Der Traum von der Mannschaftsmedaille lebt PDF Drucken E-Mail
Olympische Spiele Tischtennis-Spielerin Kristin Silbereisen spricht im Interview über ihre Erwartungen und Ziele in London

London/Kroppach. „Wenn ich groß bin, will ich zu Olympia“ – das hat Tischtennisprofi Kristin Silbereisen ihren Klassenkameraden schon in der Grundschule erzählt. 20 Jahre später geht dieser Traum tatsächlich in Erfüllung, und zumindest in der Mannschaft lautet das Motto der Kroppacherin nicht „Dabeisein ist alles“. Zusammen mit Vereinskollegin Wu Jiaduo und der Berlinerin Irene Ivancan möchte Silbereisen um eine Medaille spielen, wie sie im Interview verrät. Im Olympischen Dorf würde sie gerne Superstars aus anderen Sportarten treffen.

Sie haben sich ja schon sehr früh, im Mai 2011, für London qualifiziert. Wann fing das Olympia-Kribbeln richtig bei Ihnen an?

Nach der Team-Weltmeisterschaft im Frühjahr in Dortmund. Seitdem ist alles auf London ausgerichtet.

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Kristin Silbereisen vom deutschen Serienmeister FSV Kroppach steht in London vor dem Höhepunkt ihrer Karriere. Im Mannschaftswettbewerb hält sie alle Gegnerinnen außer China für „nicht unschlagbar“. Foto: Jürgen Vohl


Auf was freuen Sie sich, abseits von den Wettkämpfen, am meisten?

Am meisten würde es mich freuen, wenn ich an der Eröffnungsfeier teilnehmen könnte. Aber das steht noch in den Sternen, weil meine Wettkämpfe schon am 28. oder 29. Juli beginnen. Nach der Auslosung werde ich noch mal mit den Trainern verhandeln, ob ich bei der Eröffnungsfeier dabei sein kann.



Welchen Stars aus anderen Sportarten würden sie gerne im Olympischen Dorf über den Weg laufen?

Roger Federer, aber der schläft leider nicht im Olympischen Dorf oder Usain Bolt. Ich werde mich aber nicht als Promi-Jägerin betätigen und die Stars verfolgen, um mit ihnen ein Foto zu machen.



Anders als in Peking beginnt das Turnier mit dem Einzel-Wettkampf, erst danach findet das Mannschafts-Turnier statt. Ist das aus Ihrer Sicht ein Vorteil?

Das finde ich eigentlich egal. Ich werde versuchen, von Anfang an mein bestes Tischtennis zu spielen. Wobei es vielleicht ganz gut ist, vor der Mannschaft ein paar Einzel zu spielen, um dann richtig im Turnier zu sein.



Da Sie nicht zu den 16 Topgesetzten gehören, werden Sie im Einzel als Einzige aus dem deutschen Aufgebot schon in Runde zwei an den Tisch müssen. Spüren Sie da eine besondere Verantwortung?

Nein, eine besondere Verantwortung ist das für mich nicht. Meine zweite Runde wird sicher nicht einfach werden, aber ich will natürlich gewinnen.

Auch wenn die Auslosung noch aussteht: Wie weit könnte die Reise im Einzel für Sie gehen?

Ich will selbstverständlich so weit wie möglich kommen und würde gerne für eine Überraschung im Turnier sorgen. Ich weiß, dass ich gegen sehr viele Gegnerinnen gewinnen kann, die in der Weltrangliste vor mir stehen, zum Teil auch weit vor mir.

Im Mannschafts-Wettbewerb starten 16 Nationen. Ist das Minimalziel, ins Viertelfinale zu kommen und da nicht auf China zu treffen?

Na klar, wenn es im Viertelfinale gegen China ginge, wäre das natürlich sehr unglücklich. Alle anderen Gegner sind für uns nicht unschlagbar, das hat die Team-WM in Dortmund ja gezeigt. Singapur würde sicher nicht mit einem super Gefühl gegen uns antreten, aber auch gegen Japan oder Südkorea hätten wir eine gute Chance. Wir wollen in London um eine Medaille spielen, und wenn wir ins Viertelfinale kommen, sind wir auf jeden Gegner heiß. Wenn es dann Singapur wäre, wäre das natürlich noch besser.



Die Fragen stellte René Adler

Westerwälder Zeitung vom Donnerstag, 26. Juli 2012, Seite 14