Aus im Viertelfinale: Medaillenträume zerplatzen gegen Polen PDF Drucken E-Mail

Stuttgart. Der Traum von einer Medaille bei den LIEBHERR Europameisterschaften in Stuttgart ist für die DTTB-Damen leider geplatzt. Im Viertelfinale unterlagen Wu Jiaduo, Zhenqi Barthel und Kristin Silbereisen den favorisierten Polinnen mit 1:3. Ab 16 Uhr geht es für das Team jetzt noch um die Plätze fünf bis acht. Im vergangenen Jahr hatte die Mannschaft von Bundestrainer Jörg Bitzigeio bei den Europameisterschaften in St.Petersburg den zehnten Platz belegt.

Enttäuschung im deutschen Lager

Enttäuschte und traurige Spielerinnen mussten nach ihrer unglücklichen 1:3 Viertelfinal-Niederlage gegen Polen den Journalisten Rede und Antwort stehen. „Alle waren hochmotiviert, doch vielleicht war gerade ich heute etwas übermotiviert“, so erklärte Zhenqi Barthel ihre 0:3-Niederlage gegen Polens Nummer 3. „Ich habe noch nie gegen sie verloren, aber heute hat sie eine andere Taktik mit mehr Topspin gespielt und mich dadurch immer nach hinten gedrängt. Es gelang mir überhaupt nicht, nahe genug am Tisch die Bälle zu nehmen“, so Barthel weiter. Doch der sicher geglaubte Punkt von Barthel war sicherlich nicht alleine der Knackpunkt für die knappe Niederlage. Auch Kristin Silbereisen war nach ihrem tollen Spiel gegen die Abwehrkünstlerin Li Qian aus Polen sehr enttäuscht, „Deutschland nicht mit einer 1:0-Führung ins Rennen geschickt zu haben.“ Aber insgesamt hat sich die Damen-Mannschaft hier in Abwesenheit der Nationalspielerin Elke Schall gut verkauft und auch gegen Polen, welches sicherlich zu den Mitfavoritinnen zählt, ein beachtliches kämpferisches Match gezeigt. Immerhin konnte bereits jetzt der zehnte Platz vom letzten Jahr verbessert werden.

Silbereisen unterliegt zu Beginn knapp gegen Abwehr

Im ersten Spiel sollte Kristin Silbereisen versuchen, die favorisierte Defensivkünstlerin Li Qian mit druckvollen Topspins zu attackieren. Im ersten Satz jedoch war der Rhythmus gegen die Abwehrspielerin zu gleichmäßig. Die Chinesin mit dem polnischen Pass hingegen fand sofort zu ihrem Spiel, konnte mit überraschenden Angriffsbällen überzeugen und den ersten Satz 11:5 für sich verbuchen. Im zweiten Satz aber kam Silbereisen besser ins Spiel, konnte den Schnitt der Gegnerin besser „lesen“. Mit schnellen Topspinbällen konnte sie Qian immer mehr unter Druck setzen, was ihr nach einem Aufschlagfehler der Polin mit 13:11 den Satzausgleich brachte. Silbereisens weiterhin variables Spiel führte im dritten Satz bei einem Stand von 7:6 dazu, dass der polnische Coach ein Time-out nahm. Doch die deutsche Nationalspielerin ließ sich davon nicht beeindrucken und gewann den Satz 11:8. Im vierten Satz kam die Polin zurück ins Spiel, nachdem sie schnell 6:1 in Führung gehen konnte. Silbereisen machte nun mehr Fehler beim Eröffnungsball und Schuss. Der Satz ging 4:11 verloren. Im fünften Satz verlor Silbereisen komplett den Faden und schien zu ungeduldig mit überhasteten Angriffsbällen, was zu einem schnellen 0:6 Rückstand führte. Schließlich verlor Silbereisen den Entscheidungssatz mit 4:11.

Deutschlands Wu schlägt Polens Xu

Unbeeindruckt vom 0:1 Rückstand ihrer Mannschaft begann Wu Jiaduo ihr Spiel konzentriert gegen die ebenfalls eingebürgerte Chinesin aus Polen, Xu Jie. Mit ihrem gewohnt sicheren Konter- und Blockspiel zwang sie die Gegnerin immer wieder in die Defensive und konnte so punkten. Der erste Satz ging daher relativ klar 11:6 an die Deutsche. Auch im zweiten Satz stand Wu „wie eine Wand“ an der Platte und verteilte die Bälle, vor allem mit ihrer Rückhand, wie es ihr gefiel. Der polnische Coach nahm daher bei 3:6 ein Time-out, aber auch dadurch gelang der Gegnerin nicht der Satzausgleich und endete wieder 11:6. Die Demonstration ihrer Stärke sollte die Nummer 2 der Polinnen auch im dritten Satz zu spüren bekommen, schnell ging Wu mit 5:1 in Führung. Wu war hier wieder in allen Belangen überlegen, nahm alle Bälle sehr früh am Tisch und konnte daher die Gegnerin immer wieder in arge Bedrängnis bringen. Daher ging auch der dritte Satz 11:5 an die Nummer 1 der Deutschen Damen-Mannschaft. Ein eindrucksvoller Sieg von Wu mit 3:0 brachte also den Spielausgleich zum 1:1.

