Xu Yanhua erlebt Sternstunde PDF Drucken E-Mail

 

Xu Yanhua  erlebt SternstundeXu Yanhua von der SV Böblingen überrascht mit starker Vorstellung (Aufnahme: Petra Steyer)
Böblingen. Die Nummer zwei der SV Böblingen Xu Yanhua hat mit ihren Siegen gegen B-Nationalspielerin Shan Xiaona und gegen die Nummer 28 der Weltrangliste Wu Jiaduo vom FSV Kroppach für außerordentliche Schlagzeilen gesorgt. Des Öfteren wurde die 46-Jährige mit einem Augenzwinkern belächelt doch, dass Alter nicht vor überragender Leistung schützt, das bewies die ehemalige Kroppacherin in Perfektion. Letztendlich konnte sie das 3:6 nicht verhindern, aber der Tabellensechste zog sich sehr respektabel aus der Affäre. Bei den Gästen zeichneten sich Kristin Silbereisen und Krisztina Toth aus.

 

 

SV Böblingen – FSV Kroppach 3:6

 

Gastgeberinnen setzen dem Tabellenführer zu

In den Doppeln erwischte Tabellenführer FSV Kroppach die SV Böblingen auf dem falschen Fuß. Ein 2:0 für den Herbstmeister bedeutete zwar nichts Ungewöhnliches, dass Qianhong Gotsch/Xu Yanhua und Nicole Struse/Alexandra Urban ohne Satzgewinn blieben, entsprach dann doch nicht der Norm.

Dieser verhaltene Auftakt änderte sich schlagartig, denn Gotsch nahm gegen Wu Jiaduo ebenso Betriebstemperatur auf, wie Xu gegen Shan Xiaona. Beide Einzel entwickelten sich hochgradig spannend. Gotsch lag im ersten Satz mit 9:5 und 10:7 vorn, hatte aber mit 10:12 noch das Nachsehen. Dem Ausgleich mit 11:8 folgte eine Parallele zum Beginn. Nach einem 5:2, 6:4 und 8:6 sowie einer Auszeit von Gotsch, ergaben sich drei Satzbälle. Wie gewonnen so zerronnen, Dudu trumpfte erneut in dieser wichtigen Phase groß auf und punktete mit 15:13. Die ungenutzten Chancen hinterließen selbst bei der routinierten Gotsch Wirkung, die im vierten Durchgang mit 5:11 scheiterte.

Xu verstand es sehr gut die Bälle der FSV-Spitzenspielerin zu assoziieren. Einem knappen 12:10 schloss sich eine 8:11 und 11:9 an, wobei die Nummer zwei der SV einen deutlichen 2:5 und 4:7-Rückstand gegen die Penholderspielerin ausbügelte. Shan meldete sich mit einem 11:3 zurück, verlor aber nach einem 3:3 zum 4:9 den Überblick. Die Freude bei der Böblingerin, die zur Rückrunde erst in das Spitzenpaarkreuz aufrückte, war nach dem überraschenden 11:3 entsprechend. Nach ihren zwei Niederlagen zum Saisonstart ging für die 30-Jährige Shan eine Serie von elf Siegen in 

Kristin Silbereisen vom FSV Kroppach bleibt ohne Niederlage (Aufnahme: Ronny Pabst)Kristin Silbereisen vom FSV Kroppach bleibt ohne Niederlage (Aufnahme: Ronny Pabst)
Folge zu Ende.

Im unteren Paarkreuz nahm das Übergewicht der Gäste mit zwei Siegen zum 5:1 zu. Krisztina Toth gewann gegen Nicole Struse mit 3:1, und nach Abwehr von zwei Satzbällen das Tauziehen vor allem im vierten Satz mit einem 14:12 knapp. In souveräner Manier punktete Kristin Silbereisen mit 3:0 gegen Urban.

Nach der Pause bewies Xu, dass ihr Erfolg gegen Shan kein Zufall, geschweige denn eine Eintagsfliege bleiben sollte. Mit einem 11:9, 12:10, 11:9 düpierte die Trainerin des Herren-Bundesligisten SV Plüderhausen auch die Deutsche Meisterin Wu Jiaduo. Xu blieb auch in engen Phasen am Drücker und ließ in ihrer Konzentration nicht nach. Am Nebentisch setzte Gotsch Shan auch noch mit einem 13:11, 11:8, 11:9 zum 3:5-Zwischenstand schachmatt, sodass die 153 Fans begeistert aufsprangen.

