Nach dem Olympia-Aus gegen Japan kullern Tränen PDF Drucken E-Mail
Kroppacher Duo ist mit dem deutschen Team gegen Japan ohne Chance

Von unserem Mitarbeiter René Adler

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An der Seite ihrer Vereinskameradin „Dudu“ Wu Jiaduo verlor Kristin Silbereisen (rechts) das Doppel gegen Japans Ai Fukuhara und Sayaka Hirano glatt in drei Sätzen. Die Olympischen Spiele sind für die Debütantin aber noch nicht zu Ende, die Kroppacherin bleibt bis zur Schlussfeier. Foto: dpa


London. Es hat nicht zur großen Überraschung gereicht: Am späten Samstagnachmittag waren die Olympischen Spiele für die Tischtennisasse des FSV Kroppach beendet. „Dudu“ Wu Jiaduo und Kristin Silbereisen mussten sich mit ihrer Berliner Kollegin Irene Ivancan im Viertelfinale den an Position zwei gesetzten Japanerinnen mit 0:3 geschlagen geben – eine Partie, die möglicherweise anders verlaufen wäre, wenn „Dudu“ ihren Matchball im Auftakteinzel genutzt hätte. Nach dem Aus flossen vor allem bei den Olympia-Neulingen Silbereisen und Ivancan Tränen der Enttäuschung.

Wu lieferte Japans Bester, der Weltranglisten-Sechsten Kasumi Ishikawa, ein Duell auf Augenhöhe. „Dudu“ machte zweimal einen Satzrückstand wett und erspielte sich beim Stand von 10:9 im fünften Satz sogar einen Matchball. Doch dann verließ die Europe-Top-12-Siegerin etwas der Mut. „Sie hat meinen Matchball super abgewehrt und bei 11:11 sehr mutig geflippt“, musste die Kroppacherin anerkennen. Nach einem packendem Hochgeschwindigkeitsduell in Tischnähe unterlag die Nummer 16 der Welt mit 11:13 im Entscheidungssatz. „,Dudu' hat gegen eine Weltklassespielerin ein Weltklassespiel gemacht“, attestierte ihr Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig. Das konnte die 34-Jährige aber nicht trösten. „Das erste Spiel war wichtig. Ich bin sehr, sehr traurig“, sagte die Europameisterin von 2009. Denn danach kam es wie so oft im Sport: Wenn der Außenseiter seine Chance nicht nutzt, wird der Favorit immer sicherer. Ivancan gewann gegen die Weltranglisten-Siebte Ai Fukuhara zwar den ersten Satz, hatte insgesamt aber wie am Vortag gegen Australien Probleme, ausreichend Schnitt in ihre Abwehrbälle zu bringen, die häufig etwas zu hoch absprangen – ein Problem, das nicht wenige Defensivartisten in der ExCel-Arena haben. Die EM-Zweite von Danzig suchte ihr Heil vermehrt in der Offensive, kam aber nicht mehr in die Nähe eines Satzgewinns. „Man wartet auf ein olympisches Wunder, und dann passiert es einfach nicht“, sagte Ivancan und haderte mit sich selbst: „Ich konnte mein Bestes hier einfach nicht abrufen.“ Dies galt auch für Wu und Kristin Silbereisen, die bei einem 0:2-Rückstand gegen Fukuhara und Sayaka Hirano an den Tisch mussten und beim 0:3 ohne Chance blieben. „Wir haben daran geglaubt, dass wir es hier schaffen können. Jede von uns hat sich heute mehr erhofft“, war auch Silbereisen frustriert.

Am Ende stand also eine 0:3-Niederlage – wie bereits zweimal im Frühjahr bei der Heim-WM in Dortmund. „Die Mannschaft hat eine gute, Wu Jiaduo eine sehr gute Leistung abgerufen. Auf dieser Basis wollen wir weiterhin bauen“, sagte Schimmelpfennig. „Die Japanerinnen sind hinter den übermächtigen Chinesinnen zu Recht an Position zwei gesetzt und schwer für uns zu spielen. Wir hatten kleine Chancen gegen sie, haben aber gegen die bessere Mannschaft verloren“, meinte Jie Schöpp. Die Bundestrainerin bilanzierte: „Wir hätten gerne die Überraschung geschafft, aber im Endeffekt ist leider das Erwartete eingetreten. Ich kann meinen Spielerinnen keinen Vorwurf machen. Alle haben gekämpft und immer an ihre Chancen geglaubt.“

Ihre Setzungen haben Deutschlands Frauen in allen Wettbewerben erfüllt. Mit der Mannschaft gab es gegenüber den Spielen von Peking eine deutliche Verbesserung: vom Vorrunden-Aus und Rang 13 auf Viertelfinale und Platz fünf in diesem Jahr. „Wir haben uns in den Einzel- und den Mannschaftswettbewerben sehr gut präsentiert“, befand der Sportdirektor. Im Einzel waren Wu im Achtelfinale und Silbereisen in Runde drei ausgeschieden. Über sich hinausgewachsen ist in London allerdings keine deutsche Spielerin. Die Möglichkeit für den nächsten olympischen Anlauf gibt es in Rio de Janeiro.

„Wir werden alles dafür tun, uns für 2016 wieder zu qualifizieren und dann anzugreifen“, kündigte Schöpp an, und Schimmelpfennig urteilte: „Zunächst hört keine unserer Spielerinnen auf, aber auch im Nachwuchsbereich sind wir für die weitere Zukunft gut aufgestellt.“ Kristin Silbereisen wird aber erst mal ihre ersten Olympischen Spiele bis zum Ende auskosten und nicht nur die deutschen Tischtennis-Männer anfeuern, die in der ExCel-Arena eine Medaille gewinnen wollen. „Ich bleibe bis zum Ende und hoffe, dass ich Tickets für andere Sportarten bekomme“, sagte die 27-Jährige.

Westerwälder Zeitung vom Montag, 6. August 2012, Seite 25