Nach dem Edelmetall greifen PDF Drucken E-Mail
Die Teilnehmer aus Grenzau und Kroppach rechnen sich bei EM in Stuttgart einiges aus

"Dudu" Jiaduo Wu, Krisztina Toth und Lucjan Blaszczyk wollen in Stuttgart Edelmetall gewinnen. Und auch Grenzaus Senkrechtstarter Patrick Baum gibt sich vor der Tischtennis-Europameisterschaft im eigenen Land durchaus optimistisch, wenn er sagt: "Ich rechne mir schon etwas aus."

GRENZAU/KROPPACH. Nach dem erfolgreichen Saisonstart mit ihren Teams in Grenzau und Kroppach fühlen sich die Tischtennis-Profis der Westerwälder Bundesligisten gut für die Europameisterschaft gerüstet, die am morgigen Sonntag in Stuttgart mit dem Teamwettbewerb beginnt. Die größten Medaillenhoffnungen heißen Patrick Baum, Lucjan Blaszczyk, Jiaduo Wu und Krisztina Toth.

Nach glänzenden internationalen Ergebnissen und dem Sprung auf Platz 31 in der Weltrangliste strotzt Baum vor Selbstbewusstsein. Er und seine deutschen Teamkollegen sind Titelverteidiger und Topfavorit. Obwohl auf dem Kontinent mittlerweile die Nummer elf, kann sich der 22-Jährige aber nicht sicher sein, in der Mannschaft zum Einsatz zu kommen. Denn sie ist die stärkste, die Deutschland je hatte. Timo Boll (Europarangliste 1), Dimitrij Ovtcharov (4) und Christian Süß (10) sind noch besser platziert als Baum und bildeten bei den Olympischen Spielen in Peking das Silber-Team.

"Ich muss schon damit rechnen, dass die Drei zumindest die ersten Gruppenspiele bestreiten", sagt Baum, der im Grenzauer Trikot noch ungeschlagen ist. "Aber ich habe sicherlich größere Chancen zu spielen als im letzten Jahr". Zum Vergleich: Bei der EM 2008 in St. Petersburg war der Linkshänder noch die Nummer 126 der Welt. Mittlerweile ist er für Bundestrainer Richard Prause "eine echte Alternative" und könnte auch über Nacht zum Stammspieler werden.

Baum hofft auf Team-Einsatz

Auch weil hinter dem Gesundheitszustand von Superstar Timo Boll ein dickes Fragezeichen steht. "Beim letzten Lehrgang hat er regelmäßig trainiert", sagt Baum zwar, weiß aber auch, dass der Weltranglistendritte wegen seiner Rückenprobleme in den vergangenen drei Monaten nur einen Wettkampf bestritten hat. "Mit Timo sind wir Favorit, ohne ihn wäre es ein offenes Rennen", meint "Patti", der Österreich und Weißrussland für die stärksten Gegner hält. In der Vorrunde geht es am Sonntag gegen Frankreich und Dänemark sowie am Montag gegen Spanien. Die beiden Ersten erreichen das Viertelfinale.

Die Individualwettbewerbe (ab Donnerstag) werden erst am Montag ausgelost. Im Doppel bildet Baum mit Lars Hielscher (Bremen) eine gefährliche Paarung. Im Einzel kann er wegen seiner Setzposition frühestens im Achtelfinale auf einen der Favoriten treffen. "Erst einmal möchte ich die Setzung bestätigen", sagt er, lässt aber nach dem jüngsten Sieg über den weltbesten Abwehrspieler Joo Se Hyuk (Südkorea/Nr. 8 der Welt) durchblicken: "Ich rechne mir in Stuttgart schon etwas aus."

Spätestens seit der Absage von Elke Schall (Essen-Holsterhausen) gehört das verjüngte deutsche Frauen-Team mit Spitzenspielerin "Dudu" Jiaduo Wu (Kroppach) nicht zu den Top-Favoriten. Das Küken im Quintett ist die erst 15-jährige Schülerinnen-Europameisterin Petrissa Solja (Saarlouis-Fraulautern), außerdem wurden Zhenqi Barthel (Essen-Holsterhausen), Kristin Silbereisen (Busenbach) und Laura Matzke (Hannover) nominiert.

"Wir haben nicht so hohe Erwartungen", sagt Dudu angesichts der starken Gruppe mit Titelverteidiger Niederlande, Italien und der Türkei. Bundestrainer Jörg Bitzigeio sieht trotzdem Möglichkeiten, einen der ersten beiden Plätze zu erreichen. "Der Einzug ins Viertelfinale bleibt das Ziel", sagt der gebürtige Andernacher. "Zwischen Platz drei und zwölf ist alles möglich." Am Sonntag geht es gegen Holland und die Türkei. Im letzten Jahr hatte Deutschland - ebenfalls ohne Schall - knapp das Viertelfinale verpasst.

Im Kampf um Gold hält Bitzigeio eine Wiederauflage des Endspiels von St. Petersburg mit Kroppacher Beteiligung für wahrscheinlich: "Die Niederlande und Ungarn waren in den letzten Jahren die stabilsten Teams." Kroppachs Krisztina Toth ist mit ihrer ungarischen Mannschaft in der Gruppe mit Tschechien, Polen und Litauen favorisiert. Im Doppel möchte Europas Nummer drei mit ihrer Landsfrau Georgina Pota den Titel verteidigen, und auch im Einzel gehört Toth nach Bronze im Vorjahr erneut zum Favoritenkreis.

"Dudu" hofft aufs Einzel

Jiaduo Wu wäre im Doppel mit Schall eine heiße Medaillenkandidatin gewesen, nun richtet sie ihre Hoffnungen vor allem aufs Einzel. "Ich bin seit langem verletzungsfrei und fühle mich gut", sagt die Nummer sechs der Europarangliste. "Mein Ziel ist es, die Runde der besten Acht zu erreichen, aber natürlich hoffe ich mit der Unterstützung der Zuschauer auf eine Medaille." Ihr Finaleinzug bei den ähnlich stark besetzten German Open 2008 hat gezeigt, dass dies möglich ist.

Auch Lucjan Blaszczyk und Tomas Pavelka aus Grenzau spielen mit ihren Teams in der Championship Division, in der die Medaillen vergeben werden. Blaszczyk hat mit Polen die wohl stärkste Gruppe erwischt. Bei den Gegnern Österreich, Russland und Kroatien wäre der Sprung ins Viertelfinale eine Überraschung. Im Vergleich dazu scheint für Pavelkas Tschechen die Gruppe mit Belgien, Schweden und Ungarn eher lösbar.

In Stuttgart dabei sind auch Matiss Burgis (Lettland) und Gilles Michely (Luxemburg) aus der Grenzauer Reserve. Die größte Chance auf Edelmetall unter den ausländischen Spielern des TTC dürfte in den Individualbewerben aber wohl Blaszczyk im Doppel mit dem in China geborenen Polen Wang Zeng Yi haben. 2008 hatte "Luzek" Pech, als er sich wenige Tage vor EM-Beginn einen Muskelfaserriss im Schlagarm zuzog. Bei Europameisterschaften fehlt dem elffachen Medaillengewinner nur noch Edelmetall im Einzel: "Das wäre ein Traum."    René Adler

 

Westerwälder Zeitung vom Samstag, 12. September 2009, Seite 13