Der Deutsche Meister FSV Kroppach ist nicht mehr allein auf weiter Flur PDF Drucken E-Mail
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Frankfurt/Main.
Die Teams der 1. Bundesliga der Damen schicken sich an, dem FSV Kroppach auf dem Weg zur dritten Deutschen Meisterschaft in Folge so viele Steine wie möglich in den Weg zu legen. Personelle Veränderungen wurden hauptsächlich auf der Position drei vorgenommen, so dass die Mannschaften wesentlich ausgeglichener besetzt sind. Damit wurde auf das im vergangenen Jahr neu eingeführte Spielsystem reagiert. Teams, die ein großes Leistungsgefälle in der Mannschaft zu verzeichnen hatten, kamen auf keinen grünen Zweig. Das ist in diesem Jahr anders. So auch beim DJK TuS Essen-Holsterhausen zu, der mit Elke Schall eine starke Verbesserung erzielte, der TuS Bad Driburg verpflichtete die Kroatin Andrea Bakula, aber auch Mannschaften wie die SV Böblingen, die mit Nicole Struse aufrüstete, oder der TTSV Saarlouis-Fraulautern, der sich von der Ungarin Maria Fazekas Aufschwung verspricht, scharen sich um den Titelverteidiger. Nicht zu vergessen ist natürlich 3B Berlin Tischtennis. Der Vorjahresdritte geht unverändert ins Rennen und stellt hohe Ansprüche. Nicht ganz leicht einzuschätzen ist der amtierende Vizemeister, TV Busenbach. Mit Shan Xiao Na, einer exzellenten Nummer eins, und drei deutschen Spielerinnen wird sich das Team keine Chance entgehen lassen. Der MTV Tostedt vertraut den bewährten Kräften, der BFV Hassia Bingen erfährt dank Ding Yaping große Sicherheit und selbst Hannover 96, die sich mit einer komplett neuen Aufstellung präsentieren, blicken hoffnungsvoll in die Saison und wollen den Klassenerhalt.
  
FSV Kroppach:
 
Die Bäume sollen für den amtierenden Deutschen Meister FSV Kroppach in der Saison
2009/2010 erneut in den Himmel wachsen, denn Teambetreuer Denis Leicher lässt keine Zweifel am Ziel der Titelverteidigung aufkommen. „Die Spannung ist aber sicher mehr denn je gegeben. Holsterhausen und Böblingen sind stärker als vergangene Saison. Berlin ist für mich ein bisschen wie eine Überraschungstüte. Die Frage stellt sich, wie die Spielerinnen den Rückzug von Manager Christian Nohl verkraften? Saarlouis-Fraulautern, Busenbach und Tostedt sind wohl keine Titelkandidaten, aber immer für unerwartete Ergebnisse gut“, erklärt Leicher. Bingen sei in Bestbesetzung ebenfalls sehr gefährlich. „Andrea Bakula vom TuS Bad Driburg hat schon bei uns und auch in Langweid gespielt. Sie lebt von ihrem Aufschlag, aber den TuS und auch Hannover 96 sehe ich im unteren Tabellenbereich angesiedelt“, analysiert der Teambetreuer.
 
Mit den Spielerinnen Sun Bei Bei (Foto) und Jia Jun verpflichtete der Klub aus dem Westerwald zwei neue Asiatinnen. Sun Bei Bei kommt aus Singapur und ist die Nummer 32 der Weltrangliste. Ihr starker Auftritt bei den Korea Open, als sie auf dem Weg ins Halbfinale ihre Vorgängerin beim FSV, Wang Yue Gu, 4:0 abservierte, und im Viertelfinale auch die Nummer 13 der Weltrangliste Tie Yana aus Hongkong knapp besiegte, wird sie sogar noch weiter nach vorne bringen. Im Semifinale unterlag die 25-Jährige ihrer Landsfrau und topgesetzten Nummer sieben der Weltrangliste, Feng Tianwei, in sieben engen Sätzen. Sie wird die ersten Partien für Kroppach bestreiten, da Jia Jun noch nicht rechtzeitig zum Saisonstart eintrifft. Die Chinesin spielt im B-Kader der Nationalmannschaft und scheiterte erst kürzlich bei einem Vergleich gegen Liu Shiwen mit 3:4-Sätzen. Liu Shiwen wurde 2007/2008 mit dem FSV Deutscher Meister und hat sich inzwischen auf Weltranglistenposition vier vorgeschoben.
 
