Noch keine Zeit für den Pokal: Der Tag nach dem EM-Triumph PDF Drucken E-Mail
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Düsseldorf/Stuttgart.
Der Siegerpokal steht auf dem Wohnzimmertisch ihrer Düsseldorfer Wohnung. Die Goldmedaille hat sie daran befestigt. „Ich hatte noch keine Zeit, einen Ehrenplatz für beides zu suchen, aber das mache ich noch. Ganz sicher“, verspricht Wu Jiaduo. Die 32-jährige Kroppacherin, die am Sonntag Europameisterin im Damen-Einzel wurde, ist seit Montagabend wieder zu Hause in Düsseldorf. Und irgendwo dort hat sie bestimmt auch noch ihre Rückennummer. Denn die hat sie schon in Stuttgart nicht aus der Hand geben wollen. Am Freitag sollten eigentlich die Startnummern aller Spieler erneuert werden, denn an den ersten fünf Wettkampftagen mit drei Wettbewerben hatte die Optik teilweise stark gelitten. Doch Wu Jiaduo wollte davon nichts wissen. „Das ist meine Glücksnummer. Die gebe ich bestimmt nicht her“, sagte Wu, die – analog zu ihrer Setzposition – bei ihren Auftritten in der Porsche-Arena die Nummer sechs trug.
 
Von diesem kleinen Aberglauben abgesehen, steht Wu Jiaduo mit beiden Beinen Leben – auch nach dem größten Erfolg in ihrer bisherigen Karriere. „Ich freue mich natürlich immer noch riesig, aber der Titel ist jetzt schon Geschichte. Ich muss mich auf die nächsten Aufgaben konzentrieren“, sagt Wu, die schon jetzt an die nächste Verpflichtung denkt: Am Freitag tritt sie mit dem FSV Kroppach am zweiten Bundesliga-Spieltag gegen 3B Berlin an. Diese Bodenhaftung hat Deutschlands Nummer eins unter anderem von ihren Eltern. Diese hatte sie nach ihrem Sieg zu nachtschlafender Zeit in China angerufen. Mehr als ein zwei-, dreiminütiges Telefonat war bisher noch nicht möglich. Schon in diesem sagte ihr Vater: „Du musst jetzt weiterhin alles geben, immer 100 Prozent kämpfen. Schließlich bis du Profisportlerin. Auf dem Titelgewinn darfst du dich nicht ausruhen.“

Müdigkeit und Muskelkater

Heute Nachmittag stehen deshalb laufen, Kraft- und Stabilisationstraining in Eigenregie auf dem Programm. Am Abend geht es in die Sauna. „Müde bin ich natürlich immer noch“, gibt Wu zu. „Und Muskelkater im Rücken habe ich noch von dem Spiel gegen Viktoria Pavlovich. Das ist der normale Schmerz, wenn ich gegen Abwehr gespielt habe.“ Ab morgen steht sie dann für ein erstes Training am Tisch. „Da mache ich dann die gleichen Übungen mit der gleichen Intensität wie vor dem Gewinn der Goldmedaille“, weiß Wu.

Den Sonntagabend und Montag hat sie mit Freunden in Stuttgart verbracht. Nach einem Auftritt in der SWR-Fernsehsendung „Sport im Dritten“ feierte sie unter anderem mit der Böblinger Bundesligaspielerin Yang-Xu Janhua, mit der sie zusammen in Kroppach in einer Mannschaft gespielt hatte, in einem chinesischen Restaurant. Zwischendurch war ihr Handy dauerbesetzt. Zahlreiche Freunde, Teamkollegen, Trainer und Funktionäre aus Kroppach riefen an oder schickten Glückwunsch-SMS. Auch die Bundeswehr gratulierte ihrer Sportsoldatin Wu. „Es war einfach unglaublich. Ich weiß schon gar nicht mehr, wer der erste war. Jedenfalls haben sich alle sehr für mich gefreut“, erzählt „Dudu“. Um kurz vor drei in der Nacht war Wu Jiaduo dann im Bett. Die Anstrengungen des Tages forderten ihren Tribut. Der Montag begann mit ausschlafen bis halb zwölf und einem ausgiebigen Brunch. Am späten Nachmittag fuhr sie zurück nach Düsseldorf.

SH/MO
Fotos: M.S./MO
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