„Dudu“ steuert auf ein deutsches Duell zu PDF Drucken E-Mail


Schon der Weg ins WM-Achtelfinale wird in Paris beschwerlich

Von unserem Mitarbeiter René Adler

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Kein Glück bei der Auslosung: Läuft alles normal bei der Weltmeisterschaft in Paris, trifft „Dudu“ Wu Jiaduo bereits in der zweiten Runde auf ihre deutsche Nationalmannschaftskollegin Irene Ivancan. Auch im Doppel mit ihrer Kroppacher Weggefährtin Kristin Silbereisen hätte sich „Dudu“ etwas mehr Losglück gewünscht. Foto: Marco Rosbach


Paris. Zu einer Weltmeisterschaft reist man eigentlich nicht, um gegen eine andere Deutsche zu spielen, mit der man fast tagtäglich trainiert. Aber genau das droht Tischtennis-Ass Jiaduo Wu am Mittwoch in Paris. Ihre Kroppacher Vereinskollegin Kristin Silbereisen hat im Einzel das deutlich bessere Los erwischt, während sich Krisztina Toth bei ihrer letzten Großveranstaltung etwas mehr Glück gewünscht hätte. Im Doppel hat sie es dafür aber viel besser getroffen als Wu/Silbereisen. Andrej Gacina vom TTC Zugbrücke Grenzau kann vor allem mit seinem Einzel-Los zufrieden sein.

Wenn Jiaduo Wu und die Berlinerin Irene Ivancan ihre Auftaktmatches gegen noch zu ermittelnde Qualifikantinnen gewinnen, kommt es in der zweiten Runde zum Aufeinandertreffen der Europameisterin von 2009 mit der EM-Finalistin von 2011. „Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass beide gegen Spielerinnen aus anderen Ländern antreten und gewinnen“, sagt Bundestrainerin Jie Schöpp. „Aber wir können uns damit trösten, dass auf diese Weise zumindest eine unserer Damen die dritte Runde erreichen würde.“

Die frühere Kroppacherin formulierte dies bewusst im Konjunktiv und warnte ihre Spielerinnen davor, gedanklich den zweiten Schritt vor dem ersten zu tun. „Alle fünf treffen in der ersten Runde auf eine Qualifikantin, die dann schon mehrere Spiele absolviert haben wird, die Bedingungen in der Halle kennt und mit einer Leistung von nur 80 Prozent sicher nicht zu schlagen ist“, mahnt die 117-fache Nationalspielerin. „Die Spielerinnen müssen sich auf die erste Runde konzentrieren und sollten lieber gar nicht darüber nachdenken, was in der zweiten Runde auf sie zukommen könnte, auch nicht „Dudu“ und Irene.“



Beste Abwehrspielerin steht im Weg

„Ich will mein Bestes geben und schaue von Runde zu Runde“, ist auch Wus Credo. Wobei sie in einem deutsch-deutschen Duell mit Ivancan in der Favoritenrolle wäre: Die letzten beiden Bundesliga-Partien gewann sie mit 3:0 und 3:1. „Ein festes Ziel habe ich nicht“, sagte die Nummer 31 der Setzliste. „Bei der Einzel-WM habe ich jedes Mal gegen eine Chinesin verloren.“ Das würde auch diesmal drohen, denn im Match um den Einzug ins Achtelfinale ginge es höchstwahrscheinlich gegen die Weltranglisten-Neunte Wu Yang – ebenfalls Abwehrspielerin, aber die beste der Welt.

Kristin Silbereisen gibt sich ob des enttäuschenden Scheiterns schon in ersten Runde vor zwei Jahren betont bescheiden. „Mein Ziel ist, erfolgreicher zu sein als bei der letzten WM“, meint die Weltranglisten-47. Doch ihre Auslosung ist durchaus verheißungsvoll. Wird die 28-Jährige ihrer Favoritenrolle gegen eine Qualifikantin und Defensivspielerin Ganna Gaponova (Ukraine) gerecht, würde sie gegen eine starke, aber nicht unschlagbare Gegnerin um einen Platz im Achtelfinale kämpfen. Jiang Huajun aus Hongkong ist die Nummer 14, aber unter den Top 16 eine der schwächsten; und eines von bisher zwei internationalen Duellen hat Silbereisen gegen sie gewonnen.

Im Doppel mit „Dudu“ geht es zunächst gegen Qualifikantinnen, und auch das tschechische Duo Dana Cechova/Renata Strbikova ist schlagbar. Doch im Achtelfinale würde die schwerstmögliche Aufgabe warten. Die chinesischen Titelverteidigerinnen Guo Yue/Li Xiaoxia sind in dieser Disziplin das Maß aller Dinge. Toth hat dagegen mit ihrer ungarischen Landsfrau Georgina Pota durchaus Chancen, ihr siebtes WM-Viertelfinale zu erreichen. Nach einem Sieg gegen Qualifikantinnen ginge es gegen Doo Hoi Kem/Li Ching Wang (Hongkong) und dann gegen Hiroko Fujii/Misako Wakamiya aus Japan. 1995 reichte es für Toth mit Csilla Batorfi ein einziges Mal zu Bronze – eine Wiederholung 18 Jahre später wäre der krönende Abschluss einer tollen Profikarriere. Im Einzel dürfte Runde zwei das höchste der Gefühle für die 38-Jährige sein, denn da würde die Weltranglistendritte Li Xiaoxia aus China warten.

Andrej Gacina aus Grenzau und sein kroatischer Landsmann Tomislav Kolarek wären spätestens in der zweiten Runde gegen die Japaner Koki Niwa und Kenta Matsudaira Außenseiter.



Gacina läuft auf Samsonov zu

Doch der Fokus des Weltranglisten-41. liegt eindeutig auf dem Einzelwettbewerb. Gegen einen Qualifikanten und den Österreicher Daniel Habesohn ist Gacina der Favorit, und beim ersten höher gesetzten Spieler hätte es ihn weit schlimmer treffen können. Im Match um den Einzug ins Achtelfinale wäre auch ein Duell mit einem der Top-Chinesen möglich gewesen. Stattdessen heißt der Gegner Wladimir Samsonow. Der Grenzauer hat zwar die bisherigen drei Vergleiche mit der Nummer elf der Welt verloren, doch der Weißrusse war zuletzt gerade bei Großereignissen verwundbar.

Westerwälder Zeitung vom Dienstag, 14. Mai 2013, Seite 14