Mit Wu Jiaduo, der Nummer eins in Deutschland, der Ungarin und Linkshänderin Krisztina Toth, mit denen die Verträge verlängert wurden, ist Kroppach auf den weiteren Positionen sehr gut besetzt. „Dudu“ ist bereits bestens auf die Saison eingestellt, denn nach dem ETTU- EM-Vorbereitunslehrgang in China absolvierte die Nummer 25 der Weltrangliste die China und Korea Open. In Tianjin meisterte Wu in der zweiten Hauptrunde die Hürde Zhenqi Barthel (Holsterhausen) mit 4:2, ehe gegen die frühere Europameisterin Liu Jia mit 3:4 das Aus kam. In Seoul überraschte die Nummer eins des Ligakonkurrenten Hannover 96, Soek Ha Jung aus Korea, die Kroppacherin allerdings in der ersten Hauptrunde mit einem glatten 4:0.
Ergänzt wird die Mannschaft von Su Yan, die sich an ihrer ehemaligen Wirkungsstätte bestens auskennt und Shim Se Rom. „Die Koreanerin ist aber nur für Notfälle eingeplant, sie ist nicht vor Ort“, sagt Leicher. Der FSV habe in der kommenden Saison keine herausragende Nummer eins, dafür verspreche sich das Management vor allem einen intakten Teamgeist. In der Saison 2008/2009 sei dies nicht immer der Fall gewesen.
 
DJK TuS Essen-Holsterhausen:
 
Mit Elke Schall hat der DJK TuS Essen-Holsterhausen seine Wunschkandidatin für die Erweiterung des Kaders an Land gezogen. Die 36-Jährige Nationalspielerin verließ dafür nach vielen Jahren den TV Busenbach. Die amtierende Deutsche Meisterin nahm ebenfalls am Lehrgang in China teil. „Doch nun drückt uns der Schuh, denn Elke ist mit einer Verletzung zurückgekommen. Es handelt sich um die identische Geschichte wie in der vergangenen Saison, eine Entzündung im Fuß, entstanden durch hohe Belastung. Nach ihrer Rückkehr aus China hat sie sich gleich bei Sportmediziner Müller-Wohlfahrt vorgestellt“, berichtet DJK-Manager Hans-Willi Frohn.
 
Fraglich sei ihr Einsatz beim Freundschaftsspiel am 28. August gegen die Oberliga-Herren-Truppe der MTG Horst. „Dieses Vorbereitungsspiel hat schon Tradition. Nachdem die Herren vergangenes Jahr verloren haben, pochen sie diesmal auf Heimrecht. Der Verein verfügt über einen Fanklub und 100 Zuschauer kommen locker“, sagt Frohn. Doch nun sei eventuell Kathrin Mühlbach gefordert. Die Mädchen-Nationalspielerin werde auf jeden Fall auch während der Saison eingesetzt. Zum Auftaktmatch am 05. September, vor heimischer Kulisse gegen den TV Busenbach, ist Mühlbach allerdings schon wieder international in Portugal im Einsatz. „Sollte Elke bis zu diesem Termin noch nicht fit sein, muss dieses Spiel abgesetzt werden“, erklärt der Manager. Das würde natürlich alles andere als einen reibungslosen Auftakt bringen.
 
