EM- Goldmedaille geht in den Westerwald PDF Drucken E-Mail
Jiaduo Wu vom FSV Kroppach gewinnt überraschend den Einzelwettbewerb in Stuttgart - Boll/Süß holen Titel im Männer-Doppel

Aus dem Titel-Hattrick für Timo Boll wurde nichts bei der Tischtennis-EM. Dafür sorgte eine Spielerin aus dem Westerwald für eine goldene Überraschung in Stuttgart.

STUTTGART. Jiaduo Wu vom Westerwälder Klub FSV Kroppach ist für den entthronten Titelverteidiger Timo Boll in die Bresche gesprungen. Zum Abschluss der schwarz-rot-goldenen EM in Stuttgart steuerte die 32-jährige Angriffsspielerin den dritten EM-Titel für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) bei.

Den hatten sich die 6000 Fans in der Porsche-Arena eigentlich von Boll erhofft. Doch dem zehnfachen Europameister, der zuvor in Stuttgart Gold mit dem Team und im Doppel mit Christian Süß geholt hatte, misslang der Titel-Hattrick. Der Weltranglisten-Dritte scheiterte im Halbfinale am Dänen Michael Maze, war aber auch mit Bronze zufrieden.

"Schade, es hat nicht ganz gereicht. Die Gesundheit hat aber gehalten. Das war für mich die wichtigste Erkenntnis des Turniers", sagte Boll. Der 28-Jährige geriet gegen Maze schnell mit 0:3 in Rückstand, wurde vom Publikum zum 3:3 gepeitscht, unterlag aber im siebten Durchgang mit 5:11.

Dennoch hatte Boll den größten Anteil an den insgesamt fünf DTTB-Medaillen. "Wir standen in fünf der sechs Disziplinen auf dem Podest. Damit waren wir die stärkste Nation und haben vor eigenem Publikum unsere Stärke demonstriert", bilanzierte DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig. Neben Wu, die einen Tag nach ihrem 32. Geburtstag das Frauen-Finale klar mit 4:0-Sätzen gegen die 18-jährige Margarita Pezotska aus der Ukraine gewann, trug auch der dritte Platz des Frauen-Doppels Zhenqi Barthel/Kristin Silbereisen (Holsterhausen/Busenbach) zur guten Bilanz bei.

"Ich fühle mich wie in einem Traum", jubelte Wu. Die gebürtige Chinesin, die seit 2005 deutsche Staatsbürgerin ist, wurde von DTTB-Präsident Thomas Weikert auf den Händen getragen. Die Zuschauer hatten die Angriffsspielerin, die sich nach jeder Partie bei den Fans bedankte, vom ersten Tag an in ihr Herz geschlossen. "Ihr seid das beste Publikum Europas", lobte Schimmelpfennig die Unterstützung in der Schwabenmetropole, die sich 17 Jahre nach dem EM-Sieg von Jörg Roßkopf erneut als gutes Pflaster erwies.

Tags zuvor hatte das Parade-Duo Boll/Süß mit einer starken kämpferischen Leistung den Titel-Hattrick im Doppel perfekt gemacht. Beim 4:2 gegen Wang Zheng Yi/Lucjan Blaszczyk (Polen) hechtete Boll wie einst Boris Becker. "Ich habe Timo selten so häufig auf dem Boden gesehen", sagte Männer-Bundestrainer Richard Prause.

 

Westerwälder Zeitung vom Montag, 21. September 2009, Seite 23