Nach dem 5:5 im Topspiel der ersten Saisonhälfte gegen Verfolger TTSV-Saarlouis-Fraulautern und dem 6:4 gegen die TTG Bingen/Münster-Sarmsheim drängte ein Gegner den sechsfachen Deutschen Meister in die Enge. Struse packte mit einem hauchdünnen 13:11 den ersten Satz gegen Silbereisen ein, und Urban spielte sich nach einem 2:11 gegen Toth zum 8:5 in einen Rausch. Die Ungarin kratzte zum 11:9 die Kurve, aber auch im dritten Durchgang lag die Linkshänderin 0:4, 3:7 und 8:10 hinten. Mit einem 11:9 riss sich Urban den Satz unter den Nagel. Dieses aufkommende Feuer erstickte Silbereisen mit einem sicheren 11:5, 11:6 und 11:5 im Keim, sodass bei Toth Entspannung eintrat, denn dieses Einzel zählte nicht mehr.

„Mal abgesehen von den Doppeln, in denen wir überhaupt keine Taktik fanden und chancenlos blieben, war sogar noch mehr drin für uns. In früheren Zeiten gewann Hongi gegen Wu Jiaduo regelmäßig. Doch seit längerem trainiert Dudu in Düsseldorf zusammen mit Abwehrass Ding Yaping (TTG Bingen/Münster-Sarsheim), und deshalb findet sie immer mehr das richtige Rezept. Am Ende spielte Dudu fehlerfrei und sehr stark. Yanhua ließ eine unglaubliche Lockerheit erkennen, die zu einer super Leistung führte. Im unteren Paarkreuz setzte sie sich immer sehr unter Druck und bekam den berühmten Eisenarm. Sie wirkte viel ruhiger, weil sie ja auch nichts zu verlieren hatte. Schön für Yanhua, dass sie nicht gleich welche auf die Mütze bekommen hat. Schade aber, dass Alexandra ihr Match gegen Krisztina nicht beenden konnte, das hätte ich gern gesehen. Auf jeden Fall haben wir unseren Fans ein gutes Spiel geboten“, resümierte SV-Betreuer Ingo Gotsch zufrieden.

„Die richtig gute Leistung von Yanhua unterschreibe ich auch sofort. Dudu hatte gegen Hongi die richtigen Antworten parat, sie ließ auch bei den nahezu aussichtslosen Rückständen keine Hektik aufkommen. Je länger das Spiel dauerte, umso größer wurden die Vorteile für Dudu. Im fünften Satz kamen die Angriffsattacken von Hongi schon eher Verzweiflungstaten gleich. Shan lieferte in den letzten Partien viele tolle Spiele für uns ab, vielleicht war ihr Kopf heute nicht so frisch. Das ist aber überhaupt kein Beinbruch. Zwischen Tothi und Nicole bewegen sich die Vergleiche bei 50:50. Unsere Nummer vier ist aber sowohl körperlich, als auch mental in einer hervorragenden Verfassung. Wer Tothi kennt, weiß, dass sie auch gegen Alexandra in ihrem Element war. Ich bin überzeugt, dass sie nicht verloren hätte. Kristin hatte ihre Gegnerinnen im Griff, aber wir werden zum nächsten Spiel in Bingen noch eine Schippe drauflegen müssen“, erklärte FSV-Teambetreuer Dennis Leicher.

Stellungnahme von Krisztina Toth: "Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft und erleichtert, dass wir in Böblingen überhaupt gewonnen haben. Das war eine großartige Leistung, denn wir alle kämpfen und unterstützen uns gegenseitig. Wir sind nicht unzufrieden, weil wir mal "nur" 6:3 und nicht 6:0 siegten, im Gegenteil wir freuen uns. Und uns stimmt es etwas traurig, dass einige Fans enttäuscht sind. Sie sind wohl einfach zu erfolgsverwöhnt. Im Moment wird sich aber wohl niemand so richtig vorstellen können wie schwierig es für uns ist. In zwei Monaten ist alles vorbei, aber wir reißen uns trotzdem zusammen." Toth selbst steht ebenfalls mit Vereinen in Verhandlungen, aber konkret ist noch nichts. "Ich wohne jetzt seit 12 Jahren in Deutschland, deshalb möchte ich auch gern hier weiter aktiv sein. Allerdings muss ich auch schon einmal darüber nachdenken, was kommt danach. Ich verfüge über eine große Erfahrung und hätte auch Spaß an einer Verbands- oder Vereinstätigkeit", ergänzte die 38-Jährige.

Martina Emmert (www.tischtennis.de)