Durch die Verpflichtung von Schall, die zusammen mit der Japanerin Aya Umemura und Zhenqi Barthel antritt, wird dem Essener Klub eine Spitzenposition zugetraut.  „Bei Aya ist alles klar, sie trainiert auch beim TTC Langweid, und Zhenqi  ist in China und Korea am Ball gewesen, da läuft die Vorbereitung auf Hochtouren“, sagt Frohn. Insgesamt sehe er eine noch größere Leistungsdichte als 2008/2009. Spannung sei also wieder garantiert. Lediglich Hannover 96 und der TuS Bad Driburg seien wohl abstiegsgefährdet.
 
3B Berlin Tischtennis:
 
Nicht unbedingt eine Rarität, aber doch kommt es selten genug vor, dass sich eine Mannschaft von der einen zur anderen Saison überhaupt nicht verändert. 3B Berlin Tischtennis zeigt nun wie das geht, denn Song Ah Sim, Georgina Pota und Tanja Hain-Hofmann sowie Guo Pengpeng starten zudem einen neuen Angriff auf die Pool-Position. Auch die langjährige Trainerin Irina Palina meldet sich nach nur einem Jahr Pause in Berlin zurück. „Wenn wir nicht wieder so schlecht beginnen wie 2008/2009 und Gina ihr Potential abrufen kann, dann sehe ich gute Chancen für uns oben dabei zu sein“, sagt Tanja Hain-Hofmann zuversichtlich, die selbst schon sechs Jahre bei 3B aktiv ist.
 
Seit Jahren bestätigt auch die Nummer eins, Song Ah Sim, das sie zu den stärksten Spielerinnen der Liga zählt. „Song spricht zwar nicht so viel englisch, aber wir verstehen uns trotzdem alle gut“, berichtet Hain-Hofmann. Doch das allein wird in der kommenden Saison nicht ausreichen, denn auch Hain-Hofmann sieht den FSV Kroppach als Topkandidaten auf die Meisterschaft. „Außerdem sind auf Position drei alle stärker geworden. Holsterhausen verfügt durch Elke Schall jetzt auch über mehr Möglichkeiten im Doppel. Steht es 2:2 sind sie immer im Vorteil“, sagt die Berlinerin. Ihre Mannschaft sei soweit fit und seit Anfang dieser Woche schreite die gezielte Vorbereitung intensiv voran.
 
3B Berlin ist übrigens das einzige deutsche Damenteam, das noch an einem internationalen Wettbewerb teilnimmt. „Wir sind in der Champions-League in einer Dreiergruppe, und deshalb haben wir unser erstes Spiel erst am 3. Oktober in Italien bei Castel Goffredo“, informiert Hain-Hofmann.
 
SV Böblingen:
 
Begeisterung herrscht bei Frank Tartsch, Manager der SV Böblingen, wenn die Sprache auf Neuzugang Nicole Struse kommt. „Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, Nicole zu verpflichten. Die bisherigen Gespräche mit ihr waren überaus positiv. Sie bringt sich bereits in die Öffentlichkeitsarbeit mit ein, legt Ideen vor, wie wir unseren Zuschauerschnitt vielleicht noch verbessern können“, berichtet Tratsch. Auch sie freue sich sehr auf ihre neue Aufgabe, weil sie zuletzt in Kroppach nicht regelmäßig zum Einsatz gekommen sei. Im November läuft ihre Bundeswehrzeit in der Sportfördergruppe aus, und das Studium zur Kommunikationswirtin steht vor dem Abschluss. Die 38-jährige Rechtshänderin erreichte im Tischtennis nahezu alles, wovon ein junger Nachwuchsspieler heutzutage träumt. Deutsche Meistertitel sammelte Struse wie Briefmarken. Sie wurde Europameisterin im Einzel mit der Mannschaft und im Doppel. Sie nahm an Olympischen Spielen teil und gewann das Europe Top-12. Alle Erfolge der früheren Nationalspielerin an dieser Stelle zu nennen, würden den Rahmen sprengen. Mit Nicole Struse sollte es dem Stuttgarter Klub, der derzeit nur Augen für die Europameisterschaft vom 13. bis 20.9. hat, mehr als gelungen sein, adäquaten Ersatz für die Mie Skov gefunden zu haben. Die Dänin verließ den Verein nach einer zuletzt hervorragenden Saison.
 
