Kroppachs Shan Xiaona empfiehlt sich für die Nationalmannschaft PDF Drucken E-Mail
Rang drei für Wu/Silbereisen bei German Open – Frühes Hauptrunden-Aus für Grenzauer Spieler
 
Von unserem Mitarbeiter René Adler



Bremen. Bei einem Turnier mit mehr Schatten als Licht aus Sicht der heimischen Tischtennis-Asse hatte Shan Xiaona am meisten Grund zur Freude. „Nana“ stahl bei den German Open in Bremen ihren Klubkolleginnen vom FSV Kroppach im Einzel die Schau und kam als Qualifikantin bis ins Viertelfinale. Jetzt hofft die 29-Jährige, eine Chance in der deutschen Nationalmannschaft zu bekommen. Kristin Silbereisen und Wu Jiaduo scheiterten früh, wurden aber immerhin Dritte im Doppel. Die Grenzauer Ruwen Filus und Andrej Gacina verabschiedeten sich sofort aus dem Wettbewerb.

Erst die dritte Abwehrspielerin in Folge konnte Shan Xiaona stoppen – Viktoria Pavlovich (Weißrussland) ist nicht irgendeine, sondern die aktuelle Europameisterin.

Beim 2:4 verspielte die Kroppacherin eine 2:0-Führung und konnte dann keinen Durchgang mehr für sich entscheiden. Im sechsten vergab sie einen Satzball, der sie in den Entscheidungssatz gerettet hätte. „Ich habe gegen sie schon mal gewonnen. Ich finde, dass sie ihre Abwehr verbessert hat. Vielleicht war ich nicht mutig genug. Die Zuschauer haben mich klasse unterstützt“, sagte die Kroppacherin, bei der auch etwas die Kraft nachließ: „Der Schlagarm ist im dritten Spiel gegen Abwehr schon ziemlich schwer geworden.“ Es überwog aber die Freude über ein tolles Turnier. „Ich habe nie gedacht, dass ich so weit komme.“

Ihren Siegeszug hatte Shan in der Qualifikation mit klaren Erfolgen gegen die Waliserin Naomi Owen, Yoo Eonchong aus Südkorea (beide 4:0) und die Polin Katarzyna Slifirczyk (4:1) gestartet. „Gerade am ersten Tag ist die Anspannung hoch“, gestand sie, ihre Auftritte waren aber souverän. Das änderte sich nicht, als in der schwedischen Weltranglisten-50. Matilda Ekholm und der EM-Zweiten Xian Yifang (Frankreich) die ersten dicken Brocken kamen. Beim 4:2 gegen Ekholm war es recht eng, Abwehrspielerin Xian deklassierte „Nana“ mit 4:0. „Das Spiel gegen Abwehr liegt mir“, kommentierte sie. „Ich bin überglücklich. Hier international mitzuspielen ist ein Traum.“ Und der war noch nicht zu Ende: Im Achtelfinale drehte das FSV-Ass gegen Choi Moonyoung einen 1:3-Satzrückstand. „Ab dem dritten Satz habe ich dann kurz und lang variiert. Ich habe sie mehr laufen lassen und zu Fehlern gezwungen.“



Großer Sprung in der Weltrangliste

Die international bislang kaum in Erscheinung getretene Kroppacherin wird von Platz 125 in der Weltrangliste einen großen Sprung nach vorne machen. „Da bin ich meinem Verein Kroppach und dem deutschen Verband sehr dankbar, dass mir diese Chance ermöglicht wurde“, sagte die 29-jährige. Nun hofft Shan, die seit September einen deutschen Pass hat, auf eine Zukunft im Nationalteam. DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig bestätigte eine Anfrage der Spielerin und des FSV Kroppach: „Der DTTB prüft, ob eine Spielberechtigung nach ITTF-Kriterien möglich ist, und wird dann eine Entscheidung treffen.“

Silbereisen/Wu verpassten im Doppel den Einzug ins Endspiel knapp. Sie verloren das deutsch-deutsche Halbfinale gegen die Youngster Petrissa Solja (18 Jahre) und Sabine Winter (20) überraschend mit 3:4. „Den vierten Satz haben wir verschenkt“, ärgerte sich Silbereisen, und ihre Vereinskollegin pflichtete ihr bei: „Dass wir die Chance auf eine 3:1-Führung vergeben haben, war wohl entscheidend für den Spielverlauf.“ Allerdings seien sie beide bei diesem Turnier nicht in Bestform gewesen: Kristin wegen ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin, sie selbst wegen eines zweiwöchigen Bundeswehr-Lehrgangs. Die Zahl zwei brachte „Dudu“ im Einzel kein Glück: Die an Position zwei gesetzte Kroppacherin verabschiedete sich in der zweiten Runde gegen Lee Ho Ching (Hongkong) mit 2:4. „Sie hat fast alle Bälle wieder zurückgespielt, kaum Fehler gemacht. Ich habe mich heute nicht so gut gefühlt, wenig Gefühl und Power gehabt“, kommentierte sie. Silbereisen hatte kaum Worte für die 1:4-Erstrundenniederlage gegen die unbekannte Südkoreanerin Choi Jeongmin (318. der Welt) gefunden. „Ich war grottenschlecht, habe plan- und kopflos gespielt“, gab sie zu.



Fejer-Konnerth übersteht Quali

„Ich hätte nicht gedacht, dass ich hier so gut spielen würde“, freute sich Zoltan Fejer-Konnerth, der nach einer zweimonatigen Pause wegen einer Fußverletzung nur eine Woche trainiert hatte. Der 34-Jährige kämpfte sich mit klaren Siegen durch die Quali und lieferte in der ersten Hauptrunde dem in der Weltrangliste 104 Plätze vor ihm stehenden Jiang Tianyi (Hongkong) ein überraschend ausgeglichenes Match. „Da war heute mehr drin“, befand „Zolli“ sogar, Er verlor das Konzept wegen der anderen Aufschläge von Jiang, „der mich damit etwas verunsichert hat“.

EM-Achtelfinalist Ruwen Filus aus Grenzau scheiterte bereits zum Auftakt am Polen Daniel Gorak. „Das Spiel von mir war in Ordnung, jedoch habe ich zu viele leichte Fehler gemacht. In knappen Situationen fehlt mir einfach das Selbstvertrauen“, sagte er nach dem 1:4. Den zweiten und vierten Satz verlor er in der Verlängerung.

Teamkollege Andrej Gacina hat im November-Ranking den 32. Rang (von 42) erobert, die beste Platzierung seiner Karriere. Doch statt zum dritten Mal binnen kürzester Zeit Rekord-Europameister Timo Boll zu fordern, was die Auslosung möglich gemacht hatte, musste der Kroate schon nach einem 3:4 in Runde eins gegen Frankreichs Altmeister Damien Eloi die Segel streichen.

Westerwälder Zeitung vom Montag, 5. November 2012, Seite 25 (0 Views)