Barthel kämpft und verliert

Aufgrund der taktischen Aufstellung des deutschen Bundestrainers, Jörg Bitzigeio, kam es im dritten Spiel zu der Begegnung Zhenqi Barthel gegen Polens zweimalige Paralympics-Siegerin Natalia Partyka. Mit der Umstellung der Deutschen auf die Position 3 hoffte man, einen weiteren Punkt einfahren zu können, vor allem, da die Deutsche die vorherigen zwei Aufeinandertreffen gegen die Polin bei internationalen Turnieren gewann. Barthel ging dann auch im ersten Satz mit 6:3 in Führung. Doch die Deutsche hatte im Laufe des Satzes immer mehr Probleme mit den variablen Topspin-Bällen der Linkshänderin und verlor den Satz schließlich noch 8:11. Auch im zweiten Satz stand Barthel – gerade bei Blockbällen – etwas zu weit weg vom Tisch und traf daher die Bälle zu spät. Ihr sonst so druckvolles Spiel konnte sie daher nicht auf ihre Gegnerin ausüben und verlor nach einer 10:8-Führung den zweiten Satz 11:13. Auch der dritte Satz begann nicht sehr verheißungsvoll. Barthel versuchte nun zwar, mehr die Initiative mit ihrer Vorhandseite, auf der sie Noppen spielt, zu ergreifen, lag jedoch auch in diesem Satz 7:9 zurück. Mit Kampfgeist kam sie nochmals zu einem Satzpunkt bei 10:9, doch auch diesen konnte sie wieder nicht nutzen. Der „eingeplante“ Punkt für die Deutschen ging also mit 0:3 verloren.

Auch Wu unterliegt der Abwehrspielerin

Im vierten Spiel musste nun Wu versuchen, den 2:2 Spielausgleich zu schaffen. Schnell gelangte sie jedoch gegen die sehr sichere und flinke Abwehrspielerin im ersten Satz mit 4:10 ins Hintertreffen, bei 7:10 machte ein Netzroller den Satzgewinn für die Polin perfekt. Im zweiten Satz jedoch war die Deutsche geduldiger und suchte sich die Bälle zum Schießen besser aus. Bei 10:10 stand der Satz auf Messers Schneide und Wu musste auch diesen nach relativ leichten Eröffnungs-Fehlern 11:13 abgeben. Die Zuschauer in der mittlerweile gut gefüllten Porsche-Arena versuchten im dritten Satz bei einem 2:5-Rückstand nochmals, die deutsche Spielerin mit Anfeuerungsrufen und rhythmischem Klatschen nach vorne zu pushen, was dann tatsächlich zur 8:5 und 10:6-Führung führte. Eng wurde es wieder bei 10:9, doch dieses Mal konnte Wu den vierten Satzball nutzen. Das Spiel blieb weiterhin hochklassig, im vierten Satz musste der Bundestrainer dann aber bei 1:5 gegen seine Spielerin das Time-out nehmen. Die Vorhand-Schüsse von Wu fanden nicht mehr ihr Ziel und somit bedeutete der Satzverlust mit 7:11 Punkten auch gleichzeitig die Niederlage der Damen-Mannschaft mit 1:3.

Polens Trainer sah Favoritenrolle bei den Deutschen

„Ich glaube, das erste Spiel war entscheidend, die Deutschen waren sehr gut disponiert und auch favorisiert“, gab Polens Trainer Zbigniew Necek nach dem Spiel zu Kommentar. „Deshalb sind wir über den Erfolg überrascht und glücklich.“ Im Halbfinale, wo Polen heute Nachmittag ab 16 Uhr auf Kroatien trifft, sieht der polnische Coach die Chancen seiner Mannschaft 50:50. „Aber Tamara Boros spielt hier sehr stark, das wird schwer.“

Für das deutsche Team geht es am Nachmittag jetzt noch um die Plätze fünf bis acht. . Im vergangenen Jahr hatte die Mannschaft von Bundestrainer Jörg Bitzigeio bei den Europameisterschaften in St.Petersburg den zehnten Platz belegt.

Damen-Mannschaft, Viertelfinale
Deutschland - Polen 1:3
Kristin Silbereisen - Li Qian 2:3 (-5, 11, 8, -4, -4)
Wu Jiaduo - Xu Jie 3:0 (6, 6, 5)
Zhenqi Barthel - Natalia Partyka 0:3 (-8, -11, -10)
Wu Jiaduo - Li Qian 1:3 (-7, -11, 9, -7)

Niederlande - Weißrussland 3:0
Tschechien - Rumänien 3:0
Kroatien - Frankreich 3:1

Halbfinale, 16 Uhr
Niederlande - Tschechien
Polen - Kroatien

Platzierungsspiele 5-8, 16 Uhr
Deutschland - Frankreich
Weißrussland - Rumänien

Ingo Hodum/SH/MO (www.tischtennis.de)