Zusammen mit Spitzenspielerin Qianhong Gotsch, die auch mit 40 Jahren ihr Abwehrspiel noch perfekt beherrscht und zu den stärksten Spielerinnen der Liga zählt, sowie Yang-Xu Janhua kann sich der Klub aus Baden-Württemberg mit jedem Gegner der kommenden Saison messen. Ergänzt wird die Mannschaft von Fulya Özler, die vom Zweitligarückzieher TV Altdorf kam. Die 22-jährige Türkin soll nach Aussagen von Tartsch auf jeden Fall auch ihre Einsätze bekommen.
„Für mich bleibt Kroppach Meisterschaftsanwärter Nummer eins. Danach folgen im Dunstkreis drei bis vier gleichstarke Mannschaften. Bei dem Dreiersystem ist alles möglich. Es wird sicher wieder spannend“, ist der Manager überzeugt.
  
TV Busenbach:
 
Die Leistungen, die Shan Xia Na, Kristin Silbereisen und Laura Robertson beim TV Busenbach in der Saison 2008/2009 zeigten, lösten beim Management Zufriedenheit aus. Deshalb lag kein Anlass für einen Wechsel vor. „Wir haben mit Elke Schall zwar eine wichtige Spielerin verloren, aber der Rest der Mannschaft spielte so gute Bilanzen, dass wir auch in der bevorstehenden Serie darauf bauen“, sagt TV-Manager Jörg Peter. Mit Jessica Göbel sei zudem eine weitere deutsche Spielerin verpflichtet worden, die vom Typ hervorragend in das Team passe. „Mit Jessica haben wir sicher auch mal einen Trumpf in der Hinterhand, wenn es um Doppelvarianten geht. Allerdings ist es nicht ganz leicht einzuschätzen, in welcher Form sie sich befindet. Nach ihrem Auslandsaufenthalt in Frankreich bei Montpellier TT müssen wir abwarten wo sie steht“, meint Peter. Das erklärte Ziel des amtierenden Vizemeisters für 2009/2010 ist ein Platz von vier bis sechs in der Tabelle. „In der vorherigen Saison haben alle am oberen Limit gespielt, wir hatten nur ganz wenige Schwachpunkte. Das zu wiederholen wird eine Spur schwerer, weil die Liga so ausgeglichen ist. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn es am Ende nur für Rang sieben reicht“, verhält sich Peter vorsichtig.
 
Insgesamt sei die Konkurrenz stärker geworden, jeder könne jeden schlagen. „Das ist in der kommenden Saison ganz gravierend, denn zu Kroppach sind mit Böblingen und Essen-Holsterhausen neue Favoriten hinzugekommen. Die Platzierung von Berlin hängt maßgeblich davon ab, wie Georgina Pota in ihrem zweiten Jahr dort spielt. Diese Mannschaften sehe ich eher vor uns“, glaubt der Manager. Saarlouis-Fraulautern sei durch die neue Spielerin stärker einzuschätzen, und Bingen sei aufgrund hoher Motivation nach dem Aufstieg schwer auszurechnen. „Tostedt hat mit dieser Mannschaft in der zurückliegenden Saison lange auf dem zweiten Tabellenplatz gestanden und Bad Driburg legte ebenfalls an Qualität zu. Platz neun wird sehr umkämpft sein, Verletzungen oder freigestellte Spielerinnen kann sich kein Verein mehr leisten. Es wird einen Absteiger, neben Hannover 96 geben, der das noch gar nicht auf dem Plan hat. Ich erwarte Spannung in jedem Spiel“, ist sich Peter sicher.    
 
