Erste DM, erster Titel: Shan Xiaona trumpft auf PDF Drucken E-Mail
Erste DM, erster Titel: Shan Xiaona trumpft auf

Sechs Medaillen für die Spieler aus Kroppach und Grenzau

Von unserem Mitarbeiter René Adler

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Im Doppel stand Kroppachs Shan Xiaona (vorne) gemeinsam mit Zhenqi Barthel an der Platte und gewann Silber. Im Finale der Einzelkonkurrenz wurde aus den Partnerinnen Gegner – mit dem besseren Ende für Shan Xiaona, die ihre erste DM-Teilnahme mit dem Titel krönte. Foto: Imago


Bamberg. Das Aufgebot aus dem Westerwald bei den 81. deutschen Tischtennis-Meisterschaften hatte sich durch die Absage von Ruwen Filus (Grenzau) in letzter Sekunde auf drei Starter reduziert, aber das hielt Shan Xiaona und Kristin Silbereisen (beide Kroppach) sowie den Grenzauer Zoltan Fejer-Konnerth nicht davon ab, in Bamberg aufzutrumpfen. Das Trio gewann zusammen sechs Medaillen, davon vier aus Bronze. Herausragend war bei ihren ersten nationalen Titelkämpfen Shan Xiaona. Die frisch gebackene Nationalspielerin siegte im Einzel und gewann Silber im Doppel. Damit machte „Nana“ fast den Ausfall von Kroppachs „Dudu“ Wu Jiaduo vergessen.

Bis zum Endspiel hatte „Nana” die Konkurrenz beherrscht und nur einen Satz abgegeben – im Viertelfinale gegen Rosalia Stähr. Im Finale gegen ihre Doppelpartnerin Zhenqi Barthel (Bingen), Deutsche Meisterin der Jahre 2011 und 2006, gab es zum ersten und einzigen Mal ernsthaften Widerstand für die Kroppacherin. Denn die ebenfalls in China geborene Barthel kämpfte sich nach zwei schnellen Satzgewinnen von „Nana“ auf 1:2 und später noch einmal auf 2:3 heran, ehe die Debütantin aus dem Westerwald ihren Matchball zum 11:6, 11:6, 6:11, 11:7, 8:11 und 11:7 verwandelte. „Ich freue mich riesig, Deutsche Meisterin zu sein. Es ist ein Traum“, sagte Shan. „Für mich ist das gar nicht so einfach. Gegen die anderen trainiere ich ja jeden Tag, die kennen meine Aufschläge, mein Spiel ganz genau. Für mich ist es oft leichter, gegen Spielerinnen zu spielen, die mich nicht so kennen.“ Eine der ersten Gratulantinnen war ihre beste Freundin Kristin Silbereisen.



Silbereisen stark gegen Winter

Wie es ist, Deutsche Meisterin zu sein, bekam Shan nur wenige Minuten nach ihrem Finalerfolg zu spüren: Autogramme schreiben, Fotos machen, Interviews geben: Die 30-Jährige spulte das komplette Programm ab – und hatte sichtlich Spaß dabei. Ein Kroppacher Finale der besten Freundinnen im Einzel hatte Barthel verhindert. Silbereisen musste sich der gebürtigen Chinesin klar mit 0:4 geschlagen geben. Für die Gewinnerin von 2010 war Bronze in Bamberg das maximal Erreichbare, was auch angesichts ihrer Probleme mit dem Tennisarm in der Vorbereitung keine Überraschung war. Besonders überzeugt hatte Silbereisen beim 4:0 im Viertelfinale im Duell zweier Nationalspielerinnen gegen Sabine Winter (Kolbermoor). „Sabines Spiel kommt mir schon entgegen, im Training habe ich immer die Nase vorn“, berichtete die Kroppacherin. „Ich habe gerade gegen Sabine gut gespielt, konnte ihre schnellen Topspins sogar dagegen ziehen. Wenn ich anfangs merke, es kommen ein paar Schläge, dann läuft es auch oft rund.“



Doppel geht im Finale die Luft aus

Im Doppel pflügten Shan und Barthel geradezu durch das Turnier und gaben bis zum Endspiel lediglich zwei Sätze ab. Nach einem 4:1 über Tanja Krämer/Nadine Bollmeier (Anröchte/Saarlouis-Fraulautern) gingen sie als Favoritinnen ins Endspiel. Doch gegen die Nationalspielerinnen Winter/Solja fiel den Überraschungs-Finalistinnen der Qatar Open nach einer 2:0-Führung nicht mehr viel ein. Die Sätze fünf und sechs verloren sie haushoch mit 4:11 und 3:11. „Wir waren der Meinung, wir können es schaffen, auch nach dem 0:2“, meinten die beiden.

Dass Silbereisen auch im Doppel bis ins Halbfinale kommen würde, war nach der verletzungsbedingten Absage ihrer Stamm-Partnerin Wu Jiaduo erst Recht nicht zu erwarten gewesen. Doch die Zufalls-Paarung mit Zweitligaspielerin Alina Heck (VfL Tegel) funktionierte überraschend gut und sicherte sich durch ein dramatisches 4:3 über Nadine Sillus/Alexandra Scheld (TuS Uentrop) den Sprung aufs Treppchen. Eine Absage des Doppels war für Silbereisen nicht in Frage gekommen. „Mit dem Doppel kann man auch immer gut reinkommen in ein Turnier“, sagte die 27-Jährige. „Eine Medaille bei der DM ist eine Medaille. Egal, ob im Einzel oder im Doppel. Auch wenn wir vielleicht nicht den Titel gewinnen, freue ich mich über diese Medaille umso mehr.“ Auch im Halbfinale boten Silbereisen/Heck den Favoritinnen Winter/Solja beim 2:4 einen großen Kampf.



Fejer-Konnerth nutzt die Chance

Im Doppel tat sich für Zoltan Fejer-Konnerth und Philipp Floritz (Plüderhausen) eine Riesenchance auf, sogar den Titel zu gewinnen. Diese nutzten sie zunächst recht souverän und sicherten sich durch ein 4:2 über Benedikt Duda/Florian Schreiner (Bergneustadt/Fürstenfeldbruck) den Sprung aufs Treppchen. Dann das Unfassbare: Gegen Alexander Flemming/Jörg Schlichter (Hilpoltstein/Weinheim) führte das Duo scheinbar sicher mit 3:0, als der Faden riss und vier Sätze in Folge verloren gingen. Damit hatten sie das Endspiel doch verpasst.

Im Einzel profitierte Fejer-Konnerth von Ausfällen und Favoritenstürzen, der Grenzauer biss sich aber auch durch. Nach einem 4:2 über Frederik Jost (Weinheim) musste „Zolli“ gegen Qiu Liang (Frickenhausen) und Lennart Wehking (1. FC Köln) sogar über die volle Distanz gehen. Nach Siegen gegen drei starke Zweitliga-Spieler stand Fejer-Konnerth als Halbfinalist fest. Nur etwa eine Stunde nach der Riesen-Enttäuschung im Doppel musste er erneut an den Tisch. Gegen Steffen Mengel vom Bundesliga-Rivalen Frickenhausen entwickelte sich eine dramatische Partie. Der Grenzauer ging nach Sätzen mit 1:0, 2:1 und 3:2 in Führung, musste sich aber denkbar knapp mit 11:13 in der Verlängerung des Entscheidungssatzes geschlagen geben. „Jetzt bin ich richtig platt“, sagte der Grenzauer.

Westerwälder Zeitung vom Montag, 4. März 2013, Seite 24