie war mit absolut geistiger Frische dabei. Hut ab, das war europäische Spitze“, berichtete Leicher. Krisztina habe quasi schon verloren gehabt, aber in dem Bewusstsein noch nie gegen sie gewonnen zu haben, fing Nadine an zu zittern. Da ist ein Schalter umgeflogen, während Krisztina unbedingt gewinnen wollte. Die taktische Änderung setzte sie in der entscheidenden Phase hundertprozentig um“, lobte der Teambetreuer. Mit Unverständnis reagierte Leicher auf die Niederlage von Jia Jun: „Ich weiß nicht, was da passiert ist. Eine echte Spitzenspielerin lässt sich dieses Einzel nicht mehr klauen.“

 

Eine Bitte an den DTTB nach Frankfurt war Leicher noch wichtig: „Die Schiedsrichter sollten von ihrer Aufgabe das Coaching zu kontrollieren und gegebenenfalls zu ahnden entbunden werden. Sie sind nur damit beschäftigt das Spiel am Rande zu beobachten. Eine gerechte Bewertung für beide Seite ist kaum möglich.“

 

 

 

Martina Emmert (www.tischtennis.de)