TTSV Saarlouis-Fraulautern:
 
Der TTSV Saarlouis-Fraulautern  verfügt mit der zweifachen Schülerinnen-Europameisterin Petrissa Solja weiterhin über das größte deutsche Nachwuchstalent in seinen Reihen. Die 15-Jährige zählt nach Vorbereitungslehrgängen der Damen-Nationalmannschaft in Düsseldorf und in China zu den Kandidatinnen für die EM-Nominierung in Stuttgart. Den geplanten Start bei den China Open musste sie allerdings wegen eines Magen-Darm-Infekts absagen. „Das war schade, Petrissa trainiert zwar schon wieder, ist aber immer noch in ärztlicher Behandlung. Sie hat sich selbst aus dem zwischenzeitlichen Tief, das sie in der vergangenen Saison hatte, herausgearbeitet. Petrissa wird sicher wieder stabiler spielen“, sagt TTSV-Manager Heinz Falk. Lediglich die Schule würde derzeit etwas zu kurz kommen. „Petrissa geht in die zehnte Klasse und soll unbedingt ihren Abschluss machen. Jede freie Minute wird genutzt, um auch diesen Ansprüchen zu genügen, aber das ist ein schmaler Grat“, erklärt Falk.
 
Bereits kräftig im Düsseldorfer Leistungszentrum am Trainieren ist die Nummer eins der Saarländer, Li Fen. Noch einmal angreifen möchte Amalie Solja, die in der vergangenen Saison in die Negativschlagzeilen gerutscht war. Die Vize-Weltmeisterin der Mädchen hatte ganze zwei Einzel gewonnen. „Amelie lebt Tischtennis und sie liebt den Wettkampf. Ein Jahr möchte sie auf jeden Fall noch Profi bleiben. Ihr Sieg bei den US Open in Las Vegas im U21-Wettbewerb gibt Anlass zur Hoffnung. In China wird sie für ihren eigenwilligen Spielstil bewundert, das sollte ihr wieder Selbstvertrauen geben“, sagt der Manager. Inzwischen habe die 18-Jährige auch ihren Führerschein gemacht.
Nicht nur zum Statistendasein verurteilt sei Neuzugang Maria Fazekas. Die 34-jährige ist amtierende ungarische Meisterin, hat noch nicht in Deutschland gespielt, ist aber kein unbeschriebenes Blatt mehr. „Sie ist Rechtshänderin und kommt vom erfolgreichsten, europäischen Klub, Statisztika Budapest“, berichtet Falk.
Eine Prognose für die Saison 2009/2010  abzugeben sei schwer, doch der Optimismus sei vorhanden, eine bessere Platzierung zu erreichen als zuletzt. „Außer gegen Bad Driburg haben wir gegen jede Mannschaft einmal gewonnen und einmal verloren. Ein schlechter Tag einer Spielerin oder Krankheit können sich bei der Ausgeglichenheit der Liga schnell durch ein Abrutschen in der Tabelle bemerkbar machen. Da gibt es eine Menge Unsicherheitsfaktoren“, sagt der Manager, der Kroppach, Essen-Holsterhausen, Berlin und Böblingen stark sieht, aber auch Busenbach nicht vergessen möchte.
 
MTV Tostedt:
 
Die Neuigkeiten vom MTV Tostedt sind begrenzt, denn mit Han Ying, Nadine Bollmeier und Irene Ivancan sowie den starken Reserve-Spielerinnen, Tatsiana Kostromina, Svenja Obst und Natalia Cigankova ergaben sich keinerlei personelle Veränderungen. Der MTV ist damit der zweite Verein der Liga, neben Berlin, die sich nicht auf dem Spielerinnenmarkt umschauten. „Mit dieser Mannschaft konnten wir in der Saison 2008/2009 sehr gut mithalten, so dass wir uns nun auch einen Platz im gesicherten Mittelfeld versprechen. Wenn wir an das Niveau anknüpfen können, sollte das kein Problem darstellen“, gibt sich MTV-Manager Friedel Laudon zuversichtlich.
 
