Kroppach ist Meister PDF Drucken E-Mail
DM-Titel mit Berliner Hilfe gesichert

Der FSV Kroppach ist zum dritten Mal Deutscher Meister der Tischtennis-Bundesliga der Frauen. Weil Yue Gu Wang, Krisztina Toth und "Dudu" Jiaduo Wu mit 3:1 gegen Böblingen siegten und Busenbach zeitgleich in Berlin mit 2:3 verlor, thront der FSV nun drei Partien vor Saisonschluss uneinholbar auf Rang eins.

FSV Kroppach - SV Böblingen     3:1

KROPPACH. Ein Entscheidungssatz auf absolutem Weltklasse-Niveau, Angriff gegen Abwehr, Kroppachs Yue Gu Wang gegen Böblingens Qianhong Gotsch, sollte bitteschön schon die finale Kür bilden. Die beiden besten Bundesliga-Spielerinnen fanden sich nur allzu offensichtlich in ihren prädestinierten Rollen wieder: Wang verteilte, zog, drosch auf die Zelluloidkugel ein. Gotsch hastete von der linken Umrandung der Box an ihre rechte Grenze, sprintete vor und zurück, wehrte selbst aussichtslose Bälle äußerst artistisch ab. Und führte plötzlich im fünften Satz mit 10:9. Wang reagierte, entschied den längsten und attraktivsten Ballwechsel des Nachmittages für sich, glich zum 10:10 aus und hatte circa zwei Minuten später ihr zweites Einzel gewonnen und Kroppach den dritten Punkt serviert. "Ich bin total glücklich, das war ein tolles Spiel und hat eine Menge Kraft gekostet. Zum Schluss habe ich gedacht, ich würde verlieren, habe dann aber noch mal alles versucht", sagte die Frau aus Singapur.

Zuvor - beim Spielstand von 1:1 - hatte "Dudu" Jiaduo Wu die ehemalige FSVlerin Janhua Yang Xu souverän, ruhig und abgeklärt bezwungen. "Sie war anfangs sehr aggressiv. Wichtig war, dass ich das Tempo gewechselt habe", erklärte "Dudu" und flüchtete schnell und sofort in der Kabine. Das Meisterschaftsfinale in Berlin wollte sie lieber nicht per Internet und Live-Ticker verfolgen.

Kroppach hatte jetzt zwar gewonnen, war aber noch nicht Deutscher Meister. Dazu musste Berlin erst noch Busenbach niederringen. Egal wie. Neben "Dudu" hatten sich auch Wang und Toth in die Umkleide verabschiedet - zu spannend, das Ganze. Teamchef Dennis Leicher, Vereinsobere und gespannte Zuschauer indes umzingelten einen kleinen Rechner, der sie 18 lange Minuten lang mit den neuesten Informationen vom 3:2-Sieg des Berliner Doppels Pota/Hain-Hoffmann gegen Busenbach versorgte.

Dann knallten die Sektkorken. Und da tauchten die drei Spielerinnen - Nicole Struse lag mit Magen-Darm-Problemen im Bett - auch wieder in der Halle auf. "Wie sieht's aus? Was, wir sind Meister?" Der Zustand von Outfit und Haaren ihres Teamchefs lieferte eine eindeutige Antwort.

   Jan Lindner

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Drei Spiele vor dem Saisonende hat der Kroppach seinen Meistertitel erfolgreich verteidigt, weshalb sich Wu Jiaduo, Krisztina Toth, Teamchef Dennis Leicher und Yue Gu Wang den Meistersekt schmecken ließen. Es fehlt die erkrankte Nicole Struse.  Foto: J. Vohl

Stimmen aus Kroppach

Teamchef Dennis Leicher: "Jeder Titel ist schön, diesen will ich nicht abstufen. Letztes Jahr es vielleicht etwas Besonderes, weil wir so viele Jahre darauf gewartet haben." Dennis Leicher hat nun bereits zwei Meisterschaften gewonnen. Kommende Spielzeit will er als junger Familienvater allerdings etwas kürzer treten.

Spitzenspielerin Yue Gu Wang: "Jetzt hoffe ich, dass wir die Champions-League noch gewinnen und dann habe ich meinen Job hier in Kroppach erfolgreich beendet." Teil eins ist für Wang geschafft, am 11. April im Rückspiel des Finales gegen Linz Froschberg soll der zweite Titel folgen.

"Dudu" Jiaduo Wu: "Nein, auf gar keinen Fall, ich gehe lieber duschen. Das ist mir zu spannend." Sprach "Dudu" und hastete in die Kabine. Dort gab es nämlich keinen Live-Ticker, der über den Zwischenstand in Berlin unterrichtete.

Krisztina Toth: "Es ist superschön, dass eine lange Bundesliga-Saison mit dem Meistertitel zu Ende geht und die nächsten Spiele nicht überlebenswichtig sind. Wir waren dieses Jahr sehr, sehr stark und haben die hohen Erwartungen erfüllt." Weiter sagte die Ungarin: "Ich dachte, dass Berlin wieder verliert, deshalb war ich auch in der Umkleide. Letztes Jahr war es nämlich auch so."

FSV-Manager Horst Schüchen: "Entscheidend war die individuelle Stärke der vier Spielerinnen. Selbst als Yue Gu Wang sicher geglaubte Punkte mal nicht geholt hat, sind Krisztina Toth, Nicole Struse und Dudu in die Bresche gesprungen."

Böblingens Spitzenspielerin Quianhong Gotsch: "Ich hätte im fünften Satz gegen Wang wieder mehr angreifen sollen. Im vierten hat es ja super geklappt."

Westerwälder Zeitung vom 30.03.2009, Seite 26.