Marathonspiel bringt sensationellen Sieg für den TV Busenbach PDF Drucken E-Mail
FSV Kroppach – TV Busenbach: 2:3
 
 
Kroppach. Bislang verstand der TV Busenbach den Ball gekonnt flach zu halten, sprach das Management vor den bisherigen Spielen doch stets von einer Außenseiterrolle. Doch spätestens nach dem Coup beim Titelverteidiger FSV Kroppach steht der Vizemeister der Saison 2008/2009 mit nunmehr 6:0 Punkten im Fokus. Der TV verfügt als einziges Team noch über eine weiße Weste.
 
Die Konkurrenz wird die Niederlage des amtierenden Deutschen Meisters mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen haben, denn die Souveränität des FSV ist ihnen schon lange ein Dorn im Auge. „Nach diesem Spiel steht fest, dass die Meisterschaft bis zum Ende offen sein wird“, ist nun auch Dennis Leicher, Teambetreuer in Kroppach, überzeugt.
 
Laura Robertson vom TV Busenbach sorgte mit einer verblüffenden Leistung dafür, dass eine gelungene Premiere von Jia Jun auf Seiten des FSV Kroppach ins Wasser fiel. Von Beginn an ließ Robertson wenig Respekt erkennen und holte sich mit einem 11:8 den ersten Satz. Der Eindruck, dass die Chinesin langsam auftaute, verstärkte sich mit einem 11:4 und 11:8. Den besseren Start in Durchgang vier erwischte Robertson mit einem 4:0, die sich auch von einem 5:4 nicht entnerven ließ. Mit 11:5 schaffte sie den 2:2-Ausgleich. Bereits beim 0:2 im Entscheidungssatz nahm Jia Jun ein Time-out, und bis zum 6:6 blieb das Spiel offen. Danach zeichnete sich die 25-jährige Deutsche mit exzellenten Bällen aus und siegte mit einem 11:6. Damit war die Überraschung perfekt, denn die Gäste gingen mit 1:0 in Führung. „Laura hat schon die Weiche gestellt. Ihr Sieg war richtungsweisend, denn damit hatten wir nicht gerechnet“, erklärte SV-Sprecher Hans-Jürgen Junker.
 
„Jia Jun war sehr nervös, sicher auch übermotiviert, weil sie viel zeigen wollte“, sagte Leicher.
 
Nicht weniger Spannung bot das Duell der beiden Nationalspielerinnen Wu Jiaduo gegen Kristin Silbereisen. Ließ Silbereisen im ersten Satz beim 11:10 einen Satzball ungenutzt und verlor 11:13, erwies sie sich danach mit einem 11:8 erfolgreich. Durchgang drei verlief identisch zum Auftakt, denn die Busenbacherin hatte kontinuierlich die Nase vorn, erspielte sich zum 11:10 einen Satzball. Erneut verhinderte Dudu ihren Rückstand mit einem haudünnen 13:11. Doch noch immer hatte die Europameisterin ihre Kontrahentin nicht zermürbt, denn Silbereisen konterte mit einem 7:2, 9:4, 10:6 und 11:6. Beide Spielerinnen krönten ihre erstklassige Vorstellung mit einem heiß umkämpften fünften Satz. Einem 6:4 für Wu Jiaduo folgte 6:7 und 8:10 aus ihrer Sicht. Diese ersten beiden Matchbälle konnte Silbereisen immer noch nicht zu ihrem Vorteil nutzen, und auch beim 11:10 bekam sie scheinbar Angst vor dem Gewinnen. Ihr wollte das 2:0 zur Pause einfach nicht glücken. Wu Jiaduo vereitelte mit einem 13:11 den spektakulären Auftritt der Gäste und bewahrte den amtierenden Deutschen Meister vor einem Schock.  „Dudu kann ich überhaupt keinen Vorwurf an unserer späteren Niederlage machen, denn sie war nach ihrem Bundeswehrlehrgang „platt“. Dafür hat sie noch alles gegeben“, meinte der FSV-Teambetreuer.  
 
Keiner leichten Aufgabe blickte Krisztina Toth entgegen, denn die Gäste hatten Shan Xiao Na auf Position drei gestellt. Die Ungarin eröffnete mit einem 11:7 gut. Dabei blieb es, denn Shan kam stärker auf und nach einem 12:10, 11:6 und 11:8 war die Führung der Busenbacherinnen dann doch fällig. „Die Chancen von Krisztina gegen Shan stehen bei 30:70, so dass dieses Ergebnis nicht ganz unerwartet kam“, sagte Leicher.
 
Die Dramatik spitzte sich zu, als Silbereisen gegen Jia Jun nach einem 6:11 mit einem 11:9, nach 8:9-Rückstand, den Satzausgleich erkämpfte. Zum Pechvogel der Partie avancierte Silbereisen danach, denn ein 11:6 und diverse Matchbälle im vierten Satz brachte sie wiederum nicht über die Runden. Mit einem 12:10 und 11:7 zog Jia Jun den Kopf noch aus der Schlinge, während sich Silbereisen bereits die zweite dicke Möglichkeit durch die Lappen gehen ließ, dem Titelverteidiger eine empfindliche Niederlage beizubringen. „Nach dem vierten Satz war die Moral bei Kristin gebrochen, aber sie hat heute wohl das Tischtennis ihres Lebens gespielt“, berichtete Leicher.
 
„Kristin nahm zu einer falschen Zeit ein Time-out und spielte nicht konsequent durch“, hatte Junker beobachtet.
 
Das abschließende Doppel musste nun schon zum achten Mal in dieser Saison die Entscheidung bringen. Wu und Toth traten gegen Shan sowie Jessica Göbel an, und Letztere bekamen beim 3:11 erst einmal gar kein Bein an die Erde. Doch schon im zweiten Durchgang wendete sich das Blatt zum 5:2, 8:4 und 11:7. Ausgeglichen verlief der dritte Satz, den sich das FSV-Duo schließlich mit 11:8 sicherte. 6:6 lautete der Zwischenstand im vierten Abschnitt, 7:9 und 8:10 aus Sicht von Toth/Wu 9:10, 9:11. Der fünfte Satz entwickelte sich zu einem reinen Nervenkrieg, in dem die Busenbacherinnen auch bei einem 7:8 nicht locker ließen und noch 11:8 triumphierten. Danach kannte der Jubel keine Grenzen, und auch Silbereisen zeigte sich erleichtert, dass ihre beiden Misserfolge nicht gravierender zu Buche schlugen. „Jessica wird zum richtigen Joker im Doppel. Obwohl sie einen schweren Stand hat, da sie kalt an den Tisch geht, hat sie ihre Qualitäten erneut bestätigt“, freute sich ihr Lebensgefährte Junker. Alle seien überglücklich, denn dieser Sieg habe die kühnsten Erwartungen gesprengt.
 
„Dudu und Krisztina haben weit hinter ihren Möglichkeiten gespielt. Wir hätten daraus mehr machen müssen, aber unsere Gäste haben sich super präsentiert“, meinte FSV-Manager Horst Schüchen.
 
„Zu Beginn dachte ich, dass wir sogar auf ein 0:3 hinsteuern, es lief von Anfang an nicht. Busenbach präsentierte sich in starker Form und hat verdient gewonnen. Die Saison ist jedoch noch jung, nur die Meisterschaft zählt“, sagte Leicher.

Martina Emmert (www.tischtennis.de)