Abwehrass und Nummer eins der Niedersachsen, Han Ying, die inzwischen auch ihren  Deutsch-Sprachtest bestanden hat, bereitet sich mit den Herren des ASV Grünwettersbach vor, die in die 2. Liga Süd aufgestiegen sind. Dort  spielt auch ihr Ehemann, der Deutsche Vizemeister Lei Yang. „Der Rest der Mannschaft bereitet sich in Tostedt vor. Konditionelle Übungen stehen mit auf dem Programm, aber auch der Spaß soll nicht zu kurz kommen. Ein Besuch in Hamburg auf dem Kiez gehört dazu“, verrät Laudon.
Meisterschaftsaspirant Kroppach werde von Berlin, Böblingen und Holsterhausen gejagt. Busenbach sei seiner Strategie, auf den Nachwuchs zu setzen, gnadenlos gefolgt, und Bingen habe mit Ding Yaping einen „Riesen“ an Land gezogen. „Zusammen mit Saarlouis-Fraulautern  ist dieses Mittelfeld immer für eine Überraschung gut, so dass wir vor einer interessanten Saison stehen“, sagt der Manager. Als schwächer stufte Laudon immer noch Bad Driburg und Hannover 96 ein.
 
TuS Bad Driburg:
 
Weil die Kaltenkirchener TS, Vizemeister der 2. Liga Nord, nicht von seinem Aufstiegsrecht Gebrauch machte, konnte der Tabellenneunte, TuS Bad Driburg, die Klasse retten. Der Chinesin Shi Qi und der Ungarin Li Bin schenkt der TuS weiterhin das Vertrauen. „Ich gehe davon aus, dass sich die Beiden noch verbessern können. Shi Qi ist auch schon da. Li Bin trainiert derzeit noch in Ungarn. Elena Waggermayer hat nach ihrer Babypause und der Geburt von Tochter Anna-Sophie das Training wieder aufgenommen“, sagt TuS-Manager Franz-Josef Lingens. Als Sparringspartner seien auch regelmäßig Ying-ni Zhan, die den Verein Richtung 2. Liga Nord zum Aufsteiger TSV 1990 Merseburg verlassen hat, vor Ort und ihr Freund Christoph Waltemode, langjähriger Zweitligaspieler der BV Borussia Dortmund.
Für Ying-ni Zhan, die den Anforderungen der 1. Liga mit nur einem Sieg nicht gerecht werden konnte, holte der TuS Andrea Bakula zur Verstärkung. „Andrea studiert in Zagreb, ist nach dem schweren Unfall von Sandra Paovic fest in der kroatischen Nationalmannschaft eingebunden und ist kompromisslose Angreiferin“, erklärt Lingens. Sie nahm bereits an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen teil, zweimal gewann die 28-Jährige EM-Silber mit der Mannschaft. In der Weltrangliste wird die Kroatin auf Position 122 geführt. „Wir haben damit eine bundesligataugliche Mannschaft, sind stärker als vergangene Saison. Unsere Gegner sind aber auch nicht schlechter geworden, so dass wir wieder im unteren Tabellenbereich spielen werden. Tostedt und Hannover 96 müssen wir versuchen hinter uns zu lassen“, blickt Lingens voraus. Aus finanziellen Gründen habe der TuS auch auf einen Start im ETTU-Cup verzichtet.
  
BFV Hassia Bingen:
 
Riesengroß war die Freude beim Mainzer Klub BFV Hassia Bingen, als nach einigen Vizemeisterschaften 2008/2009 nun endlich die Meisterschaft in der 2. Liga Süd mit 36:0 Punkten glückte. „Wir sind schon sehr gespannt, denn für uns ist in der 1. Liga alles neu, vor allem das Spielsystem. Das sind schon andere organisatorische Dimensionen. Nach zwölf Jahren 2. Liga hatten wir dort alles locker im Griff. Bis zu unserer ersten Partie haben wir noch fünf Wochen Zeit, die wir auch noch gut gebrauchen können. Wir spielen in Bingerbrück. In die Halle passen rund 300 Zuschauer, die wir ja auch schon bei unserem Meisterschaftsspiel gegen den TV Altdorf begrüßen konnten“, gibt BFV-Abteilungsleiter Joachim Lautebach Auskunft.
 
Alle Hebel wurden in Bewegung gesetzt und mit Ding Yaping von Hannover 96 konnte eine Top-Spielerin für die Spitzenposition gewonnen werden. Die 42-jährige Abwehrspezialistin, die auch schnell in den Angriff umschalten kann, ist routiniert und mit allen Wassern gewaschen. Ihre sympathische Art, ihr Kampfgeist und Siegeswille waren auch schon beim TTC Langweid hochgeschätzt, mit dem sie 2006/2007 Deutscher Meister wurde. In der vergangenen Saison erspielte sich Ding Yaping eine glänzende 21:8-Bilanz und hatte damit maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt der Roten aus Hannover. Dementsprechend respektvoll treten ihr die Konkurrentinnen entgegen. „Ding Yaping ist für uns ein Glücksgriff, denn wir wussten, dass wir eine starke Nummer eins benötigen, wenn wir den Klassenerhalt packen wollen. Wir haben sie bei der Aktion „Deutschland bewegt sich“ schon vorgestellt. Wir hatten hier letztes Jahr die Bundesgartenschau und dabei wurde das Rheinufer neu gestaltet. Wir hatten zehn Tische im Freien aufgebaut, und da konnten sich schon alle von der professionellen Art von Ding Yaping überzeugen. Auch Dana Hadacova war extra angereist“, sagt Lautebach.
 
Nur vier Einsätze hatte die Thailänderin Nanthana Komwong bei Hannover 96. Auch in Bingen ist ein Dauereinsatz nicht geplant. „Nanthana soll drei Spiele pro Halbserie dabei sein. Das wird in der Hinrunde im Oktober sein, wo sie dann auch in Düsseldorf im Leistungszentrum trainiert. In dieser Zeit haben wir unsere wichtigen Spiele“, erklärt der Abteilungsleiter.
 
 Kurz vor ihrem 26. Geburtstag steht die Bundesligadebütantin Dana Hadacova, die seit 2007 das Trikot des BFV trägt. Die tschechische Vizemeisterin 2009 nahm in diesem Jahr in Yokohama auch erstmalig an einer Weltmeisterschaft teil. In der Rangliste ist sie auf Position 149 mit Tendenz nach oben notiert. Ihre Bilanz, als Spitzenspielerin der 2. Liga – 28:2! „Dana trainierte  zwei Wochen in Prag, und war drei Wochen privat in China. Zuletzt hat sie in der Tschechischen Republik am EM-Vorbereitungslehrgang teilgenommen. Sie verfügt über eine gute Einstellung und träumt schon länger von der 1. Liga. Zusammen mit Yüchun Zimmermann spielte sie auch das beste Doppel in der 2. Liga 2008/2009“, berichtet Lautebach.
 
Zum festen Kreis des Bundesligakaders gehören auch Zhang Ying und Yüchun Zimmermann. Die Chinesin Zhang Ying ist aus Bingen nicht wegzudenken, denn die Abwehrspielerin ist im Verein schon seit 1996 aktiv. Die Block- und Konterspielerin Yüchun Zimmermann stärkt mit ihrer Erfahrung dem Team ebenfalls den Rücken. „Die Beiden sind voll mit eingeplant und übernehmen auch Funktionen als Betreuerinnen. Mit zwei Abwehrakteurinnen sind wir nicht so leicht ausrechenbar. Außerdem ist das Defensivspiel immer attraktiv für die Zuschauer“, glaubt Lautebach. Über die Konkurrenz wollte der Abteilungsleiter vorerst noch nichts sagen.
  
Hannover 96:
 
Eigentlich hat Hannover 96 keine Chance auf den Klassenerhalt, doch diese Chance will das niedersächsische Team nutzen. Mit Rosalia Stähr hat Hannover sogar eine waschechte Niedersächsin im Team. Sie spielte unter anderem schon einmal in Hannover, beim TSV Kirchrode, sowie in der Nachbarschaft beim SV Bolzum, zudem in der 2. Liga beim TuS Glane. Neben der knapp 19-Jährigen gehört mit Laura Matzke (20), die bei den Deutschen Meisterschaften 2009 Platz drei im Doppel belegte, eine weitere junge Spielerin zum Team, die vom TuS Essen-Holsterhausen kam. Sowohl Matzke als auch Stähr gehören zum erweiterten Nationalkader und sollen in Hannover die Chance bekommen, sich mit den Spitzenkräften der 1. Liga zu messen, um sich so weiter zu entwickeln. Mit Marta Golota (21) spielt eine junge Polin künftig in Hannover, die zuletzt in der 2. Liga beim DJK TuS Willich aktiv war.
 
Sind die drei genannten Spielerinnen bekannt, so sind die beiden Ausländerinnen in der Mannschaft hierzulande komplett unbeschriebene Blätter. Als Nummer eins hat Hannover die Koreanerin Seok Ha Jung gemeldet. Die 24-Jährige wäre eine sehr gute Nummer eins, wenn sie denn immer da wäre. Doch das ist nicht der Fall. Der neue Manager Gert Selig stellt fest: „Sie kann nur dann kommen, wenn wir für sie zusätzliche Gelder durch Sponsoren bekommen, um damit die Kosten für Flug, Spesen und Prämie zu bezahlen.“ Zudem sei an einen Start auch nur in ganz wenigen Spielen, wenn es gegen Mitbewerber im Kampf um den Klassenerhalt gehe, gedacht. Dass Seok Ha Jung dem Team im Kampf um den Klassenerhalt  helfen könnte, wurde zuletzt bei den Korea-Open deutlich: Dort schlug sie glatt in vier Sätzen Deutschlands Nummer eins Jiaduo Wu.
 
 Ständig mit dabei sein soll die junge Japanerin Misaki Morizono (17). Der Teenager lebt und trainiert dauerhaft in Düsseldorf, wo auch Matzke und Stähr überwiegend sein werden. „Morizono hat sich im Verlaufe der vergangenen Monate stark entwickelt und ist schon sehr, sehr gut“, sagt Selig. Er hoffe, dass die Asiatin ihre Leistungen auch in der Bundesliga abrufen könne.  „Wenn wir beide Spiele gegen Bad Driburg gewinnen, dann steigen wir auch nicht ab“, glaubt Selig. Er gehe davon aus, dass nur eine Mannschaft die Liga verlassen müsse. „Und das wollen nicht wir sein“, meint der neue Manager.
 
Wer die Spiele als verantwortlicher Trainer betreut, das steht noch nicht fest. „Die Frage ist noch nicht geklärt, zur Disposition stehen der bisherige Trainer Tobias Kirch und der ehemalige Kirchröder Trainer Alexander Voß“, sagt Selig. Fest steht hingegen, dass Hannover 96 gerne den Zuschauerschnitte nach oben verändern möchte. „Wir werden versuchen, mit unterschiedlichen Aktionen im Schnitt rund 100 Fans in die Halle zu bekommen“, sagt Selig. Einige Spiele würden deshalb auch ausgelagert. So die erste Partie, wenn am Freitag, 25. September, der SV Böblingen um 19 Uhr seine Visitenkarte abgibt.


Martina Emmert (www.tischtennis.de)
 
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 26. August 2009 um 19:14 Uhr