Silbereisen und Wu erfüllen Plicht PDF Drucken E-Mail
Olympische Spiele Kroppacher Duo ist mit dem deutschen Team jetzt gegen Japan gefordert

Von unserem Mitarbeiter René Adler

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Kristin Silbereisen steht mit dem Team im Viertelfinale. Foto: dpa

London. Kristin Silbereisen und „Dudu“ Wu Jiaduo vom FSV Kroppach haben mit den deutschen Tischtennis-Frauen bei den Olympischen Spielen das Viertelfinale erreicht. Ihre Pflichtaufgabe gegen den Weltranglisten-27. Australien lösten die Spielerinnen von Bundestrainerin Jie Schöpp souverän und gewannen mit 3:0. Um eine Überraschungsmedaille zu holen, brauchen das Kroppacher Duo und die Berlinerin Irene Ivancan noch zwei Siege. Am heutigen Samstag folgt für die Nummer sechs der Welt die ungleich schwierigere Kür gegen die an Position zwei gesetzten Japanerinnen. „Die Damen sind gut drauf. Sie konnten Selbstvertrauen aus dem Einzelwettbewerb ziehen und hatten dazwischen ein paar Tage Pause, die sie zum Training genutzt haben“, hatte Dirk Schimmelpfennig, der Sportdirektor des Deutschen Tischtennis-Bundes, vor dem Achtelfinale gesagt. „Wir sind gut vorbereitet und gehen optimistisch in die Partie gegen Australien.“ Dieser Einschätzung des früheren Frauen-Bundestrainers ließen die Spielerinnen Taten folgen.

Allerdings wurde Ivancan zum Auftakt einmal mehr ihrem Ruf als Spätstarterin gerecht. Im ersten Olympia-Match ihres Lebens verlor sie Satz Nummer eins mit 7:11 – und wurde erst sicherer, als sie den zweiten Durchgang, nach einer scheinbar komfortablen 7:3-Führung, knapp mit 15:13 für sich entschieden hatte. Letztlich reichte es zu einem Vier-Satz-Erfolg. Eine klare Sache war das anschließende 3:0 von Wu gegen Lay Jian Fang. „Dudu“ präsentierte sich ebenso überlegen wie beständig und gewann dreimal mit 11:7. Spannender ging es im Doppel zu. Zwischen Wu und ihrer Kroppacher Kollegin Kristin Silbereisen und Miao/Vivian Tan entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe, das die deutsche Paarung nicht zuletzt aufgrund ihrer Nervenstärke mit 3:1 (11:6, 9:11, 12:10, 12:10) gewann. „Es war schwierig, gegen sie in unseren Rhythmus zu finden“, so Silbereisen. „Sie spielen ein ungewohntes Tempo mit ihren Noppen.“ Bundestrainerin Schöpp meinte: „Für so ein Spiel ist ein 3:0 im Ergebnis gut. Uns war klar, dass das ein Pflichtsieg war, aber das macht es nicht leichter, wenn es das erste Spiel im Turnier ist.“

Am Samstagnachmittag folgt nun die Kür gegen die an zwei gesetzten Japanerinnen, die beim 3:0 gegen die USA wie erwartet keine Mühe hatten und keinen einzigen Satz abgaben. Die deutschen Frauen haben bei der Heim-WM im Frühjahr sogar zweimal mit 0:3 gegen das Team aus Asien verloren – deutliche Niederlagen, auch wenn es in einzelnen Matches durchaus Siegchancen gab. Dies will Schöpp zum Anlass nehmen, um ihren Spielerinnen den Glauben an einen Überraschungssieg zu vermitteln. „Bei Olympia ist der Trainer auch als Psychologe gefragt“, weiß die frühere Kroppacherin. Die Nervosität vor und während des Wettkampfes sei aufgrund der besonderen Situation ungewöhnlich groß.

Ein grundsätzliches Problem: Das olympische Spielsystem ist ein Nachteil für das deutsche Team, weil es international das einzige mit Doppel ist. Hier hat Schöpp praktisch keine Alternative, denn Ivancan ist Defensivspielerin, und Angriff-Abwehr-Doppel sind problematisch, auf höchstem Niveau eigentlich nicht konkurrenzfähig. Deshalb muss sich Schöpp – wie gegen Australien geschehen – praktisch für das Kroppacher Doppel Wu/Silbereisen entscheiden, was bedeutet, dass „Dudu“ als beste deutsche Spielerin nur ein Einzel spielen kann und das Team obendrein leichter auszurechnen ist. Der Debütantin Ivancan kommt als zweifache Einzelspielerin eine Schlüsselrolle zu. Oder hat Schöpp gegen Japan eine Überraschung parat? Sie könnte auch das Doppel opfern, um Wu bei einem engen Spielverlauf zwei Einzel zu ermöglichen.

Westerwälder Zeitung vom Samstag, 4. August 2